Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

921

Parmenion – Parnell

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Parmenĭdes'

klärung. – Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen, Tl. 1 (5. Aufl., Lpz. 1892); Stein, Die Fragmente des P. (in den «Symbola philologorum Bonnensium in honorem F. Ritschelii», Heft 2, ebd. 1867).

Parmenĭon, einer der vertrautesten und bewährtesten Feldherren Philipps II. von Macedonien, hatte auf Alexanders d. Gr. Perserzuge den Oberbefehl über das gesamte schwere Fußvolk und befehligte in den Schlachten gewöhnlich den linken Flügel. Nach Besetzung von Ekbatana wurde P. im Juni 330 v. Chr. Kommandant dieses Platzes und Statthalter in Medien, scheint sich aber dann mit seinem Sohne Philotas (s. d.) in eine Verschwörung eingelassen zu haben und wurde mit diesem noch Herbst 330 auf Alexanders Befehl beseitigt.

Parmesankäse, ein ital. Käse (s. d., Bd. 10, S. 212a).

Parmigianino (spr. -midscha-), ital. Maler, s. Parmeggianino.

Parnahyba, Fluß im nordöstl. Brasilien, entspringt unter 9° südl. Br. zwischen der Serra das Mangabeiras und der Serra Gurgueia, nimmt links den Balsas, rechts Gurgueio, Caninde mit Piauhy, Poty und Longa auf und mündet, 1040 km lang, unterhalb der Stadt P. in vielen Armen in den Atlantischen Ocean. Er ist frei von Wasserfällen und wird 670 km aufwärts von Booten befahren. Er bildet die Grenze zwischen Maranhão und Piauhy.

Parnahyba (Sao Luiz de P.), Stadt im schmalen Nordstreifen des brasil. Staates Piauhy, rechts am östlichsten Mündungsarm (Barra de Iguarassu) des Flusses P., 15 km von der Küste, der einzige kleinen Schiffen zugängliche Seehafen des Staates, ist ungesund und hat etwa 12000 E., Handel mit Vieh, Häuten und Baumwolle.

Parnáß (grch. Parnasós, jetzt Liakura, Lyakura), mächtiges Kalkgebirgsmassiv in Mittelgriechenland in der alten Landschaft Phokis, heute auf der Grenze der Eparchien Parnassis, Lokris und Livadia gelegen, erhebt sich mit dreieckigem Grundriß; im NO. von der phokischen Ebene des Kephissos, im W. von der Ebene von Amphissa, im S. von zwei engen Thälern begrenzt, hängt es nur durch niedrige Pässe mit andern Gebirgen zusammen: nach NW. mit dem Massiv der Giona, nach SO. durch den Rücken von Arachova mit dem Helikon. Die gewaltige Kalkmasse bildet zwei von NW. nach SO. streichende Faltengewölbe; in den mittlern Höhen von Tannenwäldern bedeckt, ragt sie darüber in einer Anzahl kahler Felsgipfel auf, die den größten Teil des Jahres mit Schnee bedeckt sind. Der höchste Gipfel derselben, von den Alten Lykoreia, jetzt Lykeri genannt (2459 m), erhebt sich in der Südostecke des Massivs und gewährt eine umfassende Aussicht von Thessalien bis Nordarkadien. Unter steilen Felswänden der Südseite des Gebirges (den Phädriaden) liegt die berühmte Orakelstätte des Apollon, Delphi (s. d.), auf dem Plateau oberhalb Delphis die dem Pan und den Nymphen geweihte Korykische Grotte, eine Stalaktitenhöhle. Hier wurden dem Dionysos Orgien gefeiert. Hauptsächlich aber galt das Gebirge als dem Apollon und den Musen heilig, daher der Name P. auch als symbolische Bezeichnung für die Dichtkunst dient, wie noch jetzt die Ausdrücke den P. besteigen und Gradus ad Parnassum (s. d.) zeigen. – Parnassis heißt eine Eparchie des Nomos Phthiotis-Phokis mit der Hauptstadt Salona (Amphissa).

