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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Patriotenliga - Patronenlager

triots) gebrauchte Name für die Opposition gegen das Ministerium Walpoles (s. Orford), die sich aus seiner eigenen Whigpartei bildete und der sich die wenigen Tories anschlossen. - In neuerer Zeit Bezeichnung für verschiedene polit. Parteien, insbesondere nannten sich so (Patriotenpartei) bis 1887 die Ultramontanen (Centrumspartei) in Bayern.

Patriotenliga, ein von Paul Déroulède (s. d.), Paul Bert und Anatole de la Forge 1880 gegründeter, 1889 aufgelöster franz. Verein zur Pflege des Revanchegedankens. (S. Frankreich, Geschichte.) Die P. wurde 1895 unter dem Namen "Patriotische Liga der franz. Interessen" unter dem Vorsitz Déroulèdes wiederhergestellt.

Patriotenpartei, s. Patriot.

Patriotismus (vom grch. patriōtes), Vaterlandsliebe.

Patripassiāner, s. Monarchianer.

Patrisbrunna, lat. Name für Paderborn.

Patrístik (grch., "Väterlehre"), in der prot. Theologie die Wissenschaft, die vom Leben, von den Schriften und Lehren der Kirchenväter (s. d.) handelt, während die P. in der kath. Theologie die Lehren der Väter, Kirchenschriftsteller und Kirchenlehrer bis ins 13. Jahrh. behandelt. Neuerdings wird in der prot. Wissenschaft der Stoff der frühern P. zur kirchlichen Litteraturgeschichte und Dogmengeschichte gestaltet. (S. Patrologie.) - Vgl. protestantischerseits: Engelhardt, Litterar. Leitfaden zu Vorlesungen über die P. (Erlangen 1822); Bernhardy, Grundriß der röm. Litteratur (5. Bearbeitung, Braunschw. 1872); Ebert, Allgemeine Geschichte der Litteratur des Mittelalters im Abendland (2 Bde., Lpz. 1874-80): Bernhardy, Grundriß der griech. Litteratur (2 Tle., Halle 1876-80); Teuffel, Geschichte der röm. Litteratur (5. Aufl., Lpz. 1890); diese Werke behandeln die kirchliche Litteratur zum Teil mit; katholischerseits: Möhler, Patrologie, Bd. 1 (Regensb. 1839); Nirschl, Lehrbuch der Patrologie und P. (3 Bde., Mainz 1881-85); Alzog, Grundriß der Patrologie (4. Aufl., Freib. i. Br. 1888); Harnack, Geschichte der altchristl. Litteratur, Tl. 1 (Lpz. 1893).

Patrīze (vom lat. pater), in der Stempelschneidekunst der Stahlstempel, mit dem Formen zum Letterngusse erzeugt werden; derselbe muß die Form des Letternbildes haben, links geschnitten und gehärtet sein. Die Form, Mater oder Matrize (s. d.) genannt, wird erzeugt, indem man diese Stempel in ein Stückchen Kupfer einprägt und dieses dann so bearbeitet (justiert), daß es in richtiger Lage ins Meßinstrument gebracht werden kann. Außerdem nennt man auch die Schraube, deren man sich bedient, um eine Schraubenmutter, Mater oder Matrize zu schneiden und zu regulieren, eine Vaterschraube oder P. Ebenso wendet man oft bei galvanoplastischen Arbeiten die Benennung P. für das Original an, von welchem eine Mater durch Niederschlag oder Abformung hergestellt wird.

Patrocinĭum (lat.), das Walten und Wirken als Patron, Rechtsbeistand, Schutz.

