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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Panzerdrehtürme
lasette.) Die Seitenrichtung wird dem Geschütz dnrch
Drehen des ganzen Turmes gegeben.
Die ersten P. wurden gegen Ende der sechziger
Jahre bekannt und sind seitdem mehrfach verbessert.
In Deutschland erlangten sie zuerst durch Einstellung
der Grusonschen Hartguhtürme größere Be-
deutung. Dieselben haben je zwei schwere Küsten-
oder Festungsgeschütze (15 und 28 cm) m Gruson-
scher Minimalschartenlafette. Die kugelsegmentartige
Kuppel ist aus einzelnen Seiten- und Deckplatten
zusammengesetzt. Ihre besondere gewölbte Form
begünstigt ein Abgleiten der auftretenden Geschosse.
InfolgederVervollkommnungderGeschoßwirkung
treten jetzt an Stelle der Kartgußplatten Walzeisen-,
Compound- und Stahlplatten. So konstruierte spä-
ter der preuß. Oberstlieutenant Schumann in Ver-
bindung mit dem Grusonwerk die nach ihm benann-
ten Panzerlafetten. Bei denselben ruht die walz-
eiserne oder stählerne Panzerkuppel fest auf den
Lafettenwänden auf. Zwifchen letztern ist das Rohr
ohne Rücklauf eingelagert, doch fo, daß es, um seine
Mündung schwingend, mittels kreisbogensörmiger
Bahnen nach der Höhe verstellt werden kann. Die
Lasette ruht auf einer Pivotsäule und ist mit dieser
zugleich wagerecht drehbar. Eine Hebevorrichtung
gestattet die Lasette mit Decke zu heben, falls in
die Ritze zwifchen Decke und Vorpanzer eingeklemmte
Sprengstücke oder auch Verbeulungen an den Rän-
dern beider die sreie Drehung etwa verhindern.
Beim Schuß wird der Rückstoß des Rohres durch
Vermittelung der Lasette auf die schwere Panzerdecke
übertragen, diese kippt um ein geringes Maß nach
hinten zurück, bis sie Anlehnung findet, worauf sie
infolge ihrer Schwerpunktslage wieder in die ur-
sprüngliche Stellung zurückkehrt. Um das Rohr
leichter bewegen zu können, ist es durch ein Gegen-
gewicht ausbalanciert. Diese Konstruktion gestat-
tet die Aufstellung nur eines Gefchützes, ist aber
sehr einfach; der Turm ist leichter drehbar und
läßt viel freien Raum im Innern für die Bedienung.
Die Schumannsche Panzerlafette ist in den neue-
sten Befestigungen viel verwendet, so z. B. in den
belg. Maasbefestigungen und in den Werken von
Bukarest. Sie ist mit leichten und schweren Kanonen
sowie Haubitzen vom 12 bis 21 cm-Kaliber ausge-
rüstet. Mit diesem Turmtyp siegte die deutsche In-
dustrie bei den Konkurrenzversuchen in Bukarest über
die franz. Fabrik St. Chamond, und man beeilte sich
in Frankreich, die wesentlichsten Konstruktionsprin-
cipien nachzuahmen.
Außerdem führte Schumann auch noch kleinere
fahrbare Panzerlafetten (s. Tafel: Ge-
schütz e IV, Fig. 3) aus, die im Feld- und Festungs-
kriege innerhalb verschanzter Stellungen zur Abgabe
von Schnellfeuer aus Gefchützen kleinen Kalibers be-
stimmt waren. Sie wurden in Deutschland zum erstcn-
mal bei den Kaisermanövern des 7. und 10. Armee-
korps 1889 verwendet. Für den Transport werden
sie auf zwei- oder vierräderige Fahrzeuge verladen.
Sie bestehen aus einem mit Boden und Thür ver-
sehenen Blechmantel, der oben durch eine drehbare
Panzerlafette geschlossen ist, und sind mit einem 3,7-
5,7 cm-Sctmellfeuergeschütz armiert. Zur Bedienung
sind zwei Mann erforderlich. Die Stärke der Panzer-
kuppel sichert gegen Gewehr- und Shrapnelfeuer
sowie gegen Granatsplitter und Volltreffer von Feld-
aranaten. Die Verwendung dieser kleinen Panzer-
lafetten in größeren Mengen und als Erfatz für
schwere gepanzerte Geschütze in permanenten Be-
festigungen hat sich viel Freunde erworben (vgl.
hierüber die Schriften des bayr. Generals der Ar-
tillerie Sauer und des Schweizer Kapitäns Meyer).
