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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Panther - Pantograph
27 v. Chr. im Anschluß an seine Thermen, jedoch
nicht als Teil derselben, einen Kultraum, der schon
59 v. Chr. als P. bezeichnet wird. Noch steht die
Vorhalle (16 m hoch, 35 m breit) mit 16 Granit-
säulen und schönen korinth. Marmorkapitälen. Der
Van des Agrippa wurde unter Trajan durch Brand
zerstört, von Hadrian erneuert. Vielleicht erhielt
erst damals die Cella die Form der imposanten
kuppelgedeckten Rotunde (Höhe und Durchmesser
der Kuppel 43,5 m), welche man früher gewohnt
war, als höchste Leistung der röm. Architektur unter
Augustus zu bewundern. Das Innere wird nur
durch eine einzige 8,5 in weite kreisförmige Licht-
öffnung im Scheitel der Kuppel erhellt. Die Wand-
fläche ist durch sieben Nischen geteilt, in denen
Götterstatuen (vielleicht die sieben Planetengötter;
bezeugt sind Mars und Venus, außerdem Cäsar)
standen. Der untere Teil des Cylinders bis zum
.Hauptgesims hat noch seine prachtvolle Marmor-
verkleidung, die aber wohl nicht vom ersten Bau,
sondern von einer Restauration unter Septimius
Severus (202 n. Chr.) herrührt. Die aus derselben
Zeit stammende Dekoration der Attika über dem
Hauptgesims ist seit 1747 durch eine geschmacklose
Stuckdekoration ersetzt. Papst Vonifacius IV. ver-
wandelte das P. 607 in die Kirche Sta. Maria ad
martyres; gewöhnlich wird sie ihrer Form wegen
Sta. Maria Notonda oder kurzweg La Notonda
genannt. <S. Allerheiligen Uest^.) Die Verwand-
lung in eine Kirche schützte das P., gleich andern
röm. Monumentalbauten, vor Zerstörung, nicht
aber vor willkürlichen Änderungen. So ließ Ur-
ban VIII. 1632 den aus genieteten Bronzebalken
bestehenden Dachstuhl der Vorhalle einschmelzen,
Benedict XIV. 1747 einen großen Teil der Innen-
dekoration zevstören. Neuerdings (besonders 1881
und 1882) hat man das P. durch Niederlegung der
m der Nenaissancezeit angebauten .Häuser isoliert
und das antike Terrain bls zum Pflaster des um-
gebenden Platzes freigelegt. Reparaturen der Kuppel
gaben 1892 dem franz. Architekten Chidanne Ge-
legenheit zu Untersuchungen über die Geschichte des
Baues, welche die bisher angenommene Chrono-
logie völlig verändern. - Vgl. Guillaume (in der
"K6VU6 ä68 v6ux N0nä68", Bd. 112, 1892), A.
Michaelis (in den "Preuß. Jahrbüchern", 1893),
Dell (in Lützows "Zeitschrift für bildende Kunst",
1893), Hülsen (in den "Mitteilungen des Archäo-
logischen Instituts", 1893, wo die Litteratur voll-
ständig verzeichnet ist).
Das P. enthält unter andern Gräbern berühmter
Männer dasjenige Raffaels und ist im Jan. 1878
auch die Ruhestätte Victor Emanuels II., des ersten
Königs von Italien, geworden, dessen Bronzegrab-
mal 9. Jan. 1887 enthüllt wurde.
Das P. in Paris ist ursprünglich als Kirche der
heil. Genoveva, der Schutzpatronin von Paris, ge-
baut. Lndwig XV. legte 1764 den Grundstein zu
dem kolossalen, nach Plänen Soufslots errichteten Ge-
bäude. Es ist wie ein gricch. Kreuz mit gleichseitigen
Schenkeln gestaltet, in dessen Mitte der Dom mit der
Kuppel steht, und hat eine Vorhalle mit Giebel-
skulpturen (Frankreich an seine Söhne Kränze aus-
teilend) von David d'Angers, die von 22, an 20 m
hohen korinth. Säulen getragen wird. Die Länge
des Gebäudes ist 112, seine Breite 84 m. (S. Tafel:
Französische Kunst II, Fig. 1.) Das Innere be-
steht aus dem großen, neuerdings mit Gemälden
geschmückten Kreisrund unter der Kuppel und aus
Brockhaus' Konversationslexikon. 14. Aufl.. XII.
