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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pauvre - Pavia
rende Zeichnung bringt, so daß man die durchschei-
nenden Linien derselben nachziehen kann, eignen sich,
ebenso wie die Pausleinwand, zur Herstellung von
Lichtpausen (s. Lichtpausverfahren).
?2.nvrb (frz., spr. pohwr), arm, armselig, dürftig;
pauvr6t6, Armut, Armseligkeit.
Pauwels, Ferdinand, Historienmaler, geb.
13. April 1830 zu Eeckeren bei Antwerpen, machte
seine Studien an der Akademie zu Antwerpen 1842
-45 und verweilte dann bis 1851 in dem Atelier
des damaligen Direktors Wappers. Sein erstes
Gemälde war: Zusammenkunft Balduins I. von
Konstantinopel mit seiner Tochter Johanna 1206
(1851), diesem folgte: Trappistengottesdienst in der
Abtei Westmalle und 1852 Coriolan. Darauf ging er
mit einem akademischenReisestipendiumnach Italien,
wo er bis 1855 (zumeist in Rom) blieb und biblische
Geschichten malte; er lebte hierauf in Deutschland,
meist in Dresden. 1857 nach Antwerpen zurück-
gekehrt, wandte sich P. der geschichtlichen Komposi-
tion und dem histor. Genre zu und malte zunächst
Die Witwe Jakobs von Artevelde bringt ihren
Schmuck dem Vaterlande zum Opfer (1857; Museum
zu Brüssel) und Die Verbannten des Herzogs von
Alba (1861), welches Bild 1862 seine Berufung als
Professor der Historienmalerei an die Kunstschnle zu
Weimar veranlaßte. Infolge eines vom König
Maximilian von Bayern erhaltenen Auftrags malte
er: Empfang der Deputation des Dogen von Genua
bei Ludwig XIV. (1864; Maximilianeum in Mün-
chen). Sodann folgte: Lebensrettung Levin Pyns,
Protestantenverfolgung in den Niederlanden (Mu-
seum in Königsberg), Genter Bürger unterhandeln
1388 mit Philipp dem Kühnen über die Nnterwer-
fung ihrer Stadt, Königin Philippine von England
spendet den Genter Armen Hilfe. Darauf entstanden
sieben Wandbilder in der Lutherwohnung auf der
Wartburg, Scenen aus der Jugend und aus der
Mönchszeit Luthers, Die Thesen von Wittenberg
und Die Disputation vor dem Legaten Cajetan.
1872 legte P. seine Stellung an der großherzogl.
Kunstschule in Weimar nieder, kehrte nach Ant-
werpen zurück und beschäftigte sich mit einem für
das Rathaus der Stadt Dpern bestimmten Wand-
bildercyklus. Im Sept. 1876 wurde er als Pro-
fessor an die königl. Akademie der bildenden Künste
in Dresden berufen, wo er zunächst zwei von den
Kompositionen für Ipern: Graf Philipp vom Elsaß
im Marienhospital zu Upern (1877; Galerie zu
Dresden) und Regentin Johanna von Flandern in
Vipern (1885) sowie Die Vermahnung eines Augu-
stinermönchs (Museum in Leipzig) in Ölbildern
ausführte, dann aber hauptsächlich mit sechs Wand-
gemälden in der Aula der Fürstenschule zu Meißen
beschäftigt war, welche Karl d. Gr. in der Schule,
Den Mediceerhof, Die Gründung der Fürstenschule
durch Kurfürst Moritz, ihre Vollendung durch Kur-
fürst August, Luther und Melanchthon, und König
Albert darstellen. Für die Brautkapelle der Marien-
kirche in Pirna führte P. im Auftrag der sächs. Regie-
rung sei^1896 drei Gemälde biblischen Inhalts aus.
Pavane, ein angeblich nach dein span. pHvons
(Pfau) benannter, vornehmer und gravitätischer
Tanz in geradem Takte. Er war im 16. und
17. Jahrh, auch in Frankreich, England und Deutsch-
land sehr beliebt und findet sich in allen Lauten-,
Klavier- und Orgelbüchern dieser Zeit, später auch
für Streich- und Vlasinstrumente gesetzt, endlich
als Teil von Klaviersuiten.
Pave (frz., spr. -weh), Pflasterstein, Strahen-
Pavefe, s. Setztartsche. spflaster.
