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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Parallel - Parallelwerk

zontalparallaxe auch definieren als den Winkel, unter dem der Erdhalbmesser vom Gestirn aus erscheint; sie ist um so kleiner, je größer die Entfernung desselben ist und überhaupt nur von dessen Entfernung abhängig. Die Horizontalparallaxe oder wegen der nicht genau kugelförmigen Gestalt der Erde richtiger die Äquatoreal-Horizontalparallaxe, d. h. der Winkel, unter dem der Äquatorhalbmesser der Erde vom Gestirn aus erscheint, bietet sonach auch einen Maßstab für die Entfernung, in der sich ein Himmelskörper von der Erde befindet. Die größte in unserm Sonnensystem vorkommende P. hat der Mond, nämlich 57' 2"; hingegen beträgt die Sonnenparallaxe nur 8", 88.

Die hier besprochene P. nennt man auch die tägliche oder geocentrische im Gegensatz zu der bei den Fixsternen auftretenden jährlichen oder heliocentrischen P. (S. Fixsternparallaxen.)

Parallēl (vom grch. parállēlos, d. i. nebeneinander) heißen in der Mathematik gerade Linien in derselben Ebene oder Ebenen, die sich in keinem Punkte schneiden, so weit man sie auch beiderseits verlängern mag.

In der Rhetorik bezeichnet man mit parallel dasjenige, was eine fortgesetzte Vergleichung zuläßt oder überhaupt in mehrern Teilen sich ähnlich ist, daher Parallele eine solche Vergleichung. Besonders aber versteht man unter Parallele die Zusammenstellung und Vergleichung verschiedener Zeiten mit ihren Ereignissen oder berühmter Männer. Am bekanntesten sind die biogr. Parallelen des Plutarch (s. d.), in denen gewöhnlich ein Grieche und ein Römer zusammengestellt werden. Das Verhältnis ähnlicher Dinge zueinander wird Parallelismus genannt. Parallelen finden sich auch in der Dichtung. Über den Parallelismus in der Poesie der Hebräer s. Hebräische Litteratur (Bd. 8, S. 928 b). Einzelne Stellen, deren Inhalt gleich oder ähnlich lautet, heißen Parallelstellen.

Parallelcöten, s. Cötus.

Paralleldach, s. Dach.

Paralleldrainage, s. Drainierung.

Parallēlen (im Festungskrieg), s. Förmlicher Angriff.

Parallelepipĕdon (grch.), ein von drei Paaren paralleler Ebenen begrenzter Körper, also ein specielles vierseitiges Prisma, ein Hexaeder mit 6 Flächen, 8 Ecken, 12 Kanten. Das P. ist rechtwinklig, wenn eine Ecke drei rechte Winkel, rhombisch, wenn eine Ecke drei gleiche Kanten hat. Ein reguläres P., rechtwinklig und rhombisch, ist ein Würfel.

Parallelflächen, s. Parallelkurven.

Parallelgebirge, s. Gebirge.

Parallelismus, s. Parallel.

Parallelismus, psychophysischer, die Lehre, daß psychische Vorgänge regelmäßig von physischen begleitet werden. Danach erwächst dem Forscher die Aufgabe, zu einem gegebenen Bewußtseinsprozeß den nervösen Parallelvorgang, aufzusuchen. Jede der beiden Reihen, die physische und die psychische, wird dabei als eine in sich geschlossene, selbständige aufgefaßt. Der psychophysische P. ist daher lediglich eine Regel, nach der man bei dem wissenschaftlichen Ausbau der Psychologie zweckmäßig verfährt, und ein Ausdruck für die von der Erfahrung beständig gelehrte Abhängigkeit seelischer Erscheinungen von körperlichen und umgekehrt. Hauptvertreter dieser Ansicht ist W. Wundt.

Parallelkreise oder Breitenkreise, die alle Punkte mit gleicher geogr. Breite (s. d.) auf der Erdoberfläche verbindenden Linien. Es sind, wenn man von den Unebenheiten der Erde absieht, nach den Polen zu abnehmende Kreise, deren Mittelpunkte in der Erdachse liegen, und die mit den Längenkreisen oder Meridianen (s. d.), von denen sie senkrecht geschnitten werden, das Orientierungsnetz der Erdoberfläche ergeben (s. Kartenprojektion). Durch den Äquator (s. d.), den größten Parallelkreis, die Polarkreise (s. d.) und die Wendekreise (s. d.) erfolgt die Begrenzung der Zonen (s. d.).

In der Astronomie heißen P. diejenigen Kreise der Himmelskugel, die dem Himmelsäquator parallel sind und von den Sternen bei der täglichen Umdrehung des Himmels beschrieben werden. Wendekreis und Polarkreis haben am Himmel die nämliche Lage zum Äquator wie auf der Erde.

Parallelkreismessung, s. Gradmessung.

Parallelkurven, Kurven mit der nämlichen Normalenschar. Trägt man von den Punkten einer beliebigen Kurve aus auf den Normalen nach innen und außen gleiche Strecken ab, so liegen die Endpunkte auf einer Parallelkurve, die demnach aus zwei zusammengehörigen (analytisch untrennbaren) Kurvenzügen besteht. Auf der Tafel: Kurven Ⅰ, Fig. 9, finden sich als Beispiel P. zur Ellipse. Alle P. haben dieselbe Evolute. – Parallelflächen lassen sich in entsprechender Weise konstruieren. Sie haben ebenso dieselbe Normalenschar, also auch dieselbe Krümmungsmittelpunktsfläche, die Differenz ihrer Hauptkrümmungsradien in jedem Punkte ist konstant.

Parallellineal, s. Schraffierapparate.

Parallelográmm (grch.), ein Viereck, dessen gegenüberstehende Seiten paarweise parallel sind, wodurch die Gleichheit der gegenüberliegenden Seiten sowohl als Winkel bedingt ist. Je zwei nebeneinander liegende Winkel des P. machen zusammen 180° oder zwei rechte Winkel aus; ist daher ein Winkel ein rechter, so sind alle Winkel rechte. Besondere Formen des P. sind Quadrat (s. d.), Rechteck (s. d.), Rhombus (s. d.). Über das Kräfteparallelogramm s. Kraft; über das Wattsche P. s. Geradführung sowie Dampfmaschine.

Parallelprojektion, orthographische Projektion, s. Kartenprojektion.

Parallelreißer, s. Reißnadel.

Parallelschaltung, Nebeneinanderschaltung von Stromverbrauchsstellen oder auch von Stromquellen, diejenige Einschaltungsart derselben, bei der jede für sich in Verbindung mit der Leitung einen besondern, von Teilen des Gesamtstroms durchflossenen Stromkreis bildet, wie dies für eine Reihe von Glühlampen durch die vorstehende Linienskizze angedeutet ist, in welcher D die Dynamomaschine bedeutet.

^[Abb. Parallelschaltung]

Parallelsystem, im Unterrichtswesen, s. Fachsystem.

Paralleltonarten, diejenigen Dur- und Molltonarten, die gleiche Vorzeichen haben, wie C-dur und A-moll, G-dur und E-moll; die Parallelmolltonart liegt immer eine kleine Terz unter der Durtonart.

Parallelträger, s. Eisenbrücken.

Parallelwerk, Streichwerk, Richtwerk, beim Flußbau (s. d.) verwendete Bauanlagen, deren