den vier Kirchenschiffen, welche die Arme des Kreuzes
dilden; 130 korinth. Säulen tragen die Galerie mit
den Logen. Das Licht fällt durch die Bogen, welche
sich über den Logen befinden. Auf der Kuppel steht
noch die sog. Laterne mit Galerie. Die Höhe bis an
die Turmknppel beträqt 90 iu. Das Gebäude war
noch nicht beendigt, als ihm die Nationalversamm-
lung 1791 den Namen Pantheon Francais und
die Bestimmung eines Ehrentempels erteilte, wo die
Standbilder großer Männer aufgestellt werden soll-
ten, eine Bestimmung, die von Napoleon I., Lud-
wig XVIII. und Napoleon III. zu Gunsten des
Gottesdienstes wieder aufgehoben, von der Republik
1830 und zuletzt 1885 wiederhergestellt wurde. Es
ruhen dort unter andern Lagrange, Lannes, Victor
Hugo, Lazare und Sadi Carnot.
Panther, f. Leopard. In der Heraldik ist der
P. ein Phantasietier, das nicht dem natürlichen
P. nachgebildet ist, sondern an den Löwen, das
Pferd, den Stier und den Drachen erinnert, mit
welch letzterm es gemeinsam vielfach feuerspeiend
dargestellt wird.
Pantherkatze, s. Pardelkatze.
Pantherfchwamm, Mariens Mntiisrinus
D()., giftiger Pilz mit großem ausgebreitetem Hut
und hohem, schlankem, mit einem weißen Ringe ver-
sehenen Stiele, ähnelt in seinem ganzen Habitus dem
Fliegenpilz (s.d.), und die Oberfläche des Hutes ist
gleichfalls mit weißen Schuppen bedeckt; doch ist ihre
Grundfarbe dunkelbraun oder gelbbraun und nickt
rot <s. Tafel: Pilze II. Giftige Pilze, Fig. 1).
Der P. findet sich meist in lichten Gebirgswäldern;
doch nicht so häufig als der Fliegenpilz; er gehört
gleich diesem zu den giftigsten Pilzformen.
Panthöos, Ältester oder Priester in Troja, war
in seiner Jugend Apollonpriester in Delphi und
wurde von da durch Antenors Sohn geraubt. Zur
<^>ühnung Apollons machte ihn Priamos wieder
zum Priester. Sein Sohn Euphorbos heißt in
der Ilias einer der tapfersten Trojaner. Er ver-
wundete den von Apollon betäubten Patroklos, den
hernach Hektor tötete, und siel dann selbst beim
Kampfe um den Leichnam des Patroklos von der
Hand des Menelaos.
Panticapäum, alte Stadt in derKrim, s.Kertsch.
Pantin (spr. pangtüng), Vorort von Paris, im
Arrondissement St. Denis des Depart. Seine, an
der Großen Gürtelbahn und der Linie Paris-Lune'-
ville der Ostbahn, hat (1891) 21847 E., Erziehungs-
anstalten; Zuckersiederei und Raffinerie, Glas- und
Wachstuchjabrikation.
Pantme, an manchen Orten Norddeutschlands
Name für Holzpantoffel.
Pantoffelblume, s. (^(noiaria.
Pantoffelholz, ein Werkzeug, soviel wie Kork-
bolz (s. Lederfabrikation, Bd. 11, S. 15d; Tafel:
Lederfabrikation, Fig. 11).
Pantoffelkoralle, s. Oalceola ZHnäalina.
Pantoffe^kuß, s. Fußkuß.
Pantographsgrch.) oder Storchschnabel, ein
Instrument zum Übertragen einer Zeichnung oder
Karte aus einem Verhältnis in ein anderes (meist
kleineres). Zu Vergrößerungen gebraucht man den
P. im allgemeinen nicht, weil hierbei auch alle
Fehler mit vergrößert werden. Die Konstruktion
des P. beruht darauf, daß bestimmte Punkte eines
in seinen Ecken beweglichen, nur an einem Eckpunkt
festgehaltenen Parallelogramms bei der Bewegung
einander ähnliche Figuren beschreiben. Der P.
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