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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pferdestaupe - Pferdezucht
45 - 100 Mill. P. betragen. Von den Arbeits-
maschinen brauchen am meisten Kraft die Walz-
werke (bis 1000 P. und darüber), weniger die
mechan. .Hämmer (bis 20 P.), am wenigsten die
verschiedenen Werkzeugmaschinen (bis herab zn
kleinen Bruchteilen einer P.).
<^tatt P. findet sich hänfig die leicht mißzuver-
stehende Bezeichnung Pf erde kraft.
Pferdestaupe, auch Rotlaufscuche, Darm-
seuche oder Influenza im engern Sinne, eine an-
steckende Krankheit der Pferde. Einmaliges Über-
stehen schützt in der Mehrzahl der Fälle dauernd
gegen nochmalige Ansteckung. Die P. verbreitet sicd
von Zeit zu Zeit über den ganzen Kontinent, wobei
die Handelspferde als Verschlepper des Ansteckungs-
stoffs eine große Rolle spielen. Die Seuche herrscht
dann in der Regel 1-2 Jahre, wird allmählich
schwächer, um sich schließlich vollkommen zu verlieren.
Die kranken Tiere beherbergen den Keim der Krank-
heit 4-7 Tage schon vor Ausbruch derselben in sich.
.hierauf stellt sich hohes Fieber (bis 4^), aufgehobene
Freßlust und große Mattigkeit ein. Die Tiere hal-
ten den Kopf gesenkt und zeigen ein Benehmen ähn-
lich wie beim Dummkoller. Nicht selten werden auch
Kolikerscheinungen beobachtet. Sehr auffallend und
fast immer vorhanden ist eine starke Schwellung der
Augenlider. Am Bauche und an den Füßen bemerkt
man im weitern Verlauf der Krankheit teigige An-
fchwellungcn. Die P. dauert im Durchschnitte 6-10
Tage, schwerere Fälle 2 - 3 Wochen. An der P.
sterben durchschnittlich nur 4 Proz.; man kennt jedoch
einen gutartigen Verlauf, bei dem weniger, und einen
bösartigen, bei dem bis zu 10 Proz. der erkrankten
Pferde der P. erliegen. Eine Behandlung mit Arznei-
mitteln ist in der Regel nicht von nöten, notwendig
ist dagegen gute Luft im Stalle und für die Tiere
leicht verdauliche Nahrung. Zur Anregung der Freß-
lust verabreicht man 1-3 Eßlöffel Karlsbader Salz
im Kleieutrank. Im Gefolge der P. treten bisweilen
Lungenkatarrhe, Entzündungen des Gehirns und
Rehe (s. d.) auf.
Pferdesteuer, s. Wagenstcuer.
Pferdetyphus, früher gebräuchlicher Name für
Vlutflcckenkrankheit (s. d.).
Pferdezahnmais, Maissorte mit graugelben,
plattgedrückten, einem Pferdezahn ähnlichen Kornern,
wird in Deutschland nicht reif, dagegen 2-3 m
hoch und als Grünfutter angebaut.
Pferdezucht, die Erzeugung und Aufzucht des
Pferdes. Sie gefchieht in besondern Anstalten, den
Gestüten, oder in landwirtschaftlichen Betrieben.