Patroklos, nach Homers "Ilias" der Waffengenosse des Achilleus, war der Sohn des Argonauten Menoitios und der Sthenele. Ohne Vorbedacht tötete er zu Opus beim Würfelspieldes Amphidamas Sohn, Kleitonymos. Sein Vater entzog ihn der Rache durch die Flucht und brachte ihn nach Phthia zum Peleus, der den Knaben freundlich aufnahm und als seines Sohnes Genossen erzog. P. folgte dem Achilleus nach Troja und blieb lange Zeit thatenlos wie dieser, der zürnend keinen Anteil am Kampfe nahm. Endlich aber,

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als die Not der Griechen stieg, zog er doch aus, in des Achilleus Rüstung gekleidet. Der Kampf, den er begann, war glänzend. Allein von Apollon betäubt und wehrlos gemacht, wurde er von Euphorbos durchbohrt und von Hektor vollends getötet. Die Griechen retteten den Leichnam, bestatteten ihn und stellten Leichenspiele an; Achilleus aber beschloß, den Freund zu rächen und ihm in den Tod zu folgen. Eine wahrscheinlich aus der Zeit des Praxiteles und Skopas stammende Marmorgruppe, Menelaos mit dem Leichnam des P. darstellend (s. Tafel: Griechische Kunst II, Fig. 17), wird in der Loggia dei Lanzi zu Florenz aufbewahrt.

Patrolŏgie (grch., "Väterkunde"), im kath.-theol. Sprachgebrauch derjenige Teil der histor.-dogmatischen Theologie, der sich mit dem Leben und den Schriften der Kirchenväter (s. d.) beschäftigt, meist mit der Patristik (s. d.) verbunden.

Patrōn, s. Patronus.

Patronāt (lat.), s. Kirchenpatronat.

Patrōne (frz.), in der Drechslerei eine Schraubenspindel, die auf den rückwärts gelegenen Teil der Drehbankspindel gesteckt wird, um mit Hilfe eines gegen das Werkstück wirkenden Drehstahls ein Gewinde von gleicher Steigung auf der Drehbank zu schneiden; in der Guillochiermaschine eine dem Muster der Guillochierung entsprechend am Rande ausgezackte Scheibe (s. Guillochieren); in der Kopierfräsbank das Modell; in der Weberei die auf karriertem Papier (s. Patronenpapier) entworfene Zeichnung eines Musters. Auch bezeichnet man mit P. ein ausgeschnittenes Blatt (Schablone) zum Auftragen der Figuren auf Tapeten, Spielkarten u. s. w.

Meist gebraucht man P. für das mit der Pulverladung durch eine Hülse, in der neuerdings auch das Zündmittel sitzt, fest verbundene Geschoß. In der deutschen Armee wird nur die Munition der Handfeuerwaffen P. genannt, während die fertig gemachte Ladung eines Geschützes Kartusche (s. d.) heißt; in der österr. Armee ist der Name P. für beide üblich. Für die Kriegshandfeuerwaffen sind jetzt Metallpatronen (s. d.) im Gebrauch, weil durch diese ein guter Gasabschluß nach rückwärts bewirkt und die Ladung besser gegen Witterungseinflüsse und Stoß geschützt wird. (S. auch Handfeuerwaffen.) Die Jagdgewehre (s. d.) haben in der Regel P. aus Kartonpapier mit Metallboden. Man unterscheidet beim Militär scharfe, Platz- und Exerzierpatronen. Im Gegensatz zur scharfen P. (mit Bleigeschoß) dient die Platzpatrone nur zu Übungen; sie soll nur den Knall hervorbringen und hat zu diesem Zweck eine geringe Pulverladung, während das Geschoß durch einen unschädlichen pfropfen aus Wachs, Pappe oder gepreßtem Holz ersetzt ist. Die Exerzierpatrone dient zur Einübung der Mannschaften bei Handhabung des Gewehrs und seiner Munition; sie hat keine Pulverladung und ein meist aus Holz gefertigtes oder durch eine Verlängerung der Patronenhülse ersetztes Geschoß. Den ersten Bedarf an P. trägt der Mann in den Patronentaschen (s. d.), die auf den Leibriemen geschoben werden. (S. Munition.) Die Anwendung von Metallpatronen bei Geschützen, die gleichzeitig die Zündung enthalten, ist gegenwärtig Gegenstand von Versuchen. (S. Einheitspatrone, Kartätschgeschütze.)

Patronendrehbank, s. Schraubenschneidemaschine.

Patronenlager, derjenige Teil des Ladungsraums einer Handfeuerwaffe, in welchem die Patro- ^[folgende Seite]