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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Philosemiten; Philosoph; Philosophaster; Philosophem; Philosophenturm; Philosophia; Philosophie

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Philosemiten - Philosophie

Sparta überfallen wurde (Anfang 222), die Bewohner nach Messene in Sicherheit. In der Entscheidungsschlacht gegen Kleomenes bei Sellasia (Sommer 222) zeichnete er sich wieder aus, wurde 210-9 Hipparch und 208-7 Stratege (Präsident) des Achäischen Bundes. In dieser Stellung entwickelte er eine außerordentliche Thätigkeit in der Neugestaltung des Kriegswesens der Achäer und schlug bei Mantinea 207 v. Chr. die Spartaner vollständig. Als Sparta später von den Ätoliern erobert und der Tyrann Nabis ermordet worden war, bewog P. die Spartaner 192 v. Chr. zur Vereinigung mit dem Achäischen Bunde. Nur mit Widerwillen jedoch blieben später Sparta und Messenien nebeneinander bei dem Bunde, und 184 v. Chr. fielen die Messenier ab. Sofort sammelte P. seine Söldnertruppen und eine aus dem Kern des Volks gebildete Reiterschar, wurde aber bei vorschnellem Angriff von den Messeniern nach der tapfersten Gegenwehr überwältigt und selbst gefangen. In Messene mußte er den Giftbecher leeren. Nachdem 183 Messene wieder durch die Achäer erobert worden war, wurde seine Asche feierlich in Megalopolis beigesetzt.

Philosemiten, diejenigen, die unter Berufung auf die Grundsätze der Humanität und Duldsamkeit den Antisemitismus (s. d.) bekämpfen.

Philosoph, s. Philosophie.

Philosophaster, Pfuscher auf philos. Gebiete, Afterphilosoph.

Philosophem (grch.), philos. Untersuchung, Betrachtung, Lehre.

Philosophenturm, s. Ätna.

Philosophia, der 227. Planetoid.

