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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pferd
mehr oder weniger zahlreich erscheinen. Man Pflegt
im allgemeinen zwei Hauptrafscn, die orienta-
lische und die occidcntalische, zu unterscheiden. Die
erstere findet sich in Asien und Afrika, besonders in
der gemäßigten Zone dieser Erdteile, namentlich in
Arabien, Persien, Turkestan und in den Küsten-
ländern des Mittelländischen Meers. Innerhalb
der orient. Hauptrasse (s. Tafel: Pferderassen,
Kg. 1) nimmt der Araber die erste Stelle ein.
Er ist ausgezeichnet durch feinen, aber sehnigen und
elastischen Van, zierliche, jedoch kräftige Glieder, klei-
nen, trocknen Kopf, große feurige Augen, dünne
Mähne und schlanken in die höhe gerichteten Hals,
hoch angesetzten und gut getragenen Schweif, besitzt
kaum mittlere Große und wird in Arabien selbst
mit großer Sorgfalt gezogen. Ihm nahe verwandt
sind die turkomanischen, persischen, tatarischen P.
sowie die Verberrasse Nordafrikas. Im Vereich der
occidentalischen (europ.) Hauptrasse ist die hervor-
ragendste die englische Vollblutrasse (Fig. 11).
Die Zucht des engl. Vollblutes begann unter Ja-
kob 1. durch Einführung arab. und später auch türk.
Hengste. Als Stammväter des engl. Vollblutes wer-
den drei Hengste angesehen, nämlich: Byerleys Turc,
Darleys Arabian und Godolphin. Engl. Vollblut ist
das Vorbild einer vollendeten Kunstrasse, an welcher
alles zu dem Zweck entwickelt ist, durch außerordent-
liche Geschwindigkeit auf der Neunbahn zu glänzen,
daher kleiner Kopf, langer, meist gestreckt getragener
Hals, tiefe Brust, oft hohe Gliedmahen, stark aus-
gebildetes Hinterteil, gut ausgeprägte Muskulatur
und breite, feste Sehnen. Wenn auch zuweilen die
Harmonie des Körperbaues dessen Zweckmäßigkeit
nachsteht, so überragt das engl. Vollblut deu Araber
sowohl an Größe als an Stärke, Leistung und Accli-
matisationsfähigkeit so bedeutend, daß es als Zucht-
material für die Bildung leistungsfähiger Reit- und
Wagenschläge nicht seinesgleichen hat.
Durch Kreuzung von Vollbluthengstcn mit Stu-
ten vom Uorkshirer Landschlag entsteht das eng-
lische Iagdpferd, der Huuter (Fig. 8), wel-
cher einen stärkern Körperban, aber Kopf und Hals
'ähnlich wie das Vollblut hat und größeres Gewicht
zu tragen vermag. Eine andere Abart des Vollblutes
ist der Anglonormannc (Fig. 2), welcher dnrch
aarung mit den starken, gut geformten franz. Stu-
en aus der Normandie entstanden ist und ein nicht
allzu schweres, aber kräftiges Gebrauchspferd ergiebt.
Unter Benutzung arab. wie engl. Blutes hat sich in
Ostpreußen in dem Trakehner (Fig. 10) eine kon-
stante Züchtungsrasse herausgebildet, die sich durch
wohlgeformten Kopf, schön angesetzten Hals, ge-
drungenen Leib mit geradem Nucken, länglich-runde
Kruppe, mäßig breite Brust, sehr kräftige Glied-
maßen, Schnelligkeit, Ausdauer und Genügsamkeit
auszeichnet und hauptsächlich als ausgezeichnetes
Soldaten- und Wagenpferd dient. Als Kutsch- und
schweres Kavalleriepferd geschätzt ist das Olden-
burger P. (Fig. 9), stark und mehr als mittelgroß,
mit gut aufgesetztem Hals, geradem Nucken, breiter
Brust und kräftigen Schenkeln. 'Ahnlich, nur etwas
edler, ist das hannoverische und Holsteiner P. In der
franz. Landschaft Perche (Depart. Eure-et-Loire uud
Orne) findet sich die in zwei Hauptarten, als mitt-
leres Reit- und Wagenpferd und als schweres Zug-
pserd vorkommende Nasse des Percherou (s. d.;
Fig. 3), meist Schimmel mit kleinem edlen Kopf,
seinem Mähnenhaar, hohem, meist gespaltencmKreuz,
kurzen Gliedmaßen. Schweres Zug- und Ackerpferd
ist das belgische oder Brabanter P. (Fig. 4),
mehr als mittelgroß, mit schwerem Kopf, starkem
Hals, breitem Rücken und gespaltener Kruppe, sowie
das norische, Pinzgauer und Ardenner P.,
letzteres ein starkes Gebirgspferd, von dem ein
größerer und ein kleinerer Schlag existiert. Das
uugarische P. (Fig. 6) ist kaum' mittlerer Größe,
bat schweren Kopf, etwas langen Leib, geradeö
Kreuz, kräftige trockne Gliedmaßen, ist ausdauernd
und für leichten Kavalleriedieust vortrefflich geeig-
net. In vielen derselben ist ein orient. Typus zu
erkennen. In neuerer Zeit sind dnrch Verwendung
voil arab.und engl.Zuchtmaterial veredelte Stämme
(namentlich in Mezöhegyes und Babolna) ausgebil-
det worden. Pferdcrassen von auffallender Kleinheit,
unter 140 cm groß, werden als Ponies bezeich-
net, solche finden sich hauptsächlich auf den Shet-
landsinseln (Fig. ?), in Schottland, Island, Nor-
wegen, Schweden (Fig. 5), auf Corsica u. s. w.,
und eignen sich für leichte Reiter, wie auch für uicht
zu schweres Fuhrwerk.
