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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Parnes - Parodie

nicht immer mit anerkennenswerten Mitteln kämpfte, so verdankt Irland die Reformgesetze, die seit 1875 dem engl. Egoismus abgerungen wurden (s. Irland), vornehmlich seiner Thatkraft. - Vgl. Walsh, A memorial volume to Charles Stuart P. (Neuyork 1892).

Parnes, jetzt Ozea, das breit gelagerte, bis zu 1413 m ansteigende böotisch-attische Grenzgebirge, einst mit Wäldern bedeckt, in welchen Eber und Bären hausten.

Parnĭdae, Hakenkäfer, eine Familie der pentameren Käfer (s. d.) mit in der Regel elfgliederigen Fühlern, kleinem, zurückziehbarem Kopfe, stark gewölbtem, bisweilen fast kugeligem Körper. Die Fußklauen sind sehr stark entwickelt. Die P. leben unmittelbar am Rande des Wassers oder in demselben, auf Holz, auf der Unterseite von Steinen u. s. w. fest angeklammert und können nicht schwimmen. Es sind kleine, zwischen 1,5 und 7 mm große Käferchen von düstern Farben. Sie leben von verwesenden Pflanzenabfällen. Die meisten Arten sind aus den gemäßigten Gegenden Europas und Nordamerikas bekannt. In Deutschland finden sich, besonders in rasch fließenden Bächen, etwa 40 Arten. Die häufigste Gattung ist Parnus.

Parnitz, 5 km langer schiffbarer Arm der Oder, geht unmittelbar oberhalb Stettin rechts zum Dammschen See ab.

Par nobĭle fratrum (lat.), "ein edles Brüderpaar" (in ironischem Sinne), Citat aus Horaz' "Satiren" (II, 3, 243).

Parnon, Malevogebirge, Gebirge im Peloponnes, zwischen dem Eurotasthal (Lakonien) im W. und der Landschaft Kynuria. Der von NNO. nach SSO. gestreckte, breitgelagerte Gebirgswall aus Kalkstein, Glimmerschiefer und Marmor erhebt sich zu 1937 m Höhe und hat ausgedehnte Tannenwälder.

Parnus, s. Parnidae.

Parny, Evariste Désiré Desforges, Vicomte de, franz. erotischer Dichter, geb. 6. Febr. 1753 auf der Insel Bourbon, kam als Kind nach Frankreich, widmete sich dem Militärstande, besuchte 1773 - 75 seine Heimat und besang dort seine Liebe zu einer jungen Kreolin in seinen zarten, von sinnlicher Glut erfüllten "Poésies érotiques" (1778). Er verließ den Militärdienst 1788 und lebte in der Nähe von Paris zu Feuillancourt als liebenswürdiger Sensualist, von den Zeitgenossen gefeiert als der Dichter, der die Poesie vom Bel-esprit zur Natur zurückbrachte, weil in der That die akademische Zierlichkeit und Korrektheit seiner Verse sich bisweilen mit schwärmerischer Schwermut und einer gewissen Weichheit des Tons verbindet. Er wurde 1803 Mitglied des Instituts und starb 5. Dez. 1814 zu Paris. Von seinen frivolen komischen Epen ist das witzigste und vollendetste "La guerre des dieux anciens et modernes" (Par. 1799 u. ö.). Poetisch wertloser sind "La paradis perdu" und "Les galanteries de la Bible", die mit den "Déguisements de Vénus" als "Portefeuille volé" (1805) zusammen gedruckt, aber von der Polizei verboten wurden. Seine Werke erschienen in 5 Bänden Paris 1808, in 3 Bänden ebd. 1827, in Auswahl ebd. 1827. Die neueste Ausgabe der "Poésies complètes" erschien 1887.

Paroarĭa, Vogelgattung, s. Kardinal.

