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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pfandschein - Pfarrer
geschäst bestellt ist, oder endlich das durch Pfändung
entstehende P. Das letztere entsteht durch Pfän-
dung im Zwangsvollstreckungsverfahren, durch
Vollstreckung eines Arrestes oder einer einstweili-
gen Versügung nach §§. 709, 810, 815 der Deut-
schen Civilprozehordnung oder durch Beschlagnahme
wegen öffentlicher Abgaben (Konkursordn. §. 41,
Nr. 1). Gesetzliche P. sind eingeräumt dem Ver-
mieter (s. Miete), den VerPächtern (s. Pacht), den
Gastwirten u. s. w. (Konkursordn. §. 41, Nr. 5-7),
dem Kommissionär (s. Kommission), dem Spediteur
<s. Spedition), dem Frachtführer (s. Frachtvertrag),
dem Vodmereigläubiger und andern Schiffsgläubi-
gcrn u. s. w. Hat der Pfandgeber die Schuld bezahlt
oder hat sie ein Dritter für ihn bezahlt, so bat er
aus dem Pfandvertrage gegen den Faustpfand-
gläubiger die Klage auf Rückgabe der Sachen und
Erstattung des durch Verschuldung des Gläubigers
etwa entstandenen Schadens. Bei andern P. ent-
steht durch die Zahlung der Anspruch auf Freigabe
des Pfandes, Abtretung der Hypothek oder Grund-
schuld oder Löschungsbewilligung. Vei Forderungs-
pfandrechtcn ist der Weg zum Geld regelmähig uicht,
wie bei dem Sachpfandrecht, der Verkauf, sondern
zunächst die Ausübung des Rechts, insbesondere
die Einziehung der verpfändeten Forderung, über
den Verkauf des Pfandstückes bei Hypotheken s. Sub-
bastation, bei Faustpfändern s. Faustpfand. - Vgl.
Sintcnis, Handbuch des gemeinen P. (Halle 1836);
Schmidt, Grundsätze des gemeinen P. (Bresl. 1840);
Dernburg, Pfandrecht (2 Bde., Lpz. 1864); von Mei-
bom, Pfandrecht (Marb. 1867); Weisl, Deutscbes
P. bis zur Rezeption des röm. Rechts (Wien 1881).
Pfandschein, schriftliche Anerkennung des Em-
pfängers eines Pfandes (s. d.), allgemein üblich im
Falle der Verpfändung bei Leihhäusern, Versatz-
ämtern, Pfandleihern (s. Lombard, Lombardgeschäft
und Pfandleih- und Rückkaufsgeschüfte).
Pfändung, die Ergreifung fremder Sachen in
der Absicht, sich dadurch seiu Eigentum, seinen Besitz-
stand oder andere Gerechtsame, die man verlieren
könnte, zu erhalten, oder einen schnellen und sichern
Ersatz des aus irgend eine Art erlittenen Schadens
zu verschaffen. Man unterscheidet P. im Wege des
gerichtlichen Zwangsvollstreckung^- und Arrestver-
fahrens (f. Zwangsvollstreckung) und Privatpfän-
dung. Letztere wird nach deutschem Recht dem
Eigentümer eines Grundstücks gestattet, welcher
schadenstiftende Personen oder Tiere betrifft, um
sich Beweis und Schadenersatz dadurch zu sichern,
daß er der Person Sachen abnimmt, die Tiere in
seinen Stall bringt. Die Gründe für Gestattung der
Privatpfändung liegen auf agrarpolitischem Ge-
biete; den Land- und Forstwirten soll ein leicht be-
reiter Schutz gewährt werden. Oft ist der geltend
zu machende Schadenanspruch bei Verletzungen der
feld- und forstpolizeilichen Vorschriften, insbeson-
dere dem Betreten von Culturen, gesetzlich auf einen
bestimmten, keines weitern Nachweises bedürfenden
Betrag (Pfandgeld) festgesetzt. Vgl. Preusi. Feld- und
Forstpolizeigesetz von: 1. April 1880, ßß. 77 fg.;
Sächs. Bürgert. Gesetzb. ߧ. 488-494; Bayrisches
Landr. II, 6, §. 24, Nr. 7, und zahlreiche forft- und
feldpolizeiliche Vorschriften der deutfchen Staaten.
Pfandverkauf, f. Faustpfand und Subhastation.
