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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Petersburg (in Rußland)

Handwerker ist vorhanden. An Zeitungen erschienen in P. (1894) 232 russische, 7 deutsche (darunter die Tageblätter: "St. Petersburger Zeitung" und "St. Petersburger Herold), 4 französische ("Journal de St. Petersbourg", s. d.), 1 polnische ("Kraj"), 1 finnische und 1 althebräische. Von den russischen sind die wichtigsten die Tageblätter: "Prawitelstwennyj Wjestnik" (Regierungsbote), "Nowoje Wremja" (s. d.), "Nowosti", "Grashdanin" (s. d.), die Wochenschriften: "Wsemirnaja Illjustrazija", "Niwa" und die Monatsschrift "Europäischer Bote" (s. d.). P. hatte Ansang 1893: 144 Buchdruckereien, 50 Buch-, 23 Musikalienhandlungen, 35 Leihbibliotheken und 2 Volksbibliotheken. Eine Kunstanstalt ersten Ranges ist die kaiserl. Staatsdruckerei (besonders für Herstellung von Staats- und Wertpapieren).

Wohlthätigkeitsanstalten. In erster Reihe steht das Findelhaus (1772 gegründet), das jährlich gegen 9000 Kinder aufnimmt. Von den 47 Krankenhäusern sind bemerkenswert: das Obuchowsche Hospital (1784 errichtet; mit 1000 Betten), das Alexander-Hospital (400 Betten), das Marien-Krankenhaus (1803 gegründet; 540 Betten), das Kalinkin-Hospital (seit 1779; 600 Betten), das Maria-Magdalenen-Krankenhaus, das Peter-Pauls-Hospital, das Maximilians-Krankenhaus mit ambulanten Ärzten, das erste und zweite Hospital für die Landtruppen, das Deutsche Alexander-Hospital auf Wassiljewskij-Ostrow. Außerdem bestehen eine Augenheilanstalt, ein Taubstummeninstitut, ein Irrenhaus, mehrere Kinderkrankenhäuser, gegen 90 Armenhäuser, darunter das Witwen- und Armenhaus der luth. St. Annengemeinde, 38 Herbergen, 144 Asyle mit Einschluß der Kinderbewahranstalten, wohlthätige Gesellschaften, wie die Gesellschaft der Menschenfreunde u. a. Der Aufwand für solche Anstalten betrug (1893) 8 Mill. Rubel.

Verkehrswesen. Bei den großen Entfernungen innerhalb der Stadt blüht das Fuhrwesen. Es wurden gezählt 1892 gegen 13000 Droschken (Iswoschtschiks), 7000 Frachtfuhrwerke und zahlreiche Omnibuslinien. Drei Gesellschaften unterhalten 30 Pferde- und 2 Dampfstraßenbahnen, die 1893: 57 Mill. Passagiere beförderten. Daneben sind thätig Flußkähne und 9 Dampferlinien innerhalb der Stadt, sowie solche nach Peterhof, Kronstadt, Schlüsselburg, Lachta, Strjelna. Weitere Dampfschiffahrtsverbindungen gehen über Reval nach Lübeck und über Helsingfors nach Stockholm. In 6 Bahnhöfen münden ein: im S. die Eisenbahnen P.-Moskau (die Nikolaj-Bahn; 644 km), P.-Zarskoje-Selo-Pawlowsk (27), P.-Warschau (1119), P.-Reval (370) und P.-Peterhof-Oranienbaum (39), letztere beiden die Balt. Eisenbahn bildend; im NO. die Eisenbahn P.-Helsingfors (441), und im O. die Schmalspurbahn Ochta-Irinowka (35 km). Durch den Seekanal zwischen P. und Kronstadt (s. d.) ist auch Seeschiffen der Zugang nach P. möglich gemacht; der Kanal führt im SW. der Stadt durch die Kanonier-Insel zur Mündung der Großen Newa. Am Ende des Kanals ist eine große Hafenanlage (700 m lang, 200 m breit) zum Teil noch im Bau begriffen. Fertig ist ein großer Getreideelevator mit 6 Türmen, der 21300 t faßt, ferner Schienenstränge (15 km) der Nikolaj-Bahn, welche den Hafen mit den südl. Bahnhöfen und mit dem Newa-Hafen Kalaschnikow im O. der Stadt verbinden. Der Galeerenhafen findet sich nordwestlich an der Mündung der Großen Newa, im westl. Teil von Wassiljewskij-Ostrow. P. hat 1 Haupt-, 12 Nebenpostämter und 15 Filialen, ferner 1 Haupttelegraphenamt und 44 Nebenämter, wovon 9 zugleich Postdienst verrichten. Der Telephonverkehr hat 4 Vermittlungsstellen, 3918 Teilnehmer in der Stadt, 50 außerhalb der Stadt und Verbindung mit Zarskoje-Selo und Pawlowsk und Strjelna.

