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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Philomela - Philopömen
Antwerpen), Ccllarius, Spanheim; aus dem 18.
I. A. Fabricius, Reiske, Gesner, Ernesti.
Beim Aufblühen der deutschen Litteratur im
18. Jahrh, blieben die Philologen hinter der auf
Erkenntnis des künstlerisch Schönen gerichteten Be-
wegung nicht zurück; Christ, Klotz, Ernesti, Sachse,
Heyne u. a. zogen die Archäologie und die Kunst
in den Kreis ihrer Studien, und Heyne wollte sogar
die P. mit der Ästhetik verbinden und aus beiden
eine eigene Fakultät bilden. Aber es fehlte noch
immer der Zusammenhang zwischen den einzelnen
Fächern, die zusammenfassende Idee. F. A. Wolf
war es, der die Aufgabe der P. in diesem Sinne
faßte. Er machte das gesamte Altertum, wie es
sich in allen Erscheinungen seines äußern und innern
Lebens darstellt, zum selbständigen Gegenstände der
P. und nannte sie Altertumswissenschaft, um
die einseitigen Auffassungen, die sich mit dem Namen
P. verbunden hatten, zu beseitigen. Auch verschaffte
er der P. eine selbständige praktische Lebensstellung,
indem besonders durch seine Einwirkung der pro-
pädeutische Unterricht für alle höhern Wissenschaften,
den bis dahin hauptsächlich die Theologen besorgt
hatten, Männern überwiesen wurde, die diesen
Unterricht als ihren Lebensberuf, nicht aber als
Anhang des geistlichen Amtes oder als bloße Vor-
bedingung zu diesem betrachteten; und da der Unter-
richt in den klassischen Sprachen nach wie vor als
der wesentlichste Bestandteil der Gymnasialbildung
angesehen wurde, bildeten die Philologen den Kern
dieses neuen Standes von Schulmännern.
Am entschiedenstell hat A. Böckh, namentlich in
seiner berühmten "Encyklopädie und Methodologie
der philol. Wissenschaften" (2. Aufl., Lpz. 1886), die
von Wolf begründete Auffassung der P. systematisch
durchgeführt. Das System Böckhs zeichnet sich vor
dem Wolfs namentlich dadurch aus, daß er mit
größerer Konsequenz den Unterschied zwischen Sprach-
und Sachkenntnis aushebt. Die bedeutenden Ar-
beiten Böckhs (und seiner Schule) richteten sich zwar
vorwiegend auf die histor. Realien, aber doch auch
auf Metrik und die lange versäumten griech. In-
schriften; die Sprache trat allerdings bei vielen all-
zusehr in den .Hintergrund. Auch O. Müller stand
wesentlich auf dem Wolfschen Standpunkt. G. Vern-
bardy lieferte eine im einzelnen sehr verdienstliche
Encyklopädie der P., gleichfalls vom Wolfschcn
Standpunkt, ohne mit dem Versuch einer neuen An-
ordnung der einzelnen Teile durchzudringen. Auch
F. Ritschl, obschon hervorgegangen aus der Her-
mannschen Schule, stellte ein Schema der P. von ähn-
lichem Umfang auf, wie Wolf und Vöckh; und so
hat sich denn die von Wolf vertretene Richtung als
die wahrhaft fruchtbare bewährt. Freilich haben
die neuern Philologen, auch wenn sie mit voller
Überzeugung der Auffassung der P. als Alter-
tumswissenschaft zustimmen, in ihrer gelehrten
Thätigkeit sich beschränken müssen. So war Wolfs
Schüler I. Vekker gleich den beiden Dindorf, den
Schülern Hermanns, fast ausschließlich als Kritiker
thätig, viele haben sich überwiegend der P. im en-
gern Sinne, der Grammatik und Metrik, Kritik und
Eregese, zum Teil in Verbindung mit der Litteratur-
geschichte, gewidmet, wie außer G. Hermann und
H. Ritschl Reisig, Lachmann, Meineke, Lehrs, Spen-
gel, Haase, Haupt, Ahrens, Halm, Schneidewin,
Bcrgk, Köchly, Teuffel, Nipperdey, Vernays, Bonitz,
Studemund, Sauppe, Hertz, Nauck, Kirchhoff, West-
phal, Ribbeck, Vahlcn, Christ, Wölsflin, Usener, Vü-
cheler, L. Müller, Rohde, Blaß, von Wilamowitz,
Diels, Schenkt, Gomperz,von Hartel, während andere
ihre Arbeiten auch oder vorzugsweise auf die realen
Disciplinen ausdehnten, dabei aber, wie auch viele
der eben genannten, in derRegel sich naturgemäß dem
einen oder andern der klassischen Völker überwiegend
zuwandten, wie den Griechen Buttmann, Lobeck,
K.F.Hermann, E.Curtius, Wachsmuth, den Römern
Niebuhr, A.Becker, Marquardt, Mommsen, Jordan,
Nissen. Auch Frankreich und England haben in
neuester Zeit tüchtige Philologen hervorgebracht.
