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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pasteurisieren - Pastoralmedizin
Pasteurisieren, nach ihrem Erfinder Pasteur
(s.d.) eine ursprünglich nur für die Weinbehandlung
angewendete Methode, welche die zahlreichen, nur
durck Pilzbildungen (^I^coäeriim vini und aceti)
hervorgerufenen Krankheitserscheinungen im fertigen
Weine verhütet. Das Verfahren besteht in einer
Erwärmung des Weins auf mindestens 60° 0. Da-
durch werden die in fast allen Gärungsflüssigkeiten
sich sindenden Sporen schädlicher Pilze getötet, ihre
Fortpflanzung und somit jede Krankheit unmöglich
gemacht. Man benutzt dazu besondere Weinerwär-
mnngsapparate (s)6N0tU6rm68), die in zahlreichen
Konstruktionsformell existieren. Das P. dient jetzt
auch zur Konservierung des Biers (s. Vier und
Bierbrauerei, Bd. 2, S. 1000 a) und der Milch
(s. Milchkonservierung). Auf demselben Princip wie
das P. beruht auch das Appertsche Konservierungs-
verfahren für Speisen (s. Apperts Methode).
?a.Vtiooio (ital., spr. -ittscho), Pastete: auch
Nachbild, d. h. ein in der Manier eines Meisters
zum Zweck des Betrugs nachgeahmtes Bild, das für
echt gelten soll; dann auch Mischmasch, und in dieser
Bedeutung in der Musik Ausdruck für die besonders
früher an ital. Opernbühnen beliebten Flickopern,
in denen einzelne Akte oder Scenen von verschie-
denen Meistern komponiert oder worin ältern Arien
u. s. w. verschiedener Komponisten neue Texte unter-
gelegt waren.
Pastillen (lat. M8ti11i), meist scheibenartig ge-
formte, vorwiegend für den innern Gebrauch be-
stimmte Arzneimittel. Zu ihrer Herstellung werden
die zu verarbeitenden Stoffe gepulvert, gut gemischt
und kalt oder unter Erwärmen entweder ausschließ-
lich durch Druck oder auch unter Zusatz von Binde-
mitteln in die entsprechende Form gebracht. Als
Bindemittel werden in der Regel Zucker, arab.
Gummi oder Tragant mit Wasser, bei Brause-
nüschungen Weingeist benutzt. Die P. werden ge-
formt durch Ausstechen der Masse. Die Darstellung
im großen erfolgt durch Mafchinen. Stark gebraucht
werden besonders die aus den Salzen der Mineral-
wässer bereiteten P. Neuerdings werden auch meh-
rere für den äußern Gebrauch bestimmte Arznei-
mittel in Form von P. in den Handel gebracht
iSublimat- und Carbolsäurepastillen). Auch die
lediglich durch Druck bereiteten komprimierten Ta-
bletten zählen zu den P. Dieselben werden mittels
Maschinen im großen bereitet. Die komprimierten
Tabletten find besonders geeignet für Feldzwecke
und auch bei Reisen in den Tropen u. s. w., da sie
verhältnismäßig wenig Raum beanspruchen und
auch recht baltbar sind. - P. heißen auch eine Art
der Feuerwerkskörper (s. Drehfeuer).
Pastinake, Pastinak (?a8tinacH /^.), Pflan-
zengattung, zndenUmbelliferen (s. d.) gehörig, durch
goldgelbe Blüten mit eingerollten Blütenblättern
sowie durch die vom Rücken her flach zusammenge-
drückten länglich-runden Früchte gekennzeichnet. Die
gemeine P. (I^tii^c^ ä^tivH ^,.) ist zweijährig und
wächst in ganz Europa und in Nordasien wild, wird
aber wegen ihrer weißen, fleischigen, den Mohren
ähnlichen, aber schärfer riechenden und stark aroma-
tisch schmeckenden Wurzeln (s. Tafel: Gemüse III,
Fig. 3) auch als Gemüsepflanze kultiviert. Nach
Wurzelbildung und Zuckergehalt verbesserte Garten-
fonnen sind die Jersey-, die Studenten- und die
Zuckerpastinake. Während die gemeine P. den Win-
ter im freien Lande übersteht, müssen letztere im Herbst
ausgehoben, von den Blättern befreit, an einem lnf
! tigen, aber gegen Frost geschützten Ort abgetrocknet
und in friscben Sand eingeschlagen für den Verbrauch
aufbewabrt werden. Sie werden im Oktober oder
im Frühjabr gesät und ganz wie Mohren behandelt.
