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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pavian - Pawlodar
ihre Entstehung verdanken. Im 12. Jahrh, war P.
der Sammelpunkt vieler Juristen, aber erst 1361 er-
bielt Galeazzo II. Visconti den Stiftsbrief von Kai-
ser Karl IV. für ein Generalstudium, dem 1389 das
püpstl. Privileg verliehen wurde. Nach dem Tode
Galeazzos (1402) ging die Universität zurück und
wurde 1412 von Filippo Maria Visconti wieder-
hergestellt. Nach wechselvollen Schicksalen wurde sie
1817 von Kaiser Franz I. reorganisiert. Sie hat
eine iurist., mediz.-chirurg., mathem.-naturwissen-
schaftliche, philos. Fakultät und eine pharmaceutische
Schule, (1892) 95 Docenten und 1178 Studierende,
darunter 201 Juristen und 476 Mediziner, ferner
reiche Sammlungen, eine Bibliothek (167 000 Bände,
36000 kleinere Schriften) und einen botan. Garten.
Zur Erleichterung der Studien besteht das 1563 vom
Kardinal-Erzbischof von Mailand Carlo Vorromeo
gestiftete Collegio Vorromeo mit 32 Freistellen und
das 1569 gestiftete Collegio Gbislieri mit etwa
90 Freistellen. Ferner hat die Stadt ein bischöfl.
Seminar, Lyceum, Gymnasium, eine Oberrealschule,
technische Schule, ein Lehrer-und Lehrerinnenseminar,
eine Schule der schönen Künste mit Gemälden, natur-
histor. Sammlungen und Altertümern. Der Palazzo
Malaspina enthält das Museo Municipale, eine be-
deutende Sammlung von Kupferstichen, Gemälden
und andern Altertümern. Die unbedeutende In-
dustrie erstreckt sich auf die Herstellung von Orgeln,
Eisengußwaren, landwirtschaftlichen Maschinen und
Marmorarbeiten. Die Stadt unterhält jährlich eine
bedeutende Messe und treibt Handel mit Wein, 5l,
Seide, Käse u. s. w. Ein besonderer Handelsartikel
sind die Vipern, die in der Umgebung gefangen und
zur Therialbereitung nach Venedig versandt werden.
Die Umgegend ist an Reisfeldern überaus reich.
8 km nördlich von P. das Kartäuserkloster Certosa
(s. d.) di Pavia.
Geschichte. Im I. 271 n. Chr. erlitten bei P.
die Alamannen eine Niederlage durch Kaiser Aure-
lianus. Die Stadt, 452 durch Attila, 476 durch
Odoaker erobert, 489 durch Theodorich d. Gr. besetzt,
stark befestigt und zu hoher Blüte gebracht, war seil
Alboin 572 Hauptstadt des Langobardischen Reichs,
bis Karl d. Gr. 774 dasselbe eroberte. Am 12. März
924 erstürmten die Ungarn die Stadt und zerstörten
sie völlig. Kaiser Otto I. ließ sich hier 951 zum lom-
bard. König krönen. Ein Brand während eines
mißglückten Aufstandes gegen den eben gekrönten
Heinrich II. zerstörte im Mai 1004 die Stadt. Mit
Mailand hatte P. namentlich 1059 heftige Kämpfe
zu bestehen; in den ghibellinisch-guelfischen Streitig-
keiten schloß es sich meist an die Partei der deutschen
Kaiser an. 1315 kam P. an die Visconti von Mai-
land. Kirchenversammlungen fanden zu P. 1081,
1160 und 1423 statt; Kaiser Ludwig der Bayer
1525 bei Certosa von Karls V. General Lannoy ge-
schlagen und nebst Heinrich II. von Navarra gefan-
gen. Die Rache dafür war im Aug. 1527 eine acht-
tägige Plünderung durch Marschall Lautrec. Mit
Mailand kam es 1714 an Österreich. 1796 brach ein
Aufstand aus, infolgedessen die Stadt von den Fran-
zosen erstürmt wurde. Nach dem blutigen Aufrubr
vom 20. März 1848 zogen die Österreicher ab und
sardin. Freischaren ein. P. wurde 1859 mit der
Lombardei von Osterreich an Frankreich und von
diesem an Sardinien abgetreten.
