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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paradeadler - Paradiesvögel
unterscheidet man nach den Stößen, die unschädlich
gemacht werden sollen, man spricht also von einer
Terzparade u. dgl. Sind die P. gleichzeitig mit
einem Degagement (s. d.) verbunden, so nennt man
sie Konterparade oder Kavationsparade
(weil die feindliche Klinge kaviert, d. h. umgangen
wird) oder auch Zirkelparade (weil die Hand des
Fechters eine zirkelförmige Bewegung macht). Beim
Hiebfechten wird die P. nicht streichend oder
ziehend wie beim Stoßfechten, sondern ruckweise
ausgeführt, indem man mit der Stärke der eigenen
Klinge und Zwar mit der Schärfe dem gegnerischen
Hiebe entgegengeht, über Durchschlagen einer P.
s. d. - In der Reitkunst bezeichnet P.<parieren)
alle Bewegungen des Pferdes und Einwirkungen
des Reiters auf das letztere, die die Beendigung
des Ganges (ganze P.), das übergehen aus einer
stärkern in eine schwächere Gangart (halbe P.),
die Veränderung eines gedehntern Tempos in ein
mehr versammeltes (ganzer Arret), sowie end-
lich eine höhere Versammlung ohne Wechsel der
Gangart (halber Arret) zum Zweck haben. Bei
jeder P. muß das Pferd feinen Schwerpunkt nach
rückwärts verlegen, es muß nach der Hinterhand
Paradeadler, f. Haarbufch. ^parieren.
Paradebett, ein fchwarz ausgeschlagenes Ge-
rüst, auf dem die eingesargte Leiche einer fürftl. oder
hochgestellten Persönlichkeit zur Schau gestellt wird.
Parademarsch, ein Frontmarfch, bei dem alle
Mannschaften den die Parade abnehmenden Vorge-
setzten ansehen (s. Parade).
Paradieren (frz.), Parade machen, prunken,
s. Parade. Auf Kriegsfchiffen besteht das P. in
der Aufstellung der Matrosen auf den Rahen, wo-
bei sie sich an besondern Paradierstrecktauen, die
an den Toppnanten (s. d.) befestigt und horizontal
nach dem Mast oder der Stenge hingeleitet sind,
festhalten. Das P. findet nur im Hafen bei vor
Anker liegenden Schiffen statt und zwar, wenn
Fürstlichkeiten zu Wasser die Schiffe passieren oder
besuchen. Auf modernen Schiffen ohne Takelung
findet das P. auf der Nehling und den Aufbauten
über dem Oberdeck, also Sturmdeck, Back, Kam-
pagne statt. Gleichzeitig legen die Schiffe Flaggen-
gala (s. d.) an und feuern Salut.
Paradies, ein aus dem Persischen in das Grie-
chische übergegangenes Wort, bedeutet einen Park.
Diese griech. Benennung ist zur Zeit des Judentums
auf den Garten in Eden übertragen worden, den
Iahwe nach 1 Mos. 2 als Aufenthalts^ dn ersten
Menschen geschaffen hat. Da derselbe zweifellos der
mythischen Geographie angehört, so begreift sich,
daß die Versuche, denselben in einem be-
stimmten Lande nachzuweisen, scheitern muß-
ten. Daß unklare geogr. Vorstellung von den
Ländern des Ostens und Südens die Schil-
derung beeinflußt hat, ist wahrscheinlich. Bei
den spätern Juden kommt das P. unter dem
Namen Eden auch als Nams des Aufent-
haltsortes der Seligen vor, und dies ist in
den christl. Sprachgebrauch übergegangen.
In altchristl. Kirchen ist P. (?Hi-H(1i3U8)
die aus dem Atrium der Basilika hervorge-
gangene Vorhalle der Büßer; auch der über
dieser Vorhalle liegende, nach der Kirche zu
als Arkade sich öffnende Raum.
Paradiesapfel, s. Liebesapfel.
Paradiesbaum, s. NWeaZnuZ.
Paradieselster, s. Paradiesvögel.
Paradiesfeige, f. Nn3a.
Paradiesholz, s. Agallocheholz.
Paradieskörner, s. ^.momuiu.
Paradiesvögel (?3i'adi86iäH6), Name
einer Familie rabenähnlicher Singvögel, die
in 20 Gattungen und einigen 40 Arten Neu-
guinea und die Papua-Inseln und in ein
paar Arten nur Nordaustralien und die Mo-
lukken bewohnt. Die meisten zeichnen sich
durch prachtvollen Metallglanz oder ganz
ungewöhnliche Bildung der teils zerschlissenen,
teils in lange Borsten auslaufenden oder in
Federbüsche zusammengestellten Federn des
Rückens, des Schwanzes oder der Seiten aus.
Es sind nur die Männchen, welche so aus-
gestattet sind; die Weibchen sind meist ein-
fach grau oder bräunlich und haben keine zer-
schlissenen Federn. Nach den Beobachtungen
von Wallace und Nosenberg sind die P. Be-
wohner der dichtesten Wälder, leben gewöhn-
lich polygamisch und nähren sich von weichen
Insekten und Früchten. An die Gefangenschaft ge-
wöhnen sie sich; ihre Stimme ist rabenartig, nur
etwas mehr moduliert. In Sammlungen finden sie
sich jetzt häufig, einige Arten findet man ietzt auch
lebend in zoolog. Gärten. Man unterscheidet in
diefer Familie drei Gruppen: Paradieshöpfe
(NpiinHc1iiii3,6), zu denen die nebenstehend abge-
bildete Paradieselster (^Ltraziia ni^i-a I^'n'tt.)
aus dem Innern von Neuguinea gehört, Lauben-
vögel (s. d.) und echteP. (?ara6i86ina6).