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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paris (Geschichte)

rechten Ufer. Obgleich in engen Grenzen eingeschlossen (die von Philipp August aufgeführte Ringmauer hatte etwa 6 km im Umfange), war P. am Ende des 13. Jahrh. doch schon durch seine Bevölkerung von ungefähr 150000 E. und seine Universität eine der wichtigsten Städte Europas.

Unter den Valois zerteilte sich die Stadt noch mehr. Als die königl. Macht den rebellischen Parisern die Oberhand wieder abgewann, verlegte sie ihren Wohnsitz aus der Cité nach dem rechten Seineufer, wo die siegreiche Bürgergemeinde in der Person ihres Kaufmannsvogts, Etienne Marcel (s. d.), gethront hatte (1357). König Karl V. verwendete bei seiner Thronbesteigung (1364) den Ertrag der von den Aufrührern erhobenen Geldstrafen und Güterkonfiskationen zur Anlage einer königl. Domäne, des Hôtel St. Paul. Unter Karl VI. kam es 1382 wegen der Erpressungen des Regenten Ludwig von Anjou zum Aufstand des mit Hämmern bewaffneten Volks (Maillotins), das aber bald unterdrückt wurde. 1411 rissen die Cabochiens (s. d.) die Herrschaft in P. an sich, wurden aber 1413 vom Grafen Bernhard VII. von Armagnac (s. d.) überwältigt. 1418 kam P. mit dem größten Teil von Frankreich (s. d., Geschichte) an England, wurde aber 1436 von Karl VII. zurückerobert. Zur Zeit der Hugenottenkriege war P. 24. Aug. 1572 der Schauplatz der Bartholomäusnacht (s. d.). Als im Mai 1588 der Herzog von Guise mit Truppen der kath. Liga in P. einzog und 12. Mai auch Marschall Biron mit königl. Truppen einrückte, kam es zum Barrikadenkampf, der mit der Besiegung König Heinrichs III. endete. In den J. 1590-94 belagerte Heinrich IV. (s. d.) wiederholt die Stadt, bis sie ihm, nach seinem Übertritt zum Katholicismus, 22. März 1594 die Thore öffnete. Unter Ludwig XIII. nahm die Vergrößerung und Verschönerung der Stadt mit jedem Jahre zu. Die Türme und Mauern wurden weggerissen, Wälle und Gräben geebnet; daraus entstand die älteste Linie der Boulevards (s. d.). Am 2. Juli 1652 fand bei P. ein Treffen statt zwischen den Truppen der Fronde unter Condé und den königl. Truppen unter Turenne (s. Fronde). Eine besondere Glanzperiode entfaltete sich für P. unter Ludwig XIV. und seinen Nachfolgern. Unter Ludwig XV. wurde 10. Febr. 1763 zu P. ein Friede (s. Pariser Friede) zur Beendigung des Kolonialkrieges geschlossen. Unter Ludwig XVI. wurde P. zur Verhütung des Schmuggels abermals mit Mauern umgeben. Der Umfang der Stadt betrug damals etwa 25 km. 1789-95 war P. der Hauptschauplatz der Revolution.

Seit den Kriegen mit England im 14. und 15. Jahrh. hatte P. (abgesehen von den Reiterscharen des bayr. Generals von Werth 1636) keinen äußern Feind mehr vor seinen Thoren gesehen, bis 1814 und 1815 die Verbündeten die Stadt besetzten. Während Napoleon I. 1814 nach den Niederlagen bei Laon und Arcis-sur-Aube (s. Russisch-Deutsch-Französischer Krieg von 1812 bis 1815) nach dem Rhein marschierte, erschienen 29. März 1814 die Verbündeten, etwa 100000 Mann stark, vor P. Am 30. März früh nach 5 Uhr begann die Schlacht mit dem Angriff der Russen unter Barclay de Tolly von Pantin und Romainville aus. Gegen 10 Uhr nahm Wittgenstein Montreuil; Barclay de Tolly eroberte Pantin und drang sogar bis an die Barrière Pantin von P. vor. Unterdessen hatte auch der Kampf Blüchers gegen Morgen begonnen. Nach 3 Uhr nachmittags entschloß sich Marmont, einen Waffenstillstand nachzusuchen, der ihm sogleich auf zwei Stunden bewilligt wurde. Um 6 Uhr abends begaben sich die Grafen Nesselrode, Orlow und Paar nach P., wo die Kapitulation 31. März früh um 2 Uhr zu stande kam. Am 31. März gegen 11 Uhr zogen der Kaiser von Rußland und der König von Preußen an der Spitze von 36000 Mann in P. ein. Am 23. April schloß die Provisorische Regierung mit den Verbündeten einen Präliminarvertrag, dem 30. Mai die Unterzeichnung des Friedens mit den einzelnen Mächten folgte (s. Pariser Friede). Am 1. Juni räumten die fremden Truppen die Hauptstadt.

