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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paß (in der Baukunst) - Passaglia
Frankreich besteht noch heute grundsätzlich der durch
die Französische Revolution (1795) eingeführte Paß-
zwang; für Elsaß-Lothringen (s. d.) ist bis jetzt das
franz. Recht in Kraft verblieben, von welchem gegen-
über Frankreich eine Zeit lang (1888-91) energisch
Gebrauch gemacht wurde.
Zwangspaß, Reiseroute oder Marsch-
route ist ein P., mittels dessen jemand von der
Polizei unter Androhung von Strafe vorgeschrieben
wird, sich an einen bestimmten Ort zu begeben und
sich dort bei der Behörde zu melden. Tem Betreffen-
den wird hierbei auch eine bestimmte Route, die
er bei Strafe einzuhalten bat, vorgezeichnet. Meist
dienen jetzt die Zwangspässe zur Beförderung be-
strafter Personen in ihre Heimat.
Leichenpässe werden von der Polizeibehörde
ausgestellt bei Transport einer Leiche vom Sterbeort
an einen andern Ort; sie sind in Bayern, Württem-
berg, Baden obligatorisch bei Strafe; in Preußen
kann beim Mangel eines Leichenpasses Öffnung
des Sarges durch die Polizei verlangt werden.
über Gesundheitspaß s. Quarantäne; über
Seepaß s. d. und Certifikat.
Militärpaß ist ein amtliches Leaiümations-
papier, das alle Mannschaften des Beurlaubten-
standes bei ihrer Entlassung aus dem aktiven Dienst
erhalten und bei Kontrollversammlungen und andern
dienstlichen Anlässen vorzuzeigen haben.
Paß, in der Baukunst der zwischen den Nasen
des got. Maßwerkes (s. d.) befindliche Kreisbogen
oder die den Nasenschwung tangierenden geraden
Scitcn. Je nach der Anzahl derselben unterscheidet
man den Dreipaß, Vierpaß u. s. w. (S. die vor-
stehenden Abbildungen.)
Paß, in der Reitkunst ein dem Pferde angelern-
ter Gang, der darin besteht, daß es (wie das Kamel)
beide Füße einer Seite zugleich hebt.
Passabel (frz.), erträglich, leidlich.
Passacaglia (spr.-kalja, Pafsacaglio), ein
alter gravitätischer, der Chaconne (s. d.) ähnlicher
Tanz in ungeradem Takt, der besonders bei den
roman. Völkern beliebt war und auch noch oft in der
Kunstmusik des 18. Jahrh, erscheint; er hat eine
kurze wiederkehrende Figur als Grundbaft.
Pafsade (frz.), Bewegung vorwärts beim Fechten
mit dem Zwecke, die Menfur zu verengern, d. h. dem
Gegner näher zu kommen, wird ausgeführt durch
ein Vorsetzen des rückwärtigen Fußes bis zur Spitze
des vordern als erstes und ein Vorsetzen des vor-
dern Fußes als zweites Tempo. In der Reitkunst
bedeutet P. eine Lektion der Hohen Schule (s. d.), die
in mehrfacher Niederholung einen kurzen Galopp
mit einer Kurzkehrtwendung (Pirouette) verbindet.
Passage (frz., spr. -ahsche), Durchgang (s. Ga-
lerie), Durchfahrt; in der Musik eine Figur von
schneller Bewegung und kürzerer Ausdehnung.
Man unterscheidet Accordpassagen (Arpeggien) und
Tonleiterpassagen. (S. auch Spinnerei.)
Pafsageninftrument (spr. -ahschen-), Meri-
dian i n st r u m e n t, Durchgangsinstrument,
Mittagsrohr, eins der wichtigsten astron. In-
strumente, von Olaus Römer erfunden, dient dazu,
den Moment des Durchgangs eines Sterns durch
den Meridian zu bestimmen. Da in diesem Moment
die Sternzeit gleich der Nektascension des betreffen-
deil Sterns ist, kann es sonach zur Zeitbestimmung
benutzt werden. Läßt man bei einem Meridiankreis
(s. d.) den feingeteilten Kreis nebst den zugehörigen
Mikroskopen weg, so hat man im wesentlichen ein
P. In neuerer Zeit baut man namentlich kleinere
P. häufig mit gebrochenem Fernrohr (f. nach-
stehende Figur). In dem Würfel in Mitte der hori-
zontalen Achse sitzt ein Prisma, das die vom Objek-
iv
c
tiv ll. lommenden Strahlen durch die hohle Achse
nach dem Okular d reflektiert; kl ist das gußeiserne
Stativ, 6o die Wasserwage zum Horizontalstellen
der Achse, ä ä eine Vorrichtung, durch die das Fern-
rohr aus den Lagern gehoben und um 180° gedreht
werden kann, endlich c ein kleiner Kreis zum Ein-
stellen der Sterne. Der durch diese Konstruktion
erzielte Vorteil ist, daß das Auge immer in gleicher
Richtung durch das Fernrohr sieht; ein Nachteil ist
aber der Lichtverlust, der durch die Brechung und
Reflexion im Prisma veranlaßt wird.
Paffagere Befestigung (spr. -sasch-), s. Feld-
befestigung.
Pafsagevertrag (spr. -ahschc-),s. Frachtvertrag.
Passagier (spr. -schihr, vom franz. M38HFor),
Reisender, besonders ein solcher, der mit Wagen,
Eisenbahn oder Dampfschiff befördert wird.
Passagieren (frz., spr. -schi-), s. Spanischer Tritt.
Passaglia (spr. -älja), Carlo, ital. Theolog, geb.
1814 zu Pieve a San Paolo bei Lucca, trat in den
Jesuitenorden, wurde 1844 Professor am (^olls^ium.
I^omllnum und erwarb sich als solcher wie als Prä-
sident der zur Verbreitung der Verkündigung des
neuen Mariendogmas, das P. 1853 in einem drei-
bändigen Werke "über die unbefleckte Empfängnis"
verteidigte, eingesetzten Kommission den Ruhm
musterhafter Orthodoxie. Von der patriotischen Be-
geisterung für die Einheit Italiens und Cavours
Ideal der freien Kirche im freien Staat ergriffen,
trat P. 1859 aus dem Jesuitenorden aus und for-
derte in einer Flugschrift "I^ro causa iwlica aä eM-
e0p08 clUkolicos" im Interesse der nationalen Eini-
gung vom Papste den Verzicht auf feine weltlicke
Herrschaft als eine geschichtliche Notwendigkeit. Er
mußte infolgedessen aus Rom fliehen, wurde 1861
an der Turiner Universität Professor der Moral-
philosophie und setzte als Mitglied des ersten ital.
Parlaments und in der von ihm 1862-66 heraus-