In Dänemark ragt hervor Madvig.
Nach dem Muster der klassischen P. haben sich im
19. Jahrh, auch eine orientalische P. (s. Orien-
talische Litteratur und Sprachen) und eine P. der
neuern Sprachen zum Range selbständiger
Wissenschaften erhoben. Diese gliedert sich wieder je
nach dem Forschungsgebiete in verschiedene Zweige,
so Deutsche Philologie (s. d.), romanische P.
(s. Romanische Sprachen), slawische P. (s. Sla-
wische Sprachen), englische P. (s. Englische
Sprache) u. s. w. (S. auch Sprachwissenschaft.)
Vgl. Voigt, Die Wiederbelebung des klassischen
Altertums (3. Aufl., 2 Bde., Verl. 1893); L. Müller,
Geschichte der klassischen P. in den Niederlanden
(Lpz. 1869); Vursian, Geschickte der klassischen P. in
Deutschland (19. Bd. der "Geschichte der Wissen-
schaften", Münch. 1884). (Vgl. auch Archäologie.)
Philomela, in der griech. Sage die Tochter Pan-
dions, Königs von Athen, und die Schwester der
Prokne, die mit dem thraz. Fürsten Tereus vermählt
war. Als letzterer nach Athen reiste, bat ihn Prokne,
ihre Schwester P. von dort mitzubringen. Auf dem
Wege entehrte er sie und schnitt ihr, damit es geheim
bliebe, die Zunge aus. P. aber that es der Schwester
durch einGewebe kund, worauf beide aus RacheItys,
den Sohn des Tereus, schlachteten und dem Vater
auftischten. Dieser, die Reste seines Sohnes erken-
nend, verfolgte die Schwestern, die von den Göttern
verwandelt wurden. Prokne wurde zur Nachtigall,
P. zur Schwalbe, und jene mit beständiger, diese mit
halber Schlaflosigkeit bestraft. Erst eine spätere Ver-
wechselung machte P. zur Nachtigall und Prokne zur
Schwalbe. Tereus wurde zum Wiedehopf oder nach
späterer Sage zum Specht oder Habicht. In etwas
anderer Weise wird die Nachtigall in der Sage von
Aedon (s. d.) und deren Mordthat an ihrem Sohne
Itys gefeiert. In beiden Füllen wohl mit Bezug
auf den als klagend aufgefaßten Ton ihrer Stimme,
der wie It^, It^ (o Itys) zu klingen schien. - P.
heißt auch der 196. Planetoid.
Philomelwn, Stadt in Phrygien, s. Akschehr.
Philonmsenhetärie (grck. detairia. ton pkilo-
IQÜ80N, d. i. Gesellschaft der Musenfreunde), ein zu
Athen 13. Sept. 1813 gestifteter Verein, der zu-
nächst den Zweck hatte, junge Leute in den Wissen-
schaften auszubilden, gemeinnützige Bücher zu ver-
öffentlichen, Altertümer auszugraben und zu sam-
meln und den ausländischen Reisenden jeden mög-
lichen Dienst beim Besuch der Altertümer von Athen
zu erweisen. Diese Gesellschaft kann in mancher
Hinsicht wegen ihres nationalen Zwecks als eine
Vorgängerin der Philike-Hetärie (s. Hetärie) be-
Philon, s. Philo. ^trachtet werden.
Philopömen, griech. Feldherr, "der letzte der
Hellenen", wie er von den Alten genannt wird,
Sohn des reichen Gutsbesitzers Kraugis aus Me-
galopolis in Arkadien, geb. 253 v. Chr., brachte,
als seine Vaterstadt durch Kleomenes III. von