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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Peilscheibe - Peiraieus
dorthin gezogene Linie mit dem magnetischen Norden
macht. Kann man gleichzeitig zwei solche Landmarken,
deren Lage durch die Seekarte gegeben ist, peilen,
so erhält man die sog. Kreuzpeilung, und das
Schiff befindet sich im Durchschnittspunkte der bei-
den Richtungen, so daß sein Ort durch Ausziehen
der Nichtungslinien in der Seekarte direkt gefunden
wird. Sieht man zwei Landmarken (s.d.) oder See-
zeichen (s. d.) gedeckt, "in Eins", wodurch eine auf
der Karte zu bestimmende Richtung angegeben wird,
so nennt man dies eine Deckpeilung. Anker-
peiln ng ist die Peilung (gewohnlich eine Kreuz-
peilung), die den Ankerplatz des Schiffs bestimmt.
Peilkompah heißt der durch einen Aufsatz mit
Visier und Fadenkrenz besonders zum P. her-
gerichtete Kompaß. Mit derPeilst ange mißt man
nur geringe Tiefen; mit dem Peilstocke, einem
eisernen, etwa 0,5 in langen, in Centimeter geteilten
Stäbe, den man an einer Leine in die Pumpen oder
Lenzrohre fallen läßt, den Wafserstand im Innern
der Schiffe. - Zur Aufnahme von Stromprofilen
bedient man sich eines Peilstabes, einer Peil-
leine oder auch des Peilrahmens, d.h. wage-
rechter Stangen, die mittels zweier an den Enden
befestigter lotrechter Stangen im Wasser durch zwei
Boote vorwärts bewegt werden. Kleinere Uneben-
heiten der Sohle, Fels spitzen u. s. w. verraten sich
durch Anstoßen und Schrägstellen des Peilrahmens.
Bei den selbsttbätigen Peilvorrichtungen werden die
verschiedenen Tiefen, über welche das Boot hinweg-
fährt, graphisch aufgezeichnet.
Peilscheibe, ein in 360 Grade oder 32 Striche
szu je 11^4 Grad) geteilte Metallscheibe, die einen
Diopteraufsatz trägt. Diese Diopter dienen zum
Peilen (s. d.), also Einvisieren von Gegenständen,
wobei die Stellung des Aufsatzes zur Teilung ab-
gelesen wird und somit Winkelmeffungen zwischen
verschiedenen Objekten ausgeführt werden können.
Die P. der Azimutkompasfe (f. Kompaß) haben nur
am Rande eine Metallteilung, innerhalb derselben
eine Glasscheibe, damit die Kompaßrose und ihre
Stellung zur P. sichtbar ist.
Peilung, s. Peilen.
Peiue. 1) Kreisimpreuß.Reg.-Vez.Hildesheim,
hat 385,23 ykm und 1890: 37150, 1895:40 973
(20 921 männl., 20052 weibl.) E., 1 Stadt, 55 Land-
gemeinden, 7 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis
P., an der Fuse, der Linie Zannover-Braunschweig
der Prcuß. Staatsbahnen und der Nebenlinie P.-
Lengede (17,? km) der P.-Ilseder Bahn, Sitz des
Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Hildesheim), Steuer- und Katasteramtes, hatte 1890:
10105, 1895: 12595 (6593 männl., 6002 weibl.)
E., darunter 2150 Katholiken und 170 Israeliten,
Postamt erster Klasse, Telegrapb, evang. und kath.
Kirche, Realschule, höhere Stadtschule, landwirtschaft-
liche Winter-, Handelsschule, Sparkassen, Gasanstalt,
Wasserleitung; bedeutendes Eisenwalzwerk, Eisen-
gießerei, Fabrikation von Zucker, Möbeln, Iute-
artikeln, Malz, Kunstdünger und Sprit, Braue-
reien, Torfstich, Kram- und Viehmärkte. P. verdankt
seine Entstehung einer im 9. Jahrh, erbauten Burg
Peina, bis zu Ende des 13. Jahrh. Sitz eines
Grafengeschlechts, und gehörte seitdem bis 1803 zum
Bistum Hildesheim, dessen Zauptfeste es war. -
Vgl. Koch, Geschichte der Dynastie, des Amtes, der
^tadt, Burg und Festung Peina (Peine 1850).