Parochiālkirche. Die Entwicklung abgegrenzter Pfarrverbände erfolgte in der abendländ. Kirche wahrscheinlich erst in der Karolingerzeit. Vorher werden die Kirchen unterschieden in tituli majores oder Ecclesiae baptismales und tituli minores oder Oratoria; in letztern darf nur gepredigt und Messe gehalten werden, während die übrigen kirchlichen Funktionen nur in den erstern vollzogen werden dürfen. Aus diesen Taufkirchen entwickelten sich sodann die P. mit territorial und persönlich fest abgegrenztem Bezirk; der seit jener Zeit entwickelte Begriff liegt auch heute der evang. und kath. Kirchenverfassung zu Grunde, viele Staatsgesetzgebungen haben ihn aufgenommen, so besonders das Allg. Preuß. Landrecht; P. ist demnach eine Kirche mit fest abgegrenztem, staatlich anerkanntem Gemeindeverband. P. müssen nach kanonischem Recht definitiv angestellte Pfarrer haben, womit das im Gebiete des franz. Rechts so vielfach bestehende Institut der sog. Succursalpfarreien (s. d.) unvereinbar ist. - Vgl. Loening, Geschichte des deutschen Kirchenrechts, Bd. 1 (Straßb. 1878); Hinschius, Das Kirchenrecht der Katholiken und Protestanten in Deutschland, Bd. 2 (Berl. 1878); Zorn, Lehrbuch des Kirchenrechts (Stuttg. 1888).

Parochiālschulen, seit dem 6. Jahrh., im Mittelalter und auch später für die einzelnen Parochien (s. d.) bei den Kirchen eingerichtete Schulen. Anfangs waren sie hauptsächlich der Erziehung von Geistlichen gewidmet, später dem Volksunterrichte überhaupt.

Parochiālzwang, dasjenige Rechtsverhältnis, vermöge dessen die zu einer Parochie (s. d.) gehörenden Kirchengenossen in Beziehung auf alle oder doch auf bestimmte geistliche Amtshandlungen an die Geistlichen der betreffenden Parochialkirche gebunden und zur Tragung der Parochiallasten verpflichtet sind. Früher waren bestimmte Stände, z. B. der Adel und die königl. Beamten, häufig von dem P. ausgenommen (eximiert). Diese Pfarrexemtionen sind durch die neuern evang. Kirchenverfassungen meistens beseitigt worden. Gewöhnlich ist aber für die dem P. unterworfenen Gemeindeglieder vorgesehen, daß sie auf Grund von Dimissorialien (s. d.) die Amtshandlungen von andern als den Geistlichen der betreffenden Parochie verrichten lassen dürfen.

Parŏchie (grch.), bis in das 3. Jahrh. der bischöfl. Sprengel, der aus einer Stadtgemeinde (civitas) und den umliegenden Landbezirken bestand; P. und Diöcese (s. d.) waren bis dahin gleichbedeutend. Nach Irenäus betrachteten sich die Christen mit Beziehung auf 1 Petr. 1, 17; 2, 11 als Fremde (grch. pároikoi) auf dieser Erde, daher bezeichneten sich auch die Gemeinden als Genossenschaften von Fremdlingen, auf deren unter einem Bischof stehende Gesamtheit der Name P. (paroikia, Fremde) überging, deren einzelne Glieder aber Parochianen genannt wurden, späterhin (die Entwicklung läßt sich chronologisch nicht feststellen) entwickelten sich innerhalb der Diöcese die selbständigen P. (Kirchspiele, Kirchsprengel oder Kirchfahrten) mit eigenen, vom Bischof fest bestellten Pfarrern. Über die Entwicklung im Abendlande s. Parochialkirche.

Parŏchus (grch.), der leitende Geistliche einer Parochie, Pfarrer (s. d.).

Parodie (grch., "Nebengesang"), eine komisch-satir. Dichtart. Sie zieht eine vorhandene ernste Dichtung, Epos oder Drama, ins Komische, indem sie die Form und den Ton der Dichtung beibehält, dieser aber einen niedrigen und possenhaften Gegenstand unterschiebt. Im Altertum wurden schon früh die Homerischen Gedichte parodiert, wie z. B. in der Batrachomyomachia (s. d.). Auf dem Gebiete der deutschen Litteratur ist besonders berühmt Platens