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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Panjim - Pannonia

(Neap. 1880); P. Merimée, Lettres à M. P. 1850-70 (2 Bde., Par. 1881).

Panjim (Pandschim), Hauptstadt von Goa (s. d.).

Pankha, engl. Punka, große in Ostindien gebräuchliche Fächer. Der P. besteht aus einem von der Zimmerdecke herabhangenden Holzgestell, dessen unteres Ende mit Stoff überzogen ist. Vermöge eines Strickes wird der P. durch Diener während der heißen Jahreszeit in Bewegung gehalten.

Pankl, Božena, czech. Schriftstellerin, s. Němcová.

Panklastit, einer der Sprengelschen Explosivstoffe (s. Explosivstoffe). Er wurde 1882 von Turpin erfunden und besteht aus 3 Teilen Untersalpetersäure und 2 Teilen Schwefelkohlenstoff. Das P. ist eine Flüssigkeit, die leicht herzustellen, gefahrlos zu handhaben ist und eine bedeutende Explosionswirkung hat; es verliert an Kraft und Empfindlichkeit, wenn man es nach Art der Dynamite mit einem porösen Aufsaugungsmittel mischt. Von der belg. Geniekommission 1883 als Kriegssprengmittel empfohlen, hat es in Deutschland das Dynamit nicht zu verdrängen vermocht. Turpin unterscheidet mehrere Arten von P., von denen obige die beste sein soll; andere enthalten statt des Schwefelkohlenstoffs einen Kohlenwasserstoff, Fette oder nitrierte organische Körper.

Pankow, Dorf im Kreis Niederbarnim des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, links an der Panke, nördlich von Berlin, mit dem es durch Pferde- und elektrische Bahn sowie Vorortverkehr (Nordbahn) verbunden ist, an den Linien Berlin-Stettin und Berlin-Stralsund der Preuß. Staatsbahnen, hatte 1890: 6998, 1895: 11 828 (5747 männl., 6081 weibl.) E., Postamt Zweiter Klasse, Telegraph, zahlreiche Villen, höhere Knaben- und Mädchenschule, Erziehungshäuser der 1847 begründeten Pestalozzistiftung, mehrere Nervenheilanstalten, Wasserleitung; Gemüse- und Blumenhandel. Unmittelbar nördlich das Dorf Nieder-Schönhausen, mit 2500 E., vielen Landhäusern und einem von Eosander erbauten Schlosse, einst Residenz der Gemahlin Friedrichs d. Gr.

Pankration (arch., "Gesamtkampf"), bei den alten Griechen ein Wettkampf, bei dem die Kämpfer, Pankratiasten, den Faustkampf mit dem Ringkampf in der Art verbanden, daß sie nur mit der unbewaffneten Hand und nicht mit der geballten Faust, sondern nur mit gekrümmten Fingern schlugen. (S. Olympische Spiele.)

Pankratius, Pankraz, christl. Märtyrer, während der Christenverfolgung unter Kaiser Diocletianus enthauptet. Sein Todestag, der 12. Mai, führt im Kalender seinen Namen und ist als einer der Gestrengen Herren (s. d.) bekannt.

Pankreas (grch.), s. Bauchspeicheldrüse; Pankreatitis, die Entzündung derselben.

Pankreatin, flüssige oder feste Präparate aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreasdrüse) des Schweines oder Rindes. Sie enthalten ein eiweißverdauendes Ferment, das Trypsin, und werden als verdauungsbeförderndes Mittel und zur Lockerung diphtheritischer Membranen benutzt.

Panneau (frz., spr. -noh), soviel wie Füllung (s. d.).

Pannen, die Schwungfedern der Falken.

Pannerdenscher Kanal, Arm des Rheins (s. d.).

Pannerherren, s. Banner.

Pannetiers Grün (spr. -tĭehs), s. Chromgrün.

Panneuritis endemica perniciosa, Tropenkrankheit, s. Beriberi.

Panniculus adiposus, s. Fetthaut.