In Rumänien ist die Stellung der Sereth-Pruthlinie
in diesem Sinne permanent ausgebaut; doch hat
das Beifpiel keine weitere Nachahmung gefunden.
Zur Erhöhung ihrer Sicherheit gegen feindliches
Feuer werden neuerdings auch vielfach versenk-
bare P. (System Hotchkiß-Creusot) gebaut, die erst,
wenn sie in Thätigkeit treten sollen, aus ihrer ver-
senkten Lage emportauchen. Der Turm ruht mit
seiner Pivotsüule auf dem kurzen Arm eines zwei-
armigen Hebels. Der andere längere Arm ist durcb
ein Gewicht belastet, so daß zum Heben nur geringe
Kräfte erforderlich sind. Zum Senken wird zunächst
die Kanone (5,3 cm-Schnellfeuerkanone) in das
Innere zurückgezogen und dann der längere Hebel-
arm in die Höhe gezogen. Solche Türme finden
sich zahlreich in den belg., rumän. und ital. Befesti-
gungen. Sie verbleiben während des eigentlichen
Artilleriekampfes im allgemeinen in gesenkter Stel-
lung und sollen nur bei gewaltsamen Unterneh-
mungen, Sturmversuchen u. s. w. eingreifen.
In neuester Zeit sind derartige Versenktürme in
Frankreich auch für Geschütze arößern Kalibers ein-
geführt. Sie sind vom franz. Geniekapitän Galopin
konstruiert und von Schneider & Comp. in Creusot
hergestellt. Ihre Armierung besteht aus zwei schwe-
ren 15 cm - Kanonen. Diese werden geladen und
gerichtet, tauchen dann auf und verschwinden nacd
dem Abfeuern beider Geschütze in Salve ebenso
schnell wieder. Die Scharten sind also nur während
ganz kurzer Zeit dem feindlichen Auge und Feuer aus-
gesetzt. Die seitliche Drehung des Turmes ersolat
auf einem Rollenkranz, der senkrecht verschiebdm vft.
Gegen denselben wirken mittelsPleuelstangen Gegen-
gewichte. Bei jedem dieser Gegengewichte drückt die
Pleuelstange aus den innern Arm eines zweiarmigen
Hebels, dessen äußerer Arm einen Kasten mit starker
Belastung trügt. Der Hebel bewegt sich indessen nicht
um einen festen Drehpunkt, sondern wälzt sich auf
einer gekrümmten breiten Unterlage; er stellt also
einen Hebel mit veränderlichem Drehpunkt vor. Dies
hat folgenden Zweck: Wenn der schwere Turm sick
senkt, so wirkt er zuerst auf einen ziemlich langen
Hebelarm, also mit ziemlich großem statischem Mo-
ment auf die Last, und beginnt schnell zu sinken;
kommt der Turm aber tiefer, so verlegen sich die
Stützpunkte des Hebels nach innen, die sinkende Be-
wegung wird langsamer und im letzten Augenblick
mit sanst auslausenden, stoßfreien Übergängen in
den Ruhestand verwandelt. Der Auf- und Abtrieb
des Turmes erfolgt so schnell, daß alle zwei Minuten
eine Salve abgefeuert werden kann.
Eine andere neue franz. Konstruktion ist der
Schaukelturm nach Mougin, der von der rumän.
Regierung angenommen zu sein scheint. Der Turn:
ist auch für zwei fchwere 15 cm-Kanonen eingerichtet.
Die Plattform, auf der die Geschütze stehen, macht
mittels eines konvex gewölbten Ansatzes auf einer
Drehfchreibe eine Schaukelbewegung und ermöglicht
es dadurch, die Mündungen der Geschütze aus einer
Stellung über dem Vorpanzer in eine unter dem-
selben zu bringen. Auf der Plattform des schuh-
fertigen Turms liegt ein Gewicht (2000 k^), welches
den Kuppelrand mit den beiden Gefchützmündungen
nach unten zieht, sobald eine Stütze seitwärts ge-
schoben wird. Es geschieht dieses immer nach einem
Schusse. Während der Bewegung stellt sich eine