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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pflichtwidrige Schenkung - Pflug
Hälfte, ein Drittel oder ein Viertel, je nachdem ein,
zwei oder mehr Kinder vorhanden sind. - Für Vor-
sahren bestimmen das Gleiche wie für Abkömm-
linge das Gemeine Recht, auch das Bayrische Landr.
III, 3, §. 15. Eine Mehrzahl von Rechten bestimmt
den Bruchteil auf ein Drittel, so auch das Sachs.
Bürgert. Gesetzb. §. 2569, das Österr. Bürgert. Ge-
setzb. §. 766. Auf die Hälfte bestimmen ihn das
Preuß. Allg. Landr. II, 2, §. 502 und das Lübische
Gesetz von 1862, Art. 22. Der 0oä6 civil Art. 915
läßt den Erblasser, welcher Vorfahren aus beiden
Linien hinterläßt, über die Hälfte frei verfügen;
hinterbleiben Vorfahren nur aus einer Linie, sogar
über drei Viertel. - Soweit dem Ehegatten ein
P. zugebilligt wird, entscheiden die meisten Rechte für
die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, einzelne, z. B.
das württemb. Recht, für ein Drittel. Das Sächs.
Bürgert. Gcsetzb. §§. 2579, 2580 bestimmt den
Bruchteil auf zwei Drittel des gesetzlichen Erbteils
neben Geschwistern, deren Abkömmlingen und neben
Vorfahren; neben Kindern ist der gesetzliche Erbteil
P., neben entferntern Verwandten beträgt er die
Hälfte der Erbschaft. Der Deutsche Entwurf (erste
Lesung) bat sich durchweg für die Hälfte des gesetz-
lichen Erbteils entschieden (§. 1975; Motive zum
Entwurf eines Bürgert. Gesetzbuchs für das Teut-
sche Reich, V, Verl. 1888, 388 fg.).
Über die Art, wie der P. hinterlassen werden muß,
s. Noterben. Fast alle geltenden Rechte bestimmen,
daß eine den P. beschwerende Verfügung oder Be-
dingung als mchtgeschrieben zu streichen sei, z.B.
das Sächs. Bürgert. Gesetzb. ß. 2585, die Thüring.
Erbgesetze, aber auch das Preuh. Allg. Landr.
II, 1, ß. 633; II, 2, §z. 433, 516, und das Österr.
Bürgert. Gesetzb. §. 774. Im Zusammenhange hier-
mit kennt das Gemeine Recht die sog. (nuteia ^ociui,
d. h. es gestattet dem Erblasser, seiner Anordnung
hinzuzufügen, der Berechtigte müsse die Beschwe-
rung sich gefallen lassen, wenn er das über den P.
hinaus Zugewendete erwerben wolle, andernfalls
gelange die Beschwerung nur insoweit in Wegfall,
als sie aus dem Pflichtteilsbetrage rube. Ähnlich
bestimmt das Österr. Bürgert. Gesetzb. ß. 774.
Alle^itechte begrenzen den Anspruch zeitlich, meist
durch netzen einer kurzen Verjährungsfrist, deren
Beginn verschieden bestimmt ist, z. B. von fünf
Jahren (Gemeines Recht; ob dies auch für die Er-
gänzungsklage gilt, ist streitig), drei Jahren lSächs.
Bürgerl. Gesetzb. §. 2616; Österr. Bürgert. Gesetzb.
ß. 1487), zwei Jahren (Preuß. Allq. Landr. II,'2,
§. 440), oder sogar einem Jahre (^ränk. Landge-
richtsordnung I.VII, §. 1; ätteres Lübisches Recht
u.s. w.). Der Teutsche Entwurf hat eine dreijährige,
erst von der Kenntnis der Verletzung laufende Frist
und daneben eine dreißigjährige Frist ohne Rück-
sicht auf die Kenntnis von der Verletzung (§. 1999;
Motive V, 425 fg.).
Pflichtwidrige Schenkung (InolücioZH äo-
natio), eine freigebige Verfügung des Erblassers
unter Lebenden, der gegenüber die Pflichtteilsberech-
tigten (s. Pflichtteil) das Recht der Anfechtung (s. d.)
haben. Entscheidend ist nach den meisten Rechten,
ob die Schenkung nach dem Vermögensbestande des
Erblassers zurZeit der Schenkung eine übermäßige ist.
