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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Perlen (in der Jägersprache) - Perlgras

die innere oder Perlmutterschicht der Schale bildet (s. Weichtiere). Ihre Bildung wird meist durch äußere Zufälligkeiten, Verletzungen des Mantels des Tiers, Eindringen fremder Körper (Sandkörnchen, Eingeweidewürmer u.s.w.), veranlaßt und kann deshalb auch künstlich hervorgerufen werden, was bei uns noch nicht hat gelingen wollen, von den Chinesen aber, die u.a. kleine bleierne Götzenbildchen einführen, um sie mit Perlmutter überziehen zu lassen, vielfach geübt wird. Die Flußperlen (z. B. in der Elster im sächs. Vogtland) erreichen nur selten die Größe und den Wert der orient. oder Meerperlen. Letztere werden besonders im Persischen Golf, in den ind. Meeren, um Ceylon, Java, Sumatra, Japan, im Stillen Ocean bis zu den Fidschi-Inseln, sowie an den Küsten von Meriko in beiden Oceanen, neuerdings auch an einigen Südseeinseln gefischt. Das Geschäft, die Perlenmuschel aus der Tiefe heraufzuholen, ist eins der gefahrvollsten und wird durch besondere Taucher (Perlenfischer) betrieben. Erleichtert wird die Perlenfischerei durch die Taucherglocke (s. d.). Die gefischt n Perlenmuscheln schlägt man in Fässer und läßt sie verfaulen, wobei sie sich von selbst öffnen. Bei weitem nicht in allen Muscheln finden sich P.; in denjenigen, welche P. enthalten, finden sich deren gewöhnlich 8 bis 12. Sind sie getrocknet, so läßt man sie durch neun immer feinere Siebe gehen, und so sortiert kommen sie dann in den Handel. Die Schönheit und der Preis der P. ist bedingt durch ihre Größe, vollkommen runde Form, feine Glätte und ihren hell durchsichtigen Glanz. Äußerst selten erreichen sie die Größe einer kleinen Walnuß. Die Kirschperlen, von der Größe einer Kirsche, werden zwar häufiger gefunden, sind aber immer noch sehr teuer. Außerdem unterscheidet man runde, birnförmige, zwiebelförmige und Baroqueperlen, d. i. übel geformte. Die größten heißen Zahlperlen, die kleinern Lotperlen, die kleinsten Staubperlen. In Europa werden die P. von weißem Wasser am meisten gesucht: die Indier und Araber dagegen ziehen die von gelbem Wasser vor. Einige haben eine Bleifarbe, andere fallen ins Schwarze, noch andere sind ganz schwarz. Schon im Altertum waren die P. Gegenstand des Luxus. Die größte Perle, etwa 1 1/2 Mill. M. wert, soll Kleopatra bei einem Gastmahle in Weinessig aufgelöst und auf die Gesundheit des Antonius getrunken haben. Eine andere berühmte Perle, La peregrina genannt, die Philipp II. von Spanien überreicht wurde, war oval, von der Größe eines Taubeneies und auf 80000 Dukaten geschätzt. P. haben nie den innern Wert der Edelsteine, da sie der Verwitterung ausgesetzt sind, ihren Glanz und ihre Schönheit einbüßen und nach und nach zerfallen. Die Ausfuhr von P. aus den Bahrain-Inseln und Uferstaaten des Persischen Golfs hatte 1889 einen Wert von 6 Mill. M., die von Mexiko 85000 Doll. Die Hauptplätze für den Handel mit P. sind London, Paris und Amsterdam. Den P. ähnliche, im Ostindischen Archipel sehr geschätzte Produkte finden sich bisweilen in den Kokosnüssen. - Vgl. Möbius, Die echten P. (im 4. Bd. der "Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins", Hamb. 1858); Th. von Heßing, Die Perlenmuscheln und ihre P. (Lpz. 1859).