Philosophie (grch.), wörtlich "Weisheitsliebe". Bis in die Zeit des Sokrates nannte man so jedes Bemühen um höhere, namentlich wissenschaftliche Bildung; der wissenschaftliche Forscher, der Gelehrte hieß entweder der Weise (sophós, d. h. der eine Sache versteht, sie studiert hat) oder Sophist (sophistês, nach der ältern, keinen Tadel einschließenden Bedeutung, der Weisheit oder Wissenschaft zu seinem Berufe macht, nach dem spätern gehässigen Nebensinn, der sie als Geschäft, besonders um Gelderwerb betreibt). Es war zunächst der Ausdruck der Sokratischen Kritik der vermeinten Wissenschaft von damals, der Naturwissenschaft und mehr noch der praktischen Lebensweisheit, wie die im engern Sinne so benannten Sophisten (s. d.) sie beibringen wollten, wenn Sokrates nicht auf den Titel eines Weisen, sondern nur auf den eines Philosophen Anspruch machen, d. h. nach Wissenschaft und Wahrheit zwar streben, aber nicht behaupten wollte, in ihrem Besitz zu sein; der Besitz der Wahrheit, glaubte er, stehe nur der Gottheit zu. Plato entwickelte das Sokratische "Wissen des Nichtswissens" fort zu dem sichern Wissen um die letzten Begriffe, die aller Erkenntnis zu Grunde liegen müssen; daher erlangt auch der Ausdruck P., während einerseits jener von Sokrates hineingelegte kritische Sinn gerade von ihm betont wird, doch überwiegend positive Bedeutung; sie ist für ihn die wahre Wissenschaft, nämlich die Wissenschaft der reinen Begriffe (Ideen), daher ziemlich gleichbedeutend mit Dialektik; und zwar bedeutet sie nicht mehr bloß das Suchen nach dieser Erkenntnis, sondern ihren Besitz. Auch die uns geläufige Objektivierung der Wissenschaft ist dem Platonischen Gebrauch des Wortes P. nicht fremd (wenn z. B. im "Gorgias" Sokrates erklärt: "Nicht ich, die P. sagt so, sie widerlege, wenn du kannst!"). Aus dieser Entstehungsgeschichte des Ausdrucks P. begreift sich, daß er bei Aristoteles teils für jede wissenschaftlich begründete Erkenntnis, teils in engerm Sinne für die höchste, alle andern begründende Wissenschaft, die Wissenschaft der Principien, steht. In dieser Doppelbedeutung hat sich das Wort auch erhalten. Noch heute ist P. teils (namentlich bei den Engländern) gleichbedeutend mit Wissenschaft, teils (bei den Deutschen vorwiegend) versteht man darunter eine Grundwissenschaft, die die Einheit der Wissenschaften, durch den Nachweis eines gemeinsamen Fundaments, auf dem sie beruhen, in letzten Gründen, sei es der Dinge oder ihrer Erkenntnis, garantieren soll. Zwar gilt ebendies vielfach als Aufgabe einer besondern philos. Disciplin, der Metaphysik (s. d.). Aber auch die Logik (s. d.), die allgemein zur P. gerechnet wird, verfolgt offenbar einen dem ähnlichen Zweck, daher denn auch diese beiden Disciplinen meist eng verbunden werden oder auch (wie dem Wesen nach bei Kant) in eine philos. Grundwissenschaft (Erkenntnistheorie, Transcendentalphilosophie) zusammenfließen. Auch wenn man daneben noch eine besondere Grundwissenschaft für die Naturerkenntnis (Naturphilosophie, s. d.) und eine besondere für die Erkenntnis des Bewußtseinslebens (Psychologie, s. d.) aufstellt, so wird dadurch die Grundbedeutung der P. als Wissenschaft der Principien nicht aufgehoben, sondern nur erweitert. Und ebenso entspricht dieser Grundbedeutung die Hinzufügung einer P. über die letzten Gründe und Gesetze des Wollens und Handelns (praktische P., Ethik, s. d.). Denn offenbar wird es die Aufgabe einer Grundwissenschaft sein, nicht bloß die letzte Einheit der theoretischen Wissenschaften darzustellen, sondern auch zwischen der theoretischen und praktischen Seite der menschlichen Vernunft die Einheit herzustellen. Aus analogen Gründen begreift sich, daß die P. sich ferner erweitert um eine philos. Sociologie (s. d.), Rechtsphilosophie, Geschichtsphilosophie, Religionsphilosophie, endlich Ästhetik.

Bei alledem bleibt der Begriff der P. ein ziemlich schwankender. Und zwar liegt der Grund davon nicht lediglich in der Willkür des Wortgebrauches, sondern zum größeren Teile in der Schwierigkeit der Sache selbst, die eben dazu trieb, es auf alle mögliche Art zu versuchen und, wenn eben erst der rechte Weg gefunden schien, bald wieder unbefriedigt von demselben abzugehen. So wird, je nach dem Interesse des einzelnen Forschers, oder auch ganzer Zeitalter und Nationen, die verlangte letzte Einheit bald in einem System bloß theoretischer Begriffe, bald in letzten sittlichen oder religiösen Postulaten oder selbst in einer bloß ästhetischen Befriedigung gesucht; und es scheint, als könne man keiner dieser Richtungen den Namen der P. abstreiten, sofern in jeder derselben eine gewisse Einheit der Welt- und Lebensansicht in der That erstrebt und vielleicht auch erreicht werden kann. Doch wird von allen den P. zweifellos diejenige vorzüglich so zu heißen verdienen, die zugleich die unangreifbarsten Grundlagen hat und ihren Gesichtspunkt hoch genug nimmt, um den berechtigten Ansprüchen des theoretischen, praktischen und ästhetischen Interesses gleichmäßig zu genügen. In ersterer Hinsicht muß eine wahre P. sich selber als Wissenschaft ausweisen, mithin auch im stande sein, mit allen sonstigen festgegründeten Wissenschaften strengen Zusammenhang