Pasto, Stadt im Departamento Cauca von Co-
lumbia, am Vulkan Pasto (4204 m), auf einer frucht-
baren Hochebene, 2544 m ü. d. M., hat (1870)
10049 E. meist indian. Abkunft; Fabrikation von
lackierten Holzwaren, Wollstoffen, Ackerbau und
Viehzucht.
Pastor (lat., "Hirt"), schon im Mittelalter vor-
kommende, besonders aber in der prot. Kirche üblich
gewordene Benennung der Geistlichen, die auf den
seelsorgeriscken Beruf derselben hindeutet. In man-
chen Gegenden ist P. hergebrachter Titel des ersten
Geistlichen (I>. pi-iniHi-ius) im Unterschied vom Dia-
konus (s. d.). ^ ?. looi, Ortsgeistlicher.
Instar, s. Hirtenvogel.
Pastoralbriefe (o. h. Hirtenbriefe), die im neu-
testameutlichen Kanon befindlichen Sendschreiben
an Timotheus und Titus, wegen der darin enthal-
tenen Anweisungen zur bisch öfl. Amtsführung. Sie
geben sicb als Sendschreiben des Paulus (s. d.) aus,
üntersckeiden sich aber von den echten Paulinischen
Briefen nicht allein durch einen völlig andern Stil,
sondern anck durch wesentliche Verschiedenbeiten in
der Lebrweise und durch Rücksicht auf Parteizu-
stände und Verfassungsverhältnisse, die in der Zeit
des Paulus nicht nachweisbar sind und nur auf
das nachapostolische Zeitalter passen. Auch die son-
stigen von den Briefen vorausgesetzten histor. Ver-
hältnisse lassen sich in der Lebensgeschichte des Paulus
z nicht unterbringeil. Die Paulinische Abkunft dieser
Briefe ist daber feit Eichhorn und Schleiermacher
von den Forschern mit steigender Entschiedenheit be-
stritten worden, doch haben manche vermutet, daß
dem einen oder andern dieser Schriftstücke echt Pau-
linische Bestandteile zu Grunde liegen. Kommentare
verfaßten Heydenreich (2 Bde., Hadamar1827-28),
De Wette (3. Aufl., Lpz. 1887), Huther (in Meyers
"Kommentar zum Neuen Testament", 6. Aufl. von
Weih, Gott. 1893), Bahnsen (Tl. 1, Lpz. 1876),
Koelling (zum ersten Brief, 2 Tle., Verl. 1882 u.
1887), Knoke (Praktischer theol. Kommentar zu den
P., 2 Tle., Gott. 1887-89), von Soden (im "Hand-
kommentar zum Neuen Testament", 3. Bd., 1. Ab-
teil., 2. Aufl., Freib. i. Br. 1893). - Vgl. Baur,
Die fog. P. des Apostels Paulus (Stuttg. 1835);
Mangold, Die Irrlehrer der P. (Marb. 1856);
Holtzmann, Die P. kritisch und exegetisch behandelt
(Lpz. 1880): Hesse, Die Entstehung der neutestament-
lichen Hirtenbriefe (Halle 1889).
Pastorale (lat.; frz. p^tonreiw, "Hirtenstück",
"Schäferspiel"), in der Musik Name kleiner Opern
von idyllischem Charakter, wie sie im Anfang des
17. Jahrh, üblich waren; auch selbständige Instru-
^ mentalstücke, in denen vorwiegend die Weise der
! Schalmeien nachgeahmt oder allgemein die Poesie
des Landlebens verherrlicht wird (z. B. Beethovens
6. Sinfonie sin ^-äur^, die sog. Pastoralsinfome).
(S. auch Pastourelle.)
Pastorale (lat.),derHirtellstab; dann derbischöfl.
Krummstab. (S. auch Rationale.)
Pastoraiien (lat.), geistliche Amtsverrichtungen.
Paftoralklugheit, s. Pastoraltheologie.
Pastoralmedizin, die zusammenfassende Dar-
stellung solcker mediz. Anweisungen, deren Kenntnis
den Landpfarrer befähigt, den Kranken als nächster
^ Berater und dem Arzte als verständiger Gehilfe zu