Pftixburg, Burgruine bei Winzenhcim (s. d.)
im Obcrelsaß.
Pfloctmaschine, s. Schuhwarenfabrikation.
Pflückerbse, s. Gartenerbse.
Pftückfalat, s. Gartensalat.
Pflug, Ackergerät zur Bearbeitung des Bodens
mittels Gespanne oder stärkerer Motoren, das als
die Grundlage der Bodenkultur gilt. Der P. be-
zweckt gleichzeitig ein Wenden, Vermischen und
Lockern des Bodens sowie das Unterbringen von
Dünger, Saat, Stoppeln und Unkräutern zum
Zweck einer möglichst gedeihlichen Entwicklung der
angebauten Nutzpflanzen. Die Hauptteile des P.
(s. nachstehende Figur) sind: 1) das Vorgestell (3),
die Anspann- und ZugvorrichtunH,
2) der Grindel oder Gründel (e) mtt
Handhaben oder Sterzen (l), 3) der
Vorsckneider, 4) das Sech, Kolter oder Pflugmesser
(d), 5) die Schar (a.) mit Streichbrett oder Rüster (c),
Soble (ä) und Molterbrett, 6) die Griessäule (s. d.).
Der Vorschncider ist ein kleiner Pflugkörper, der
an dem Grindel befestigt ist, dem eigentlichen P<
vorangeht und eine flache Furche aufwirft. Molter-
brett und Griessäule sind, weil auf der Landseite
gelegen, in der Zeichnung nicht sichtbar. Die Schar
trennt den Erdstreifen vom Lande in horizontaler
Richtung ab und übergiebt ihn dem Streichbrett.
Letzteres ist durch versenkte Schrauben mit der Schar
verbunden oder an der Griessäule direkt befestigt.
Bei dem Haken hat die Schar die Form eines
Dreiecks, bei dem P. die eines Trapezes; sie muh
gut verstählt sein, da sie im festen oder steinigen
Boden großer Abnutzung unterworfen ist. Die Gries-
säule verbindet die Teile des Pflugkörpers (Pflug-
daum, Sohle, Streichbrett u. s. w.) untereinander und
wurde früber aus hartem Holze gefertigt, jetzt ebenso
wie Molterdrctt aus Gußeisen hergestellt. Das Mol-
terbrctt bildet den Abschluß des P. nach der Land-
seite und verbindet Pflugbaum und Sohle. Bei den
neuern P. werden meistens Sohle, Molterbrett und
Griessäule aus einem Gußeisenstück hergestellt. Die
Sohle ermöglicht den gleichmäßigen Gang des P.
und einen glatten Abschnitt der Furchen. Der Pflug-
baum wird in neuerer Zeit vielfältig aus Eisen oder
selbst Stahl verfertigt und ist mit einer Vorrichtung
verseben, durch die die Vorderkarre näher oder weiter
vom Pflugkörper eingehängt werden kann, wodurch
der Tiefgang des P. reguliert wird. Das Vorder-
gestell bestebt meistens aus einer zweiräderigenKarre,
bei den Tiefpflügen muh das in der Furche laufende
Rad bedeutend größer sein als das der Landseite.
Statt der Karre findet sich auch wohl die Stelze oder
der Schlepppflug, eine gebogene Holzleiste, welche die
Bewegung des Pflugbaumes reguliert. In neuerer
Zeit, besonders bei Häufelpflügen, wird dieselbe er-
setzt durch eine verschiebbare direkt im Grindel be-
festigte Stange mit kleinem Rade (Radstelze). Die
Sterzen zur Führung der P. sind am Grindel be-
festigt und untereinander verstrebt. Manche P.Haben
nur einen Sterz. Das Sech (Kolter, Pstugmesser)
ist durch einen verschraubten Bügel am Grindel
befestigt und bat den Zweck, in festem oder verrastem
Boden den Pflugstreifen vertikal glatt abzuschneiden.
Ein Radsech besteht aus einer rotierenden Stahl-
scheibe statt des Messers, welche an einer Stelze be-
festigt ist. Die Zugvorrichtung ist für den gleich-
mähigen Gang des P. von großer Bedeutung, be-
sonders ist ihre Konstruktion für die Schwingpflüge
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