Die künstlichen P., die teils den echten täuschend ähnlich sind, teils mit denselben nur die Form gemeinsam haben, werden aus verschiedenen Stoffen hergestellt. Die Darstellung der als Schmuck getragenen unechten P. hat namentlich in Paris,Wien, Venedig, Florenz und Rom sowie in Böhmen eine hohe Vollkommenheit erreicht. Dieselben bestehen meist aus absichtlich etwas unregelmäßig geblasenen Hohlkügelchen von dünnem weißem Glas, die man, nachdem sie durchgebohrt sind, auf ihrer innern Oberfläche durch Saugen mit Perlenessenz (s. Fischschuppen) überzieht und dann mit Wachs ausgießt. Die sog. römischen P. bestehen aus Alabasterkügelchen, die erst mit Wachs, dann mit Perlenessenz getränkt sind; sie verlieren ihr schönes Ansehen beim Tragen. Zu Stickereien sowie zu manchen Arten von Strick- und Häkelarbeiten verwendet man außer den kleinen Glasperlen (s. d.) Stahlperlen, aus Stahl-oder Eisenblech, Goldperlen und Silberperlen, aus vergoldetem oder versilbertem Messing oder Tombak (Blech oder Draht) erzeugt. Ferner giebt es P. aus Bernstein (s. Bernsteinindustrie), Steinnuß, Korallen, Wachs u.s.w.; die sog. türkischen Rosenperlen werden aus verschiedenen künstlichen Massen verfertigt, denen eine in Rosenöl abgeriebene Farbe zugesetzt wird. Die P. aller Art werden mit einer durchgehenden Bohrung versehen, um sie an Fäden aufreihen zu können und so zu Büscheln vereinigt in den Handel gebracht.

Perlen, in der Jägersprache die kleinen Erhabenheiten am Geweih (s. d.) oder Gehörn, die namentlich an der Rose (s. d.) schön ausgebildet sind.

Perlenessenz, s. Fischschuppen und Perlen.

Perlenfischerei, s. Perlen.

Perlengewebe, s. Perlenstickerei.

Perleninseln. 1) P.(Islas de las Perlas), Inselgruppe im Golf von Panama des Großen Oceans, umfaßt zwei größere, Rey oder San Miguel und San José, sowie 15 kleine Inseln, gehört zum columbischen Departamento Panama und hat Perlenfischerei. - 2) P. (Cayos de Perlas, engl. Pearl Cays, ein kleiner Archipel an der Mosquitoküste des Karibischen Meers, vor dem Strandsee Laguna de las Perlas. - 3) P., soviel wie Tuamotu-Inseln, s. Tuamotu.

Perlenmaß, ein aus verschiedenmaschigen Sieben zusammengesetztes Gerät, auf welches die echten Perlen geschüttet werden, um sie zu sortieren.

Perlenpunzen, s. Punzen.

Perlenschnur, Perlenstab (architektonisch), s. Atragalus.

Perlenstickerei, eine Zierarbeit, bei welcher Perlen nach einem Muster auf ein Gewebe genäht werden. Nachahmungen der P. werden auf Hand- webstühlen dadurch hergestellt, daß Schußfäden, auf denen Perlen in einer dem wiederzugebenden Muster entsprechenden Reihenfolge aufgereiht sind, mittels eines linealartigen Hilfswerkzeugs (des Transporteurs) in das offene Fach eingetragen und dann durch mehrere aufeinanderfolgende glatte Schußfäden eingebunden werden. Wird hierbei die Perlenreihung so gewählt, daß die auf dem Webstuhl entstehenden Musterfiguren schräg zur Kettenrichtung stehen, wie dies zuerst von Schneider in Buchholz bei Annaberg ausgeführt wurde, so gleicht das fertige Perlen g e w e b e der P. im Ansehen vollständig.- Vgl. H. Fischer, Technolog. Studien im sächs. Erzgebirge (Lpz. 1878).

Perlfarbe, s. Bernsteinindustrie.

Perlgeschwulst, s. Cholesteatom.

Perlglimmer, Mineral, s. Kalkglimmer.

Perlgras, s. Melica.