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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paris (Lage. Bevölkerung. Anlage)

Paris, Hauptstadt Frankreichs, Hauptort des Depart. Seine, liegt unter 48° 50' 49'' nördl. Br. und 2° 20' 9'' östl. L. von Greenwich im Mittelpunkt des Pariser Beckens (s. d.), 168 km vom Atlantischen Ocean (Dieppe), 154 km vom Pas de Calais entfernt, auf beiden Ufern der Seine, die die Stadt von OSO. nach W. durchfließt. Die Meereshöhe beträgt bei Grenelle 26, am Panthéon 60, am Montmartre 128 m. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10,75, die des Sommers 18,11, des Winters 3,3° C. Extreme waren -24° im Dez. 1871, +39° C. im Juli 1793. Die Barometerhöhe ist 760 mm (Minimum 745, Maximum 770 mm). Die Regenmenge ist nur 546 mm im Jahre an durchschnittlich 144 Regentagen. Schnee ist selten. (Hierzu ein Stadtplan mit Verzeichnis der Straßen u. s. w. sowie Karte: Paris und Umgebung.)

^[Abb.]

Lage. Die Seine, die oberhalb P. die Marne, unterhalb die Oise und an der Austerlitzbrücke die jetzt verdeckte Bièvre aufnimmt, ist am Pont Neuf 276, am Pont d'Iéna 138 m breit. Auf beiden Ufern erheben sich Hügelketten. Die höhere Kette auf dem linken Ufer beginnt bei Bercy, beschreibt einen großen Bogen nach N. und läuft in Passy aus; die höchsten Punkte sind die Höhen von Charonne, Menilmontant, Belleville oder Buttes Chaumont (101 m) und von Montmartre (128 m). Das linke Ufer bedecken die Hügel Maison Blanche und Buttes-aux-Cailles, in deren Nähe sich das Plateau von Ivry ausdehnt, welches das enge, aber tiefe Thal der Bièvre von der Montagne St. Geneviève trennt. Außerhalb der Stadt liegen die Höhen von Montrouge, Bicêtre, Villejuif, Chatillon, Meudon und St. Cloud, welche im W. in den 136 m hohen isoliert liegenden Mont-Valérien auslaufen. Ungeheure Sandsteinlager, am ergiebigsten auf dem linken Seineufer, ziehen sich unterhalb der Stadt hin und waren die Veranlassung, daß ein großer Teil von P. eifrig untergraben wurde, welche Grabungen die Katakomben (s. d.) ins Leben riefen.

Die Gesamtoberfläche der Stadt bedeckte im 13. Jahrh. 252 ha, unter Ludwig XIV. 1103 ha, unter Ludwig XVI. 3300 ha und 1891 beträgt sie 7802 ha, wovon 714 auf das Strombett und 26 auf die Ile de la Cité entfallen. Das linke Ufer der Seine umfaßt ein Viertel, das neuere nördl. Ufer drei Viertel der Gesamtbevölkerung.

Bevölkerung. P. zählte im 13. Jahrh. 120000 E., 1380: 150000, 1605: 200000, 1715: 500000, 1810: 600000,1856: 1174346, 1861 nach Einverleibung des Weichbildes 1696000, 1872: 1851702, 1891: 2447957 und 1896: 2511955 E.

Die Bevölkerung verteilte sich (1896) folgendermaßen auf die Arrondissements (I-XX):

Arrondissement Einw.