Als nach der Schlacht bei Waterloo 18. Juni 1815 die Heere der Verbündeten abermals den franz. Boden betraten, übernahm Davout den Befehl über die noch 60000 Mann zählende Armee zur Verteidigung der Hauptstadt. Am 30. Juni trafen die Streitkräfte Blüchers vor P. ein, ihnen folgte Wellingtons Heer. Noch am selben Abend rückte Blücher nach St. Germain, überschritt die Seine und versammelte sein Heer bei Versailles. Von hier aus griff er 2. Juli den die Höhen von Meudon und Sèvres verteidigenden Feind an, warf ihn und nahm nach heftigem Gefecht Issy. Vandamme machte 3. Juli noch einen letzten Versuch, die Stadt zu halten, indem er mit 10000 Mann gegen Issy vordrang; nach mörderischem Gefecht wurde er aber zurückgeworfen. Noch denselben Abend kam zwischen Davout, Blücher und Wellington zu St. Cloud eine Militärkonvention zu stande, wonach die franz. Truppen binnen drei Tagen P. verlassen und hinter die Loire zurückgehen mußten. Nachdem 5. Juli der Montmartre, am 6. alle Thore übergeben worden waren, zog am 7. das erste Korps Blüchers durch die Barrière der Militärschule, ein Teil von Wellingtons Armee durch die von St. Denis ein. Nach langen Verhandlungen wurde endlich 20. Nov. der zweite Pariser Friede (s. d.) unterzeichnet.

Im J. 1830 führte die Julirevolution zu einem dreitägigen Straßenkampf in P. (27. bis 29. Juli), der mit dem Rückzug der königl. Truppen unter Marschall Marmont endete und den Sturz der ältern Bourbons zur Folge hatte. Bei der Februarrevolution von 1848 kam es in der Stadt nicht zum ernstlichen Gefecht, weil König Ludwig Philipp dem Marschall Bugeaud alsbald Befehl zur Einstellung des Feuers gab. Ein Aufstand socialistischer Tendenz im Juni desselben Jahres wurde nach einem blutigen Kampf 23. bis 26. Juni von General Cavaignac niedergeschlagen.

Nach dem Regierungsantritt Napoleons III. erhielt das hauptstädtische Bauwesen und die damit zusammenhängende Fürsorge für die gemeinnützigen Anstalten einen Impuls, der alles bisher dafür Geschehene weit hinter sich ließ. (S. oben S. 896 b.) Beträchtliche Teile von Stadtvierteln wurden von dem Seinepräfekten Haußmann (s. d.) niedergerissen, um breite Zugänge von allen Seiten zu gewinnen und bei Volksaufständen der Artillerie freie Bahn zu schaffen, vorzüglich in den volkreichen Quartieren des Centrums und der Faubourgs. Eine Verordnung vom 16. Juni 1859 erweiterte die Grenze bis zu den Wällen der unter Ludwig Philipp gebauten Festungswerke. 1855 fand die erste, 1867 die zweite große Weltausstellung statt, 30. März 1856 wurde zur Beendigung des Orientkrieges der dritte Pariser Friede (s. d.) geschlossen.

Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 (s. d., Bd. 5, S. 104) rückten nach dem Siege