Industrie und Handel. P. ist eine der wichtigsten Fabrikstädte Rußlands. Es hatte Anfang 1893: 514 Privatfabriken mit 77426 Arbeitern und 151,7 Mill. Rubel Produktion. Am wichtigsten sind die Baumwollfabriken (26 mit 29,5 Mill. Rubel Produktion) und die Eisengießereien und Maschinenfabriken (113 mit 40,4 Mill. Rubel Produktion), darunter in der Nähe die Obuchowschen und die Putilowschen Eisenhüttenwerke; ferner 17 Wollwaren-, 26 Papier- und Kartonnage-, 27 chemische, 14 Tabak-, 29 Leder-, 7 Glasfabriken u. a. Dazu die großartigen kaiserl. Glas- und Porzellanfabriken und die kaiserl. Maschinenfabrik in Alexandrowsk. Im Großhandel sind gegen 12000 Firmen thätig mit einem Umsatz von 1785 Mill. Rubel. Die Getreidezufuhr aus dem Innern Rußlands hat abgenommen von (1888) 77,7 auf (1892) 34,6 Mill. Pud. 1890 wurden aus dem Innern Rußlands eingeführt 271 Mill. Pud Waren, darunter Brennholz (92), Bauholz (45), Getreide (58), Lehm und Kalk (29 Mill. Pud); ausgeführt 35 Mill. Pud, worunter am stärksten Steinkohle und Torf (5) sowie Chemikalien und Droguen (3 Mill. Pud) vertreten sind. Der Verkehr mit dem Auslande (außer Finland) zeigt 1891 eine Einfuhr von 78 Mill. Pud im Werte von 70 Mill. Rubel, darunter hauptsächlich Steinkohle (58), Farben und Droguen (2,9), Gußeisen (2,7), Baumwolle (1,1 Mill. Pud); eine Ausfuhr von 44,2 Mill. Pud im Werte von 53,3 Mill. Rubel, darunter Getreide (28,1), Sämereien und Trester (5), Flachs (1,6 Mill. Pud), Spiritus, Eier (94 Mill. Stück). Aus Finland wurden eingeführt 7,2 Mill. Pud im Werte von 1,7 Mill. Rubel; ausgeführt 6,3 Mill. Pud im Werte von 14,2 Mill. Rubel. In den Flüssen und Kanälen P.s wurden ausgeladen (1892) 13 857 Fahrzeuge und beladen (1883) 3896, (1888) 820, (1892) 640 Fahrzeuge. Dem Handel dienen die Fondsbörse, die Getreidebörse (13. [1.] Okt. 1894 eröffnet), der Kaufhof (Gostinnyj Dwor), die Markthallen auf dem Sjennaja-Platz. An Kreditinstituten sind vorhanden die Kaiserliche Bank (s. Reichsbank, Russische), die Adelsbank, die Bauernbank, 9 Kommerzbanken und 2 Filialen solcher von auswärts, 2 Länderbanken, 3 Kreditgesellschaften. Außer durch Botschafter oder Gesandte sind die meisten Staaten auch durch Generalkonsuln oder Konsuln (Deutschland, Österreich-Ungarn, Schweiz) in P. vertreten. Über die Bedeutung P.s für den russ. Buchhandel s. Buchhandel (Bd. 3, S. 673 a).

Umgebung. Prachtvolle Landhäuser für den Sommeraufenthalt finden sich in nächster Nähe, namentlich auf Kamennyj-Ostrow, auf Krestowskij, der Apothekerinsel und in den umliegenden Dörfern. Weiter entfernt sind Zarskoje-Selo, Pawlowsk, Strjelna, Peterhof, Oranienbaum, Gatschina, im N. Schuwalowo, Pargolowo, Toksowo mit der sog. St. Petersburger Schweiz u. a.

Geschichte. P. wurde 1703 von Peter d. Gr. gegründet, und zwar auf einem Gebiet, das kurz zuvor den Schweden entrissen worden war. Anfangs sollte nur eine Festung (ursprünglich mit holländ.