Pfandvcrtrag, der Vertrag, mittels dessen der
Schuldner oder ein Dritter dem Gläubiger zu dessen
Sicherung wegen seiner Forderung ein Pfand (f. d.
und Faustpfand) giebt oder ein Pfandrecht (s. d.) an
einem, einer beweglichen Sache gleichgestellten Rechte
bestellt. Unter P.' versteht man bisweilen auch den
Verpfändungsv ertrag, d.h. das Versprechen,
dem Gläubiger an einem genannten Gegenstände
wegen einer bezeichneten Forderung ein Pfandrecht
oder eine Hypothek zu bestellen. Aus dem Verpfän-
dungsvertrage kann auf Erfüllung geklagt werden.
Pfanne, im allgemeinen jedes mehr flache als
hohe Gcfäsi zum Sieden, Verdampfen, Schmelzen,
Rösten, Backen u. s. w.; außerdem soviel wie Zapfen-
lager einer Welle. Vei ältern Handfeuerwaffen (s.d.)
eine Vertiefung fürs Pulver.- In der Anatomie
ist P. (iic^taduiuni) die an der äuftern seitlichen
Wand des Beckens (s. d.) befindliche Gelenkgrubc,
welche den Kopf des Oberschenkelknochens aufnimmt.
Pfannengelenk, s. Gelenk.
Pfannenschmidt, Julie, Schriftstellerin, s.
Burow, Julie.
Pfannenstein, s. Hungerstein.
Pfänner, eine Klasse der Halloren (s. d.).
Pfannhorngruppe, s. Ostalpm v (Bd. 12,
S. 698d).
Pfannschmidt, Karl Gottfried, Historienmaler,
geb. 15. Sept. 1819 zu Mühlhausen in Thüringen,
bildete sich seit 1835 unter Däge und dann unter
Cornelius, später auf einer ital. Studienreife. Seit
seinem ersten Bild: König Friedrich Wilhelm III.
und Königin Luise legen ihre Kronen vor dem
Throne Christi nieder (Fresko in der Apsis des
Mausoleums von Charlottenburg), nur im religiösen
Gebiete thätig, schuf er in Fresko und in Altar-
bildern Das Abendmahl (Altarnische der Schlosi-
kapelle in Berlin), die Wandgemälde in der Schwe-
riner Schloßkirche, Die Auferstehung in der Marien-
kirche zu Barth in Pommern und verschiedene
Altarbilder in der St. Paulskirche zu Schwerin, in
der Gothardskirche zu Brandenburg, in der Vetha-
nienkirche zu Berlin und in der Friedenskirche zu
Bremen. Von seinen Zeichnungen, in welchen er
sich mehr Führich als Cornelius nähert, sind zu er-
wähnen: Wehen des Gerichts, Wcckstimmen, Leben
des Moses (gestochen von Ludy), Die klugen und
thörichten Jungfrauen (1877), Geschichte Daniels
^1878; Berliner Nationalgalerie). P. war Professor
und Mitglied der Akademie in Berlin und starb
5. Juli 1887 in Berlin als einer der letzten Ver-
treter der Cornelius-Overbeckschen Schule.
Pfarre, Amt, auch Amtswohnung eines Pfar-
rers (s. d.).
Pfarrei, der Amtsbezirk eines Pfarrers (s. d.).
Pfarrer (vom grch. paructiu8), derjenige Geist-
liche, der auf Grund ordnungsmäßiger Berufung
(f. Vokation) in einer Parochie (s. d.) selbständig
den öffentlichen Gottesdienst zu leiten und die Scel-
sorge zu üben hat. Wo mehrere Geistliche an einer
Kirche sind, ist gewöhnlich nur einer von ihnen P.
(bäufig mit dem Titel Oberpfarrcr), während
die andern als Diakonen oder Kapläue neben oder
unter ihm stehen. Jetzt erfolgt die Errichtung und
Veränderung von Pfarreien durch ein geordnetes
Zusammenwirken der Kirchen- und Staatsgewalt.
Die (Ernennung der P. erfolgt in der kath. Kirche
durch den Bischof, jedoch allenthalben in Deutsch-
land mit Einwirknng der Staatsgewalt, insofern
letztere wegen ungenügender Vorbildung oder wegen
bürgerlicher oder staatsbürgerlicher Bescholtenheit
Einspruch gegen die beabsichtigte Ernennung er-
heben kann. In der evang. Kirche erfolgt die Er-
nennung der P. durch das landeshnniche Kirchcw