Pannisellum, s. Bischofsstab.

Pannonia, als röm. Provinz das Gebiet, das im N. und O. durch die Donau, im W. durch die Gebirge von Noricum (s. d.) begrenzt wurde und im S. mit einem schmalen Streif über die Save (Savus) reichte, also das heutige Ungarn südlich von der Donau, Slawonien, einen Streif von Bosnien, Kroatien und die östl. Striche von Krain, Steiermark und Niederösterreich umfaßte. Seinen Namen hat es von den Pannoniern, einem Volke illyr. Stammes, das teilweise mit Kelten durchsetzt war. Von einzelnen Völkerschaften werden die Azalier, Boier, Skordisker, Arevisker, Breuker, Amantiner u. a. genannt. Gegen die Pannonier und ihre dalmatin. Nachbarn, die Japyden, richtete zuerst Octavian 35 und 34 v. Chr. die röm. Waffen und bezwang sie nach der Eroberung von Siscia (Sissek) an dem Einflusse des Colapis (Kulpa) in die Save. Äußerlich durchgeführt wurde die Unterwerfung P.s aber erst in längerm Kampfe 12-9 v. Chr. durch seinen Stiefsohn Tiberius. Einen großen Aufstand warf nach blutigen und hartnäckigen Kämpfen in den J. 6-9 n. Chr. auch wieder Tiberius nieder. Die Pannonier sollen damals 100 000 wehrfähige Männer gezählt haben. Hierauf wurde das Land zur röm. (kaiserl.) Provinz eingerichtet und allmählich romanisiert. P. stand unter einem Legatus Augusti, hatte aber zunächst noch nicht den spätern Umfang. Die Römer hielten anfangs nur die durch die Plätze Carnuntum, Poetovio (Pettau) und Siscia bezeichnete Linie besetzt und schoben ihre Truppen erst (zwischen 102 und 107 n. Chr.) unter Trajan überall bis zur Donau vor, die nun durch die Plätze Brigetio (bei Komorn) unter Hadrian, Acincum (Alt-Ofen) und Mursa (Esseg) gedeckt wurde. Carnuntum und die Gegend bei Wien kam unter Vespasian von Noricum zu P.; Poetovio ist unter Diocletian zu Noricum geschlagen worden. Krain gehörte anfangs zu P., später größtenteils zu Italien.

Lange bestand seit Trajans Zeit die Einteilung der Provinz in das obere (westliche P. superior) und das niedere (östliche P. inferior) P., zwischen denen eine Linie von der Mündung des Flusses Raab (Arabo) in die Donau bis zur Mündung des bosn. Flusses Vrbas (Urpanus) in die Save die Grenze bildete. Seit Diocletian dagegen zerfiel Unterpannonien in die Provinzen Valeria, den nördlichen, und P. secunda, den südl., sirmischen Teil; Oberpannonien aber wurde geteilt in das nördliche P. prima und das südliche P. Savia oder ripariensis. Namentlich Oberpannonien war der Schauplatz des markomann. Krieges im 2. Jahrh. gewesen; von den Markomannen, Quaden und Jazygen wurde das Land auch später beunruhigt, obwohl hier befreundete Vandalen angesiedelt wurden. Im 5. Jahrh. wurde es von dem weström. Kaiser Valentinian III. an den oström. Theodosius II. und von diesem an die Hunnen (s. d.) abgetreten. Nach Attilas Tode 453 nahmen es die Ostgoten ein; neben ihnen wohnten in dem nordwestl. Teile Rugier; Theodorich führte 488 die Goten heraus, doch gehörte P. später zu seinem italischen Reiche. Unter Audoin besetzten 527 die Langobarden das Land, überließen es aber 568 beim Abzuge nach Italien den Avaren; neben diesen siedelten sich im Süden später slaw. Stämme an. Die Avaren unterlagen Karl d. Gr., dessen Herrschaft sich auch über P. erstreckte. Unter seinen Nachfolgern verbreiteten sich auch vom Norden her Slawen