Louvre 66133

Bourse 66781

Temple 87335

Hôtel de Ville 97674

Panthéon 115947

Luxembourg 100692

Palais Bourbon 97832

Elysée 102003

Opéra 119985

Enclos St. Laurent 153785

Popincourt 222009

Renilly 117715

Gobelins 114711

Observatoire 122126

Vaugirard 133177

Passy 101561

Batignolles-Monceaux 182071

Butte-Montmartre 224488

Buttes-Chaumont 134128

Ménilmontant 151796

Rechnet man aber alle die Ortschaften dazu, die mit P. völlig zu einem Wohnplatz verwachsen sind, so steigt die Bevölkerung (1891) auf 2712598 E. Diese Orte sind: Boulogne-sur-Seine (32569 E.), Charenton-le-Pont (15306 E.), Clichy-la Garenne (30698 E.), Gentilly (15017 E.), Issy (12830 E.), Ivry (22357 E.), Montrouge (11992 E.), Neuilly-sur-Seine (29444 E.), Pantin (21847 E.), Saint Mandé (11329 E.), Vanves (6815 E.) und Vincennes (24626 E.). (S. diese Artikel.) Ferner Bagnolet (6124 E.), Les Prés-St. Gervais (8138 E.), Les Lilas (6405 E.) und Malakoff (9144 E.). Zum wirtschaftlichen Weichbilde von P. sind alle Orte des Depart. Seine und Teile von Seine-et-Oise zu rechnen.

P. ist dichter bevölkert als jede andere Stadt Europas, es kommen im Durchschnitt 290 E. auf den Hektar. Am dichtesten ist die Bevölkerung im Quartier Bonne Nouvelle mit 1025, am wenigsten in Bercy mit nur 60 Seelen pro Hektar zusammengedrängt. Das Centrum war früher bevölkerter als heute. Das Wachsen der Stadt ist nur dem Zuzug aus dem übrigen Frankreich und aus dem Auslande zu verdanken. Ein volles Zehntel der Bevölkerung sind Fremde. Von Engländern leben in P. 12804 und von Amerikanern 6414, welche Zumeist das teure Quartier der Champs-Elysées und der angrenzenden Straßen, Avenuen und Squares bewohnen. Die span. Kolonie (3832) sowie die portugiesische bewohnt ebenfalls dieses Pariser "Westend". Italiener giebt es 22549, meist Künstler, Kunstindustrielle und Handwerker aller Art, welche die entferntern Stadtteile im Süden bewohnen. 45649 Belgier, meist Tagelöhner, Maurer, Zimmerleute, Eisenbahn- und Fabrikarbeiter, haben sich in den äußern Quartiers niedergelassen; 16341 Holländer, unter ihnen viele Handels- und Geschäftsleute, wohnen meist im Centrum der Stadt. Die Deutschen (30229) und Österreicher sind über die ganze Stadt verteilt und gehören der litterarischen, der künstlerischen und der kunstindustriellen Welt an, oder sind in Finanz- und Handelsgeschäften als Buchhalter, Commis u. s. w. angestellt. Von Schweizern zählt P. 23781. Rußland ist am schwächsten vertreten. Nach dem Geschlecht kommen auf 100 Männer 88,1 Frauen. Fast die ganze Bevölkerung ist katholisch. Es giebt im ganzen Depart. Seine nur etwa 60000 Protestanten und 25000 Israeliten, daneben kleine Gemeinden von Sekten aller Art. Im zehnjährigen Durchschnitt war die Zahl der Geburten 60323, der Todesfälle 54507, der Eheschließungen 19971. Es finden auf 1000 Erwachsene zwischen 15 und 60 Jahren 34 Geburten statt (gegen 39 in ganz Frankreich), 27 Proz. (gegen 9) sind unehelich, 32 Proz. der Familien sind ohne lebende Kinder. Erschreckend groß ist die Kindersterblichkeit. Die durchschnittliche Lebensdauer ist nur 28 Jahre gegen 40 in ganz Frankreich. Nach der Zählung von 1886 waren in P. geboren 779418 E., im übrigen Depart. Seine 69617, in andern franz. Gemeinden oder in franz. Kolonien 1129094, im Auslande 182816 E.

Anlage. Die heutige Gestalt von P. ist das Werk des Seinepräfekten Haußmann (s. d.). Die Hauptarbeiten waren: Durchlegung der Boulevards Sébastopol, de Strasbourg, St. Michel, St. Germain und Magenta, die Verlängerung der Rue de Rivoli, Rue Turbigo und Lafayette, die Anlegung des Boulevard Haußmann und der auf den Arc de Triomphe de l'Etoile auslaufenden Avenuen. Mit der Umformung des Straßensystems erfolgte die