Parnassiens (spr. -ĭäng), Bezeichnung für die nach ihrem Hauptorgan «Parnasse contemporain» ↔ (1866) genannte franz. Dichterschule (s. Französische Litteratur, Bd. 7, S. 176).

Parnassĭus, s. Apollo (Schmetterling).

Parndorfer Heide, s. Paarendorfer Heide.

Parnell, Charles Stewart, irischer Agitator und Staatsmann, geb. 1846 zu Avondale (Grafschaft Wicklow) als Abkömmling einer alten engl. Protestantenfamilie, studierte in Cambridge und trat 1875 als entschiedener Home-Ruler ins Unterhaus. Nach der Ablehnung seines Antrags, der den Pächtern den Ankauf der Güter der entstaatlichten irischen Kirche erleichtern sollte (Febr. 1877), betrieb P. die Politik der Obstruktion gegen die Maßnahmen der Regierung. Den widerstrebenden Führer der Home-Rulers, Isaak Butt (s. d.), wußte er zur Seite zu drängen, und mit erweitertem Programm war er Okt. 1879 bei Gründung der Landliga (s. d.) beteiligt, deren Vorsitzender er 1880 wurde. Unmittelbar nach dem Zusammentreten des neuen Parlaments forderte er 1880 die Einbringung einer irischen Landbill und gab nach deren Ablehnung und dem Schluß des Parlaments im Herbst 1880 der Landagitation in Irland eine so drohende Wendung, daß die Regierung eine Anklage auf Störung des öffentlichen Friedens gegen ihn anhängig machte, ohne indes von den irischen Geschworenen eine Verurteilung zu erlangen. 1881 setzte er seine schroffe Opposition fort und ging bis zur Aufforderung an die Pächter, den Pachtzins zu verweigern, worauf die Regierung 13. Okt. 1881 seine und die Verhaftung mehrerer seiner Genossen verordnete und ihn bis zum Mai 1882 in Gewahrsam hielt. Nach seiner Freilassung schlug P. einen gemäßigtern Ton an. Durch seinen Einfluß stürzte er in Verbindung mit den Konservativen im Juni 1885 das Kabinett Gladstone und unterstützte die Tories bei den Neuwahlen, wandte sich aber, als seine Hoffnungen von diesen getäuscht wurden, mit seiner 84 Mitglieder zählenden Partei Gladstone zu und half diesem im Jan. 1886 zum Sturz Salisburys. Gladstones Home-Rule-Bill lieh er seine volle Unterstützung und setzte in der Opposition gegen den Aug. 1886 wieder zum Amt gelangten Salisbury seinen Kampf durch Einbringung verschiedener Anträge fort. Großes Aufsehen erregte ein Prozeß P.s gegen die «Times», die ihn beschuldigt hatten, die Ermordung Burkes und Cavendish’ im Phönixpark gebilligt zu haben. Die Untersuchung erwies die bloßstellenden Briefe 1889 als Fälschungen. Einen gewaltigen Stoß erhielt das Ansehen P.s Herbst 1890 durch seine Verurteilung wegen Ehebruchs. Gladstone erklärte in einem Brief an John Morley, daß P.s Verbleib an der Spitze der irischen Partei sehr nachteilige Folgen haben müsse, und 3. Dez. 1890 wendeten sich auch die irischen Erzbischöfe und Bischöfe in einer Adresse an das irische Volk gegen ihn. In einer Parteisitzung vom 6. Dez. 1890 erklärten 53 Mitglieder ihren Austritt und wählten Mac-Carthy zu ihrem Vorsitzenden; nur 31 blieben P. getreu (Parnelliten). Trotzdem dachte er nicht an Rücktritt; er ging nach Irland, wo es in stürmischen Volksversammlungen in Dublin, Cork und andern Orten zu förmlichen Kämpfen zwischen seinen Anhängern und Gegnern kam. So lagen die Dinge, als P. plötzlich in der Nacht vom 6./7. Okt. 1891 in Walsingham-Terrace bei Brighton starb.

Die Verdienste P.s um Irland sind sehr groß. Er hat zuerst wieder die Rechte der unterdrückten irischen Pächter geltend gemacht, und wenn er auch

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 922.