Pavia. 1) Provinz im Königreich Italien, in
der Lombardei, grenzt im N. an die Provinzen Mai-
land und Novara, im O. an Mailand und Piacenza,
im S. an Genua, im SW. an Alessandria und im
W. an Novara, Alessandria und Genua, hat
3345,20 (nach Strelbitskij 3399) qkm mit (1881)
469 831, nach einer Berechnung (31. Dez. 1894)
502 222 E., d. i. 150 E. auf 1 ykm, und zerfällt in
die 4 Kreise Bobbio, Mortara, P. und Voghera mit
zusammen 221 Gemeinden. Die Provinz ist im
südl. Teile (Kreis Vobbio) gebirgig (Monte-Penice
1482 iu), im nördlichen, den der Po von Westen
nach Osten durchflieht, eben und sehr fruchtbar.
Links fliehen zum Po Agogna, Terooppio, Ticino
und Olona, rechts Staffora, Coppa, Aversa und
Trebbia, letztere berührt die Provinz nur im Süden.
Von den zahlreichen Kanälen sind die bedeutendsten
Naviglio di P. (33 km) zwischen Ticino und Olona,
Naviglio di Bereguardo und Navigliaccio. Die
Provinz liefert Reis, Weizen, Roggen, Mais, Hafer,
Seide, Hülfenfrüchte und Gemüse, Kastanien, Obst
und Wein. Bedeutend sind Viehzucht, Bereitung
von Butter und Käse (Stracchino). Die Industrie
erstreckt sich auf Seiden- und Baumwollspinnerei
und -Weberei und auf die Fabrikation von Hüten.
- 2) P., das alte lieinum, mittellat. ?^iH, Haupt-
stadt der Provinz P., am Ticino, den eine bedeckte
marmorne Brücke (216 in lang), ein 1351 errichtetes
Meisterwerk, überschreitet, und aus dem hier ein
durch seine Schleusen merkwürdiger, 1819 vollen-
deter Kanal, Naviglio di P., nach Mailand führt, an
den Linien Como-Genua, P.-Vercelli (67 km), P.-
Alessandria (65 km) des Mittelmeernetzes und P.-
Cremona-Mantua (137 kni) des Adriatischen Netzes,
mit Straßenbahnen nach Mailand und Lodi, ist Sitz
des Prä'fekten, eines Bischofs, eines Tribunals erster
Instanz und einer Handels-und Gewerbekammerund
hat (1881) 29941, nach einer Berechnung (31. Dez.
1893) 37400 E., in Garnison das 9. Feldartillerie-
regiment, 5 Compagnien Genietruppen und 2 Train-
compagnien. Die finstere, noch teilweise von alten
Wällen und Bollwerken umgebene Stadt, einst die
hunderttürmige genannt (12 Türme stehen noch jetzt),
ist durch ein 1360-69 von den Visconti erbautes
Kastell, jetzt Kaserne, befestigt und hat breite Stra-
ßen, einige schöne Plätze, eine kolossale Bronzestatue
des Papstes Pins V. auf dem nach seiner Familie
benannten Platze Ghislieri, ein 1878 errichtetes
Denkmal des Physikers Volta, eine Statue der
Italia auf der Piazza d'Italia und ein Denkmal
Garibaldis (1884) von Pozzi auf der Piazza Ca-
stello. Nnter den Kirchen zeichnen sich aus die
Kathedrale, an Stelle einer alten Basilika 1486 von
Cristoforo Rocchi begonnen, zum Teil unter Bra-
mantes Mitwirkung weiter geführt, ein groher Cen-
tralbau mit vier Armen, einer modernen Kuppel
und dem Grabmal des heil. Augustinus, einem
prachtvollen Skulpturwerk rein got. Stils von 1362;
San Michele, lombard.-roman. Stils aus dem
11. Jahrb.; Sta. Maria del Carmine, ein dreischif-
figer Vacksteinbau (1375), mit Kapellenkranz, und die
schöne Kirche Sta. Maria Coronata di Canepanova,
ein nach Bramantes Plänen 1492 aufgeführter acht-
eckiger Kuppelbau mit oberm Umgang. Der nach
Plänen von Balossi erbaute Mercato coperto wurde
1882 vollendet. Die im Mittelalter berühmte llni-
versität, in prachtv ollem Gebäude, soll Karl d. Gr.