Die Deckhaare sowie Mähne, Schöpf und Schweif
der P. zeigen die verschiedenartigsten Farben, die
als einsache und als gemischte bezeichnet werden.
Die einfachen Farben sind weiß, fahl, rot, braun
und schwarz. Die weißen P. werden Schimmel ge-
nannt, man unterscheidet weißgeborene, Silbcr-
und Milchschimmel. Fahle P. oder Falben sind
grau oder gelb. Die gelben P. mit weißen Mähnen
heißen Isäbcllen. Man unterscheidet Neb-, Sem-
mel-, Maus- und andere Falben, Blaß-, Gold- und
Dunkclisabellen. P. mit roten Haaren heißen
Füchse und je nach der Nuance Not-, Hell-, Lehm-,
Gold-, Kupfer-, Dunkel-, Brand-, Schweiß-, Cchwarz-
und Kohlfuchs. Braune P. kommen bezüglich der
Farbe der Deckhaare oft den Füchsen sehr nahe, haben
aber stets schwarze Mähne, Schöpf und Schweif.
Es giebt kastanien-, schwarz-, kirsch-, rot-, gold-, hell-,
rch-, fahlbraune P. Die schwarzen P. heißen Rappen
und zerfallen in Glanz-, Kohl- und Sommerrappen.
Durch Mischung von gelben, braunen und andern
mit weißen Haaren entstehen die gemischten Farben
in den verschiedensten Spielarten, wie insbesondere
die stichelhaarigen P. und die gemischten Schimmel,
als Grau-, Blau-, Apfel-, Mohren-, Eisen-, Rot-,
Muskat- und andere Schimmel. P. mit weißer
Grundfarbe, aber größern oder kleinen Flecken ande-
rer Farbe heißen Schecken. Angeborene weißhaarige
Stellen an Kopf und Gliedmaßen andersfarbiger
P. werden Abzeichen genannt, wie Stern, Blesse,
Schnippe, Stiefel u. s. w.
Die Tragezeit der Mütter oder Stuten dauert
ungefähr 331 -350 Tage (Grenzen 310 und 410
Tage). Das P. wird geboren mit den mittelsten
Schneidczähnen (Zangen) des Ober- und Unter-
kiefers und mit je 3 Backzähnen in den 4 Kie-
fcrhälften. Die mittlern Schncidezähne (Mittel-
zähne) erscheinen mit 2 - 6 Wochen, die äußern
Schncidezähne (Eckzähnc) mit 5-9 Monaten. Hier-
mit ist das sog. Milchgebiß fertig; alle Zähne des
MUchgebisses (Milch- oder Fohlenzähne) fallen nach
einer bestimmten Zeit aus, um den bleibenden oder
Ersatzzähncn Platz zu inachen. Die Milchschneidc-
zä'hnc sind reinweih, schaufelförmig und mit einem
Halse versehen im Gegensatz zu den gelblichen oder
bräunlichen, meihelförmigen und mit Furchen auf
der Vorderfläche versehenen Ersatzschneidczähnen.
Der Zahnwcchsel beginnt mit2^^3 Jahren, und
zwar wechseln um diese Zeit die Zangen, mit 3^