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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Peruanische Altertümer
sitzenden Indianers zu geben suchte, weshalb man
lücht selten dem Ballen einen aus Kissen verfertigten
salschen Kopf aussetzte ls. Tafel: Amerikanische
Altertümer II, Fig. 13 u. 14). Die so Hergestell- ^
ten Mumien wurden auf dem Hochlande, wenn es ^
sich um die Leichen von Vornehmen handelte, in ^
ihren Häusern oder in besondern aus solidem Mauer- !
werk aufgeführten Grabtürmen oder in vertieften, ^
aus Steinen oder Luftziegeln erbauten Gräbern
beigesetzt. Im Küstenlande findet man die Leichen
teils in Massengräbern, teils einzeln unter dem
Sande vergraben, teils in nischenartigen Vertiefun-
gen unter der schützenden Decke einer widerstands-
fähigem Kiesschicht, oder unter einem leichten Dach
aus Matten und Nohrstäben, oder endlich auch unter
großen Thongefäßen. Neben den Toten findet man
bei den Männern Waffen, Werkzeuge und Schmuck-
gegenstände, bei den Frauen Spindel, Webegerät
und Arbeitskästchen, bei den Kindern Spielzeug
ls. Taf. II, Fig. 18) und die Leichen kleiner Tiere, die
vermutlich im Leben ihre Spielgenossen waren.
Außerdem Gefäße für Mais und Chicka; ferner in
den Sand gesteckt standartenartige Ehrenzeichen,
auf spitze Stücke aufgesteckte Thongefäße, mit bun-
ten Wollfäden übersponnene Schilfrohrstäbchen
ls. Taf. II, Fig. 11 u. 12) und Grabtäfelchen, die aus
einem über Schilfrohrstäbchen gespannten Stück Zeug
bestehen, mit einer in blauen und roten Strichen ge-
zeichneten menschlichen Figur oder andern seltsamen
Symbolen (s. Taf. II, Fig. 15).
Einen hervorragenden Platz unter den P. A.
nehmen sowohl durch ihre Menge wie durch ibre
Eigenart die keramischen Erzeugnisse ein. Der größte
Teil derselben, fast drei Viertel sämtlicher in den
Sammlungen vorhandenen Gefäße, stammt aus
dem Küstenlande. Sie sind meist stark bauchig in
der Form, oft mit doppeltem Ausguß, oder mit einer
Kombination von Henkel und Ausguß in Gestalt
eines auf ein einfaches oder doppeltes Gefäß (s. nack-
stehende Fig. 1 und Taf. II, Fig. 21) aufgesetzten
großer Bedeutung sind (s. Taf. II, Fig. 22). Roher
sind die Figurengefäße von Ancon und Chancay.
Letztere sind aus weißlichem Thon gefertigt, mit
brauner Strichbemalung, die eine Tättowierung zu
imitieren sckeint. Einen besondern Typus bilden die
Gefäße von Necuay im Departamento Huaraz. Sie
bringen auf der obern Seite des Gefäßes ganze
Scenen in kleinen Statuetten aus Thon zur Dar-
stellung. Die Gefäße, die aus dem Hochlande, aus
i^uito und weiter südlich von Cuzco, Puno und vom
Titicaca stammen, stellen zum Teil auch Tierfiguren
< Puma, Lama) oder Menschenfiguren dar. Besonders
charakteristisch sind aber flaschenartige Gefäße von
! oft gewaltigen Dimensionen (s. Taf. II, Fig. 23 und
! nachstehende Fig. 3), die in eigentümlichen Mustern
und in einer Weise, die etwas an die Bemalung co-
! lumbischer Gefäße erinnert (s. Chibcha), bemalt sind.
Neben den Thongefäßen sind Holzgefäße uno
Scbalen zu nennen, ebenfalls häufig schön bemalt
und ganze scenische Darstellungen zur Anschauung
" bringend. Ferner die Ohrpflöcke, die teils aus ge-
' branntem Thon, teils aus Holz gefertigt wurden
und meist durchbrochene Muster mit einer Tierfigur
in der Mitte zeigen (s. Taf. II, Fig. 17). Besondere
Beacktung verdienen auch die Metallarbeiten der
alten Peruaner. Viel gebraucht waren bronzene
Keulen und Bronzeärte. Erstere in Form eines
Morgensterns, die Keulen oft mit eigentümlichen
! Mustern in vertieftem Relief (s. nachstehende Fig. 4
! n. 5). Die Edelmetalle wurden teils zu Gefäßen,
! teils zu Figuren, teils zu Scbmucksachen verarbeitet.
! Die Gefäße babcn meist die Gestalt hoher Becker
! und zeigen häufig die Form eines Gesichts. Die
^ Figuren waren teils massiv gegossen. Zum Teil
Fig. 1.
F'ss. 2.
umgekehrten I'. Manche sind auch so angefertigt,
daß beim Einfüllen einer Flüssigkeit die Luft de^
Gefäßes mit pfeifendem Tone entweicht. Viele der
Gefäfte von Chimu (TruMo) sind aus einem fchwärz-
uchen ^bon gefertigt, und als Verzierung begegnet
man auf ihnen besonders häufig der Gestalt emes
Assen oder Menschen mit einem halbmondförmigen
Helmzierat (f. Taf. II, Fig. 20). Andere zeichnen
sich durch besondere Form aus, Früchte, Fische und
andere ^iere ls. vorstehende Fig.2) darstellend. Eine
wettere Gruppe von Gefäßen, von denen ebenfalls
^"^MM und ebenso in dem weiter südlich gelegenen
Ehimbote ausgezeichnete Stücke gefunden find, sind
m roter und weißer Farbe gemalt und stellen Tier-
Nguren (Eule, Fledermaus), Menschen in ganzer
^lgur oder Köpfe oder dämonische Gestalten dar
(1. ^af. II, Fig. 19). Andere Gefäße sind schön be-
malt. Ganze Kampfscenen werden dargestellt die
ebenso wie die Gefäße der vorerwähnten Gruppe
lur die Kenntnis von Tracht und Bewaffnung von
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 5.
aber bämmerte man auch das Metall über Formen
zu feinen Blättern und lötete nach Entfernung der-
selben die Fugen auf eine so kunstvolle Weise, das;
es oft nicht möglich ist, die Lötstelle zu entdecken.
Einen ganz hervorragenden Platz endlich nahm
bei den Peruanern die Textilindustrie ein, der in
der feinen Wolle des Lama, Alpaka und Vicuna
ein ganz vorzügliches Material zu Gebote stand.
Namentlich die Sammlungen der Herren Reiß und
Stübel, die sie bei ihren Ausgrabungen auf dem
^otenfelde von Ancon gewonnen haben, enthalten
eine Fülle der herrlichsten Gewebe. Man bewundert
die Feinheit des Fadens, die harmonische Abstim-
mung der Farben und die Eigenartigkeit der Or-
namente, die teils geometr. Figuren, teils eigen-
tümlich stilisierte Tier- (s. Taf. II, Fig. 10) und Men-