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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paris (Wohlthätigkeitsanstalten. Industrie und Handel)

Kanäle und Wasserwerke, Statuen und Fontänen. Am 1. Jan. 1891 besaß P. infolge verschiedener Anleihen eine Schuldenlast von 2410 Mill. Frs., wovon bereits 469 Mill. Frs. zurückgezahlt waren. Die Grundschuld betrug 6461182 Frs., worauf die Stadt 1533017 Frs. zurückgezahlt hat.

Wohlthätigkeitsanstalten. Die Organisation der Pariser Armenpflege ist durch Gesetz vom 10. Jan. 1849 geschaffen. Nach dem Budget von 1889 betrugen die Einnahmen und Ausgaben je 41417600 Frs. Im gleichen Jahre betrug die Zahl der in P. unterstützten Personen 406213, nämlich: in den Krankenhäusern (11739 Betten) behandelte Kranke 137900, Schwache oder Greise in den Hospizen, Maisons de retraite und Fondations (10444 Betten) 12441 Personen, in Depot gegebene Kinder (604 Betten) 8000, Geisteskranke 2200, Enfants assistés a. im Hospice dépositaire (146 Betten) 4500; b. auf dem Lande 30000; verwahrloste Kinder 3600, unterstützte Kinder 9000, zu Haus unterstützte Arme 92248, zu Haus behandelte Kranke 87300, zu Haus Entbundene 11400, bei den städtischen Hebammen Entbundene 7624. Die Krankenhäuser der Assistance publique, mit Ausnahme dreier für Kinder bestimmter Anstalten zu Berck, Forges und La Roche-Guyon, sämtlich in P. belegen, zerfallen in Hôpitaux généraux zur Behandlung akuter Krankheiten, Hôpitaux spéciaux und Hôpitaux d'enfants. Die wichtigsten Hôpitaux généraux heißen: Hôtel-Dieu (559 Betten), Hôpital de la Pitié (700), Charité (516), St. Antoine (687), Beaujon (415), Lariboisière (700), Tenon (805), Laënnec (608 Betten); Specialkrankenhäuser sind: St. Louis (855 Betten), Ricord (327), Hôpital Broca (225, für Frauen), Maison et École d'accouchement und Maison de santé (344 Betten), letzteres für zahlende Kranke. Kinderkrankenhäuser bestehen 5. Die Hospices sind für Greise und Unheilbare reserviert, sowie für gewisse Kategorien unentgeltlich zugelassener Kinder. Die Maisons de retraite sind Anstalten, in welche nicht aller Hilfsmittel entblößte Personen gegen Zahlung eines geringen Pensionspreises aufgenommen werden. Die Fondations sind durch Spenden geschaffen. Die Zahl der Hospices beträgt 5: Bicêtre (s. d.), lange Zeit Vieillesse-Hommes genannt, mit 2680 Betten; die Salpêtrière (s. d.) mit 3864 Insassen; Hospice d'Ivry mit 2040 Insassen beiderlei Geschlechts; Hospice de Brévannes mit 100 Insassen beiderlei Geschlechts; das Hospice des enfants assistés mit 750 Betten oder Wiegen, nebst einer in Thiais (Seine) belegenen Filiale. Von Maisons de retraite sind zu nennen: die Ménages in Issy, La Rochefoucauld und Ste. Périne. Die Anzahl der Irrenanstalten für die aus P. oder dem Depart. Seine stammenden Geisteskranken beträgt 7: Ste. Anne und Salpêtrière in P.; ferner zu Vaucluse und Evrard (Seine-et-Oise); Charenton (St. Maurice), Villejuif und Bicêtre (Seine). Auch das Institut Pasteur ist hier zu nennen. 20 Bureaux de bienfaisance sind damit beauftragt, hilfsbedürftige Familien mit Unterstützungen zu versehen. Das Blindeninstitut Hospice national des Quinze-Vingts, 1260 durch den König Ludwig den Heiligen gegründet, zählt 300 Interne, besitzt jedoch die Mittel, um 1750 in der Stadt lebende Blinde unterstützen zu können. Die Institution nationale des jeunes Aveugles, 1791 von Ludwig XVI. gegründet, ist zum Unterricht für völlig Erblindete beiderlei Geschlechts bestimmt. Institution nationale des Sourds-Muets, 1760 durch den Abbé de l'Epée gegründet und von der Regierung unterstützt, nimmt taubstumme Knaben auf. Asile Vacassy ist zur Aufnahme von Armen und Arbeitern bestimmt, die Unfälle erlitten haben. Sehr zahlreich sind auch private Wohlthätigkeitsvereine aller Art.

