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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paris (Bildungswesen)

umsäumen. Das Palais du Luxembourg (s. d.) wurde fünf Jahre nach dem Tode Heinrichs IV. im J. 1615 durch de Brosse begonnen und gleichzeitig der Wiederaufbau des Aqueduc d'Arcueil vorgenommen. Richelieu begann den Bau des Palais-Royal (s. d.) und der Sorbonne (s. d.). Auch Teile der Bibliothèque Nationale stammen aus der Zeit Ludwigs XIII. Ludwig XIV. und sein Minister Colbert ließen durch Levau und Perrault das Louvre ausbauen, errichteten das Observatoire, schufen die Place des Victoires und Place Vendôme, die Porte St. Denis und Porte St. Martin. Von Privatgebäuden sind zu nennen das Hôtel de la Brillière, jetzt Banque de France, und Hôtel de Soubise neben dem Hôtel de Clisson und wie dieses einen Teil des Nationalarchivs beherbergend. Ludwig XV. errichtete 1752 die Ecole Militaire, ursprünglich für 500 arme Edelleute bestimmt, unter der Revolution aber zur Kaserne verwandelt; 1768 das Hôtel des Monnaies und 1774 die Ecole de Médecine. Die schönsten Bauwerke dieser Zeit sind das auf der Place de la Concorde belegene Marineministerium und der Garde-Meuble. Unter Ludwig XVI. wurde 1779 das Théâtre de l'Odéon erbaut. Von den großen Palästen des 18. Jahrh. verdient vor allem das Elysée Bourbon, das heutige Elysée (s. d.), Erwähnung. Napoleon I. beschloß 1806 zur Verherrlichung seiner Siege die Errichtung des Arc de Triomphe du Carrousel, des Arc de Triomphe de l'Etoile und der Colonne Vendôme, 1807 entstand das Palais du Corps Législatif (jetzt Deputiertenkammer), 1808 die Börse und die Halles aux vins, 1810 die fünf großen Schlachthöfe (Abattoirs), welche 1867 durch die Abattoirs de la Billette und 1896 durch das Abattoir Rue des Morillons ersetzt wurden. Am 27. Juli 1831 legte Ludwig Philipp den Grundstein zur Colonne de Juillet. Napoleon III. ließ außer dem Ausbau des Louvre, der Tuilerien, des Palais de Justice u. s. w. anläßlich der Weltausstellung 1855 in den Champs Elysées das Palais de l'Industrie (s. Tafel: Ausstellungsgebäude I, Fig. 1), 1854-56 die Halles Centrales (Architekt Baltard) und 1860-64 im Renaissancestil das Tribunal de Commerce errichten. Die Bibliothèque Nationale und die Banque de France wurden vergrößert. 1874 wurde das 1863 von Charles Garnier begonnene Opernhaus (s. Tafel: Pariser Bauten, Fig. 3) vollendet, welches 11237 qm bedeckt und dessen Bau 46 Mill. Frs. verschlang. Die dritte Republik beseitigte vor allem die Schäden des letzten Krieges sowie der Commune und baute das neue Hôtel de Ville (Rathaus), ausgemalt von Puvis de Chavannes, Laurens u. a. (s. Tafel: Rathäuser II, Fig. 2), ferner die Colonne Vendôme und einen Teil des Palais de Justice in der Cité wieder auf. 1878 wurde das Palais du Trocadero in orient. Stil aufgeführt, das Krankenhaus Hôtel-Dieu vollendet, ferner von Ginain die Façade an der Ecole de Médecine, 1885 die Ecole de Pharmacie, die Ecole Centrale des Arts et Manufactures, Rue de Turbigo, 1888 von Guadet das Hôtel des Postes, Rue du Louvre, außerdem viele Museen, Theater, Mairien, Schulen und Brücken errichtet. Dazu kommen die Bauten für die Ausstellung von 1889.