Pavian (^nocspIialuZ), eine natürliche und
sehr charakteristische Affengattung der Alten Welt,
ist durch die sehr verlängerte Schnauze, ihre hunds-
ähnliche Physiognomie, große Gesäßschwielen, ihr
fürchterliches Gebiß mit sehr großen und starken
Eckzähnen und ihre Wildheit ausgezeichnet. Die
P. sind stark und grimmig, die wildesten und
brutalsten unter allen Affen. Sie leben vorzugs-
weife in felsigen und gebirgigen Gegenden, klet-
tern nicht auf Bäumen, nähren sich von Früchten,
Körnern, Wurzeln und Infekten und pflegen ihre
Nahrung in den geräumigen Backentaschen fortzu-
tragen. Mit Ausnahme des fchwarzen P. (OMo-
o6pka1u3 ni^er .vesm.) auf Celebes gehören sie
sämtlich Afrika an. Iu ihnen gehört der Man-
drill (s.d.; Abbildung des Kopfes f. Tafel: Affen
der Alten Welt IV, Fig. 3); der Drill (0M0e6-
pkll.1u8 i6uc0p^H6U8 ^)esm.), welcher dem Mandrill
ziemlich ähnlich ist, aber ein glänzendschwarzes
Gesicht hat; der Babuin ((^uoceplialuZ Nklniw
Desm.), der Bärenpavian (^Moo6p1i9iu8 por-
cariu3 ^esm.), der Mantelpavian (()M0-
ckpüaluZ HaiiiHäi'^8 ^)esm., s. Taf. II, Fig. 1)
und der Mannsgröße erreichende Dschelada
((^noceii1iHw8 Zkilläg, H^F>.) aus den Gebirgs-
gegenden von Abessimen u. s. w. Trotz ihrer Wild-
heit und Tücke lassen sich jung gefangene P., be-
sonders der Babuin, leicht zähmen und zuverschie-
! denen Kunststücken, auf Affentheatern u. s. w. ge-
brauchen. In den zoolog. Gärten bilden die P.
! die Hauptbesetzung der Affenhäufer, da sie, ein-
' mal eingewöhnt, jeder Witterung trotzen. Ein jun-
i ger Mantelpavian kostet etwa 36 M., ein ausge-
wachsenes Männchen derselben Art 500 M., ein
völlig ausgebildeter Mandrill sogar bis 2000 M.
Pavian, s. Roßkastanie.
Pavillon (frz., fpr. -wijöng), Zelt oder ein mit
einem Zeltdach versehenes Lusthaus. Später nannte
man P. auch in der Form ähnliche Teile größerer
Gebäude, besonders wenn sie in der Mitte oder an
den Ecken größerer Flügel angebracht und mit be-
sonderm zeltartigem Dach versehen sind, wie diese
namentlich in den Stilen des 17. und 18. Jahrh,
vorkommen. - P. heißt auch der obere Teil eines
Brillanten (s. d. und Edelstemschleiferei).
Pavillonkaserne, s. Kaserne.
?2.vi11ons noirs (frz., spr. -wijöng nöar), s.
Schwarze Flaggen.
Pavillonfystem, s. Krankenhaus.
?2.viiNVNtuln (lat.), buntes Pflaster der Fuß-
böden, Mosaikfußboden. Mol. Himmels.
?a.vo (lat.), der Pfau; auch ein Sternbild des
Pavöa de Varzim, s. Povoa de Varzim.
Pavor und Pallor, Personifikationen von
Schrecken und Furcht, hatten in Rom der Sage nach
schon durch Tullus Hostilius eigene Heiligtümer
erhalten. Sie sollten Schrecken und Furcht im Heere
der Feinde verbreiten.
Pavullo nel Frignano (spr. frinjahno), Stadt
und Kreis (63970 E.) in der ital. Provinz Modena,
682 m ü. d. M., bat (1881) 10119 E., einen ehe-
mals der Familie Este gehörigen Palast, ein Gym-
nasium und Glasfabritation.
Pawlodar. 1) Kreis im nördl. Teil des russ.-
centralasiat. Gebietes Eemipalatinsk, im Gebiet des
Irtysch, hat 106714,3 qkui, darunter 3150,i ykm
Seen, 122389 E., Russen und Kirgisen; Viehzucht.
- 2) Kreisstadt im Kreis P., rechts am Irtysch,
hat (1893) 5599 E., Post und Telegraph.