Industrie und Handel. P. ist eine der ersten Industriestädte der Welt. Seine Industrie zeichnet sich namentlich durch die unübertreffliche Eleganz und Geschicklichkeit der Ausführung aus. Vom Gartenbau bis zum Maschinenbau findet sich hier alles vertreten. Bemerkenswert ist die geringe Anzahl großer Fabriken, die Vielseitigkeit der kleinen Unternehmen und die Teilung der Arbeit. Die Volkszählung von 1886 ergab 75143 industrielle Etablissements und Arbeitgeber sowie 43666 Angestellte und 999496 Arbeiter männlichen und weiblichen Geschlechts. Hauptzweige sind: Weberei mit 60000 Spindeln (1575 Betriebe), Minen, Steinbrüche und Salinen (97 Betriebe), Metallindustrie (3514), Herstellung der Rohmetalle (645), Lederindustrie (1373), Schiff- und Wagenbau (2091), Töpferei (694), Fabrikation von Chemikalien (994), Baugewerbe (9257), für Beleuchtung (519), Wohnungsausstattungen (5111), Kleidungs- und Toilettegegenstände (34246), Nahrungsmittelindustrie (5906), Papierfabrikation, Buchdruck und Buchbinderei (4024), Luxusindustrie, Uhrmacher, Schmuckwarenhändler u. s. w. (5027) und die staatlichen Gobelins-, Pulver-, Tabak- und Waffenfabriken (70 Betriebe). Die industriellen Etablissements, welche Dampfkraft benutzen, beliefen sich auf 3164 mit 3250 Maschinen, 5508 Dampfkesseln und 29647 Pferdestärken. In einem Bericht von Spuller wurde das Ergebnis der industriellen Produktion in P. 1884 auf 3 Milliarden 369 Mill. Frs. geschätzt, d. h. ein Viertel der gesamten industriellen Produktion Frankreichs. Aufs höchste entwickelt ist das Kunstgewerbe, eine Specialität sind auch die Articles de P., d. h. die feinern Spiel-, Schmuck- und Luxussachen in Metallen, Holz, Schildkrot, Elfenbein, Bernstein, Marmor, Alabaster, Meerschaum, Leder, Kautschuk, Pappe u. dgl. - P. ist auch der kommerzielle und finanzielle Mittelpunkt des Landes. Den ersten Platz nimmt der Geldmarkt ein, dann folgt der Handel mit edeln Metallen. Der Handel mit Nahrungsmitteln zählt 23516 Geschäfte mit 76661 Personen; die Möbelbranche 3186 Geschäfte mit 20367 Personen; der Handel mit Kleidungsstücken und Toilettegegenständen 9500 Geschäfte mit 71661 Angestellten. Die Anzahl der Hotels, Restaurants, Cafés, Weinhändler beträgt über 30000, welche über 100000 Personen, hierunter 8 Proz. Frauen, ernähren. Die größten Gegensätze stellt die Straßenindustrie und der Kleinhandel der Austern- und Gemüsehändler, der Böttcher, Schuster, Trödler, Kartoffel- und Kastanienverkäufer u. s. w. und die großartigen Warenmagazine dar, die wie Magasin du Louvre, du Printemps und Au Bon-Marché weltbekannt sind. Von Messen sind zu erwähnen die Foire aux Jambons, in der Charwoche auf dem Boulevard Richard-Lenoir und die Foire au Pain d'épice auf der Place de la Nation und dem Cours de Vincennes, nach Pfingsten. Mittelpunkt des Handels mit Lebensmitteln sind die Halles Centrales, von Eisen und Glas erbaut, welche gegen 60000 Personen beschäftigen. (S. Markthallen.) Specialmärkte sind 7 Blumenmärkte (der wichtigste an der Madeleinekirche) und der