Die Gestüte oder Stutereien sind Anstalten,
in denen die P. in größerm Maßstabe und nach
bestimmten Grundsätzen betrieben wird. Gestüte
w^ew nUweder von den Landesbehörden odcr
von einzelnen Personen unterhalten. Im erstern
Falle bezwecken sie, die P. eines Landes insgesamt
zu heben, einen den Bedürfnissen desselben ent-
sprechenden Pferdeschlag hervorzubringen und den
vorhandenen Pserdeschlag zu verbessern und zu ver-
edeln. Privatgestüte haben entweder den Zweck,
einen größern Bedarf, namentlich an edeln Pfer-
den, wie er für die Marställe von Fürsten und
Magnaten vorliegt, zu decken (so die vielfach vor-
kommenden Hofgestüte), oder sie werden von gro-
ßen Grundbesitzern unterhalten, die damit außer
der Deckung des eigenen Bedarfs Zwecke des Pferde-
handels verbinden, oder sie stellen sich die Aufgabe,
sür die Rennbahn geeignete Pferde zu erziehen (wie
die Renngestüte). Die Absicht eines materiellen
Gewinns ist in keinem Falle ausgeschlossen. Mit den
Gestüten (auch fiskalischen) ist häusig ein Rennstall
zur Trainierung von Rennpferden verbunden. Die
Zucht der Privatgestüte kommt mittelbar auch der
Landespferdezucht zu gute. Die Gestütezucht bildet
den Gegensatz zur landwirtschaftlichen P.,bei der
die Pferde als Nutztiere in den einzelnen Wirt-
schaften erzogen werden. Letztere allein genügt nur
für Länder, die sich bei einem die P. pflegenden
Grundbesitz bereits eines den Zwecken vollkommen
entsprechenden und fest begründeten Pferdeschlags
erfreuen (z. B. Oldenburg); andernfalls muß der-
selben die Gestütezucht zu Hilfe kommen, indem
sie geeignete Beschälhengste (Landbeschäler) auf-
zieht und der Masse der Pferdezüchter zur Verfügung
stellt. Die Landbeschäler werden in Landge-
stüten unterhalten, die in zweckmäßiger Weise über
das ganze Landesgebiet verbreitet sind, während
die Haupt- oder Staats gestüte eine konstante
vaterländische edle Reinzucht innerhalb der den ver-
schiedenen Bedürfnissen vorzugsweise entsprechenden
Hauptrassen begründen. In den Hauptgestüten
werden auf eine geringe Zahl vorzüglicher Beschäl-
hengste oder Hauptbeschäler eine größere Zahl Mut-
terstuten gehalten und die gewonnenen Fohlen bis
zu einem gewissen Alter erzogen, wo sie dann ent-
weder zur Weiterzucht beibehalten oder an die Land-
gestüte zu diesem Zweck abgegeben werden oder in
den Handel kommen. In den Landgestüten werden
nur Beschälhengste unterhalten, die während der
sog. Beschälzeit in den einzelnen Distrikten so ver-
teilt sind, daß selbst jeder kleine Landwirt seine
Stute mit einem guten Hengst paaren kann.
In Ländern, die bei geringer Dichte der Bevöl-
kerung eine sehr ausgebildete P. haben und in
denen zugleich große Weideflächen zur Verfügung
stehen, wie im südl. und östl. Rußland, in Un^
gärn und Rnmänien, kommen sog. wilde Gestüte
vor. Hier genießen die Pferde in jeder Beziehung
die Freiheit, so daß sich dieselben gegenseitig paaren,
ohne daß von seiten des Menschen eine Answahl
der Hengste und Stuten zu einander stattfindet. Die
Tiere bleiben das ganze Jahr sich selbst überlassen
im Freien, werden zwar hierdurch gegen Witterungs-
einflüsse sehr abgehärtet, leiden aber durch dieselben
auch häusig in ihrer Entwicklung, Fehler und Ge-
brechen erben sich weiter fort und oft wirken an-
steckende Krankheiten verheerend auf den Pferde-
bestand. In den halbwilden Gestüten, die sich
in diesen Ländern ebenfalls finden, werden zur Zeit
der Brunft bestimmte Hengste den Stuten zugeteilt
und dadurch ein gewisser Einfluß auf die Paa-
rung ausgeübt. In den gewöhnlichen Gestüten, die
im Gegensatz zu jenen zahme Gestüte heißen
und in den eigentlichen Kulturländern ausschließlich
vorkommen, findet Stallfütterung und gesonderte
Sommerweide statt. Die Paarung geschieht nach be-
stimmter Auswahl und unter menschlicher Unter-
stützung (Beschälen aus der Hand). Die Einrichtung
ist teurer als die der wilden und halbwilden Gestüte.
In den zahmen Gestüten werden stets die größern
Erfolge erzielt. In einzelnen Ländern werden
Militär gestüte zur Deckung des Bedarfs an
Militärpferden unterhalten. In allen zahmen Ge-
stüten werden eingehende Register oder Stamm-
tafeln über die in denselben zur Zucht verwendeten
und ausgezogenen Pferde geführt, woraus ihre Ab-
stammung, Alter und besondern Kennzeichen erficht-