Peinliche Befragung, im ältern Inquisitions-
prozeß der Teil des Verhörs des Angeschuldigten,
welcher die eigentliche Inquisition desselben über
die Verübung des ihm schuld gegebenen Ver-
brechens enthielt. Dann bezeichnete man damit auch
beim Hochnotpeinlichen Halsgericht (s. Halsgericht)
die zum letztenmal wiederholte Frage an den Ver-
brecher, ob er sein Verbrechen nochmals zugestehe,
nach deren Bejahung dann der Stab über ihn ge-
brochen und er selbst dem Scharfrichter übergeben
wurde. Endlich wurde auch die Tortur (s. d.) bis-
weilen damit bezeichnet. ftarkeit.
Peinliche Gerichtsbarkeit, s. Strafgerichts-
Peinliche Gerichtsordnung, s. (^rolina.
Peinlicher Prozeß, s. Strafprozeß.
Peinliches Recht, s. Strafrecht.
?vintrs-Fra.vsnr (frz., spr. pängtr grawöhr),
s. Maler-Radierer. Mang), s. ^usain.
?sintnrs a.n klisain (frz., spr. pängtühr 0
?sinturs inats (frz., spr. pängtühr mat), vom
belg. Maler Wiertz erfundene Technik der Malerei
mit Terpentinfarben auf ungrundierter Leinwand.
Peipusfee, russ. ^8eKuä8kH6 086^0 (d. i. See
der Tschuden), See zwischen den russ. Gouverne-
ments Petersburg, Esthland, Livland und Pskow,
30 m über der Ostsee, 75 km lang, bis 53 km breit,
hängt im S. durch eine 26,7 km lange Seeenge mit
dem 42,2 km langen und 40,5 km breiten Pskower
See zusammen und bedeckt mit diesem einen Flächen-
raum von 3513 likm. Die Ufer sind meist hoch.
Die Tiefe beträgt 15 m. Von den Inseln (29,7 ^km)
ist die größte Porka. Der P. flieht im NO. durch
die Narowa in den Finnischen Meerbusen ab. Im
W. ist er durch den Embach mit dem Wirz-järw
verbunden. In den Pskower See mündet die We-
likaja, an der die Stadt Pskow liegt. Der P. ist
sehr fischreich und hat lebhafte Schiffahrt. Schon
zur Zeit der .Hansa war er der Hauptwasserweg zwi-
schen den Ostseehäfen und dem Innern Rußlands.
Peiraieus (altgrch.; lat. Piräus), .Hafenstadt
von Atben, 7 km südwestlich von der Hauptstadt, im
griech. Nomos Attika-Vöotia, an einer vortrefflichen
Hafenbucht, welche durch die 86 m hohe Halbinsel
von Munychia von dem Busen von Phaleron des
Saronischen Golfs gefchieden wird. Auf der Südost-
seite dieser Halbinsel liegen die kleinern Buchten von
Zea und Munychia; auf der Halbinfel selbst breitete
sich die von Themistokles gegründete, durch Sulla
86 v. Chr. zerstörte Hafenstadt aus. Im Mittelalter
verödete der Platz. Erst 1835 entstand an der von
den Italienern Porto-Üeone genannten Bucht eine
neue Stadt unter dem alten Namen (nach neugriech.
Aussprache?iiÄ6v8), die sich zum zweiten Zafenplatz
Griechenlands aufgeschwungen hat. P. zählt (1889)
34327 (als Gemeinde 34569) E., hat moderne Stra-
ßen, Gymnasium, viele Reste antiker Bauten, Börse,
Theater, Pferdebahn, Dampftrambahn nach dem
Badeort Neu-Phaleron, Eisenbahn nach Athen
(10 km) und nach dem Peloponnes (zwei Bahnhöfe).
Die Einfuhr betrug 1895: 56 Mill. Frs., hauptsäch-
lich Getreide, Holz, Zucker, Häute, Droguen, Papier,
Eisenwaren und Flaschen. Die Ausfuhr (Tabak,
Wein) ist wenig bedeutend (9 Mill. Frs.). Die eigene
Industrie erstreckt sich auf Weberei (Schirting), Spin-
nerei, Dampfmühlenbetriebe (13), Cognac- und
Liqueurfabrikation, Seifenfabrikation, Maccaroni-
fabritation, Gerberei und Schiffbau. Neue Piers
und ein Quai in Zea fowie ein Dock in Kanthara
sind im Bau. Außer griech. Schiffen liefen 999 fremde
Dampfer und 96 Segler ein. P. ist Sitz eines deut-
schen und österr.-ungar. Konsulats.