Bildungswesen. Die Académie (seit 1896 Universität) de P., nach Bologna die älteste überhaupt, besteht aus der prot.-theol., jurist., mediz., mathem.-naturwissenschaftlichen und der philos. Fakultät; letztere heißen faculté des sciences und faculté des lettres und sind in der Sorbonne (s. d.) vereinigt, wo auch die Universitätsbibliothek (141678 Bände) untergebracht ist. Dazu gehört auch die Pharmaceutische Hochschule. Eine Anzahl bedeutender Lehrkräfte hält am Collège de France Vorlesungen, z. B. Berthelot, Chuquet, Leroy-Beaulieu, Levasseur, Ribot, Oppert, Gaston Paris, Léger u. a. Auf Initiative des Ministers Duruy entstanden 1868 histor.-philol. Seminare und naturwissenschaftlich-mathemat. Institute und Laboratorien unter dem Namen École pratique des hautes études mit fünf Sektionen, Probezeit und vielen Freistellen. Der Heranbildung der Lehrer dient die École normale supérieure, mit freiem Unterricht und Verpflegung; auch bestehen drei freie Fakultäten (theologische, juristische, philosophische), eine Urkundenschule (École nationale des Chartes) mit Bibliothek, eine orient. Schule, auch für Kaufleute, mit Bibliothek, eine freie Schule für Staatswissenschaften (École libre des sciences politiques). Ingenieure bildet die École nationale des ponts et chaussées, gegründet 1747, mit Vorschule, aus; staatliche Bergbeamte die École supérieure des mines, Landwirte das Institut national agronomique. Eine Art technische Hochschule ist die École centrale des arts et manufactures (seit 1857 staatlich). Militärisch organisiert ist die École polytechnique (s. Polytechnische Schule). Eine archäol. Schule ist mit dem Louvre, eine für Naturwissenschaften (mit Bibliothek) mit dem Musée d'histoire naturelle im Jardin des Plantes verbunden. Die meteorolog. Anstalt dient als Centrale für ganz Frankreich, Sternwarten sind die im Schlosse von Meudon und die in der Avenue de l'Observatoire. An der Spitze der gelehrten Körperschaften steht das Institut de France (s. d.), dessen erste Abteilung die Französische Akademie (s. d.) bildet. Für sich besteht die Académie de Médecine. Die Nationalbibliothek (Rue de Richelieu) zählt jetzt 2500000 Druckbände, 250000 Karten, 101972 Handschriften, 250000 Kupferstiche, 150000 Münzen; die Lesesäle werden jährlich von etwa 160000 Personen benutzt. Direktor ist Léopold Delisle. Sehr wertvolle Werke enthalten auch die Bibliothèque Mazarine (1643 gestiftet, 300000 Bände), die Sainte Geneviève (120000 Drucke), die Bibliothèque de l'Arsenal, und für die Stadtgeschichte die Stadtbibliothek im Hôtel Carnavalet (90000 Bände, 50000 Kupferstiche, 20000 Münzen).

Die höhern Schulen (s. Frankreich, Bd. 7, S. 75) zerfallen in elf staatliche Lyceen (z. B. Lycée Louis le Grand, Charlemagne, Grand Condorcet, ein städtisches und vier freie Collèges. Höhere Mädchenschulen giebt es vier. - Der städtische religionslose Elementarunterricht, seit 1882 unentgeltlich, zerfällt in drei Kategorien: die 132 Écoles maternelles für Kinder zwischen 2 und 7 Jahren, die 377 Écoles primaires élémentaires oder enfantines für Knaben und für Mädchen zwischen 6-13 (15) Jahren, mit je drei Kursen, und die 7 Écoles primaires supérieures, wie die École Turgot, Colbert^[ergänzt, Faksimile beschnitten] und Sophie Germain. Außerdem giebt es 12 Écoles professionnelles municipales. Jede Schule hat eine Bibliothek, allabendlich finden Fortbildungskurse statt. In den Jahren 1894-96 wurden mehrere Primärschulgruppen (teilweise Monumentalbauten) eröffnet und besonders die Kunstgewerbeschule^[ergänzt, Faksimile beschnitten] in der Rue de Reuilly^[ergänzt, Faksimile beschnitten] (Charonne).