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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Phlobaphene; Phloem; Phlogistische Chemie

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Phlobaphene – Phlogistische Chemie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Phleum'

meine Lieschgras oder Timotheusgras (P. pratense L.), in Deutschland überall an trocknen Rainen, Ackerrändern und Wegen, selten auf Wiesen, das als vorzügliches Futtermittel häufig auf Feldern angebaut wird, doch gewöhnlich mit Klee vermengt. (S. Tafel: Futterpflanzen II, Fig. 8.) Es wird je nach der Güte des Bodens 30–120 ein hoch, trägt eine lange, vollkommen walzenförmige Ähre, die im blühenden Zustand wegen der zwischen den Spelzen hervortretenden Staubbeutel hellviolett erscheint, und gedeiht namentlich gut auf einem kräftigen lehmigen Sandboden. Es bestockt sich rasch, giebt daher schon im Jahre der Aussaat einen im zweiten Jahre sich steigernden reichlichen Ertrag. Auf trocknen, sonnigen Hügeln wächst eine Abart mit niedrigem Halm und zwiebelig-verdicktem Stock. Von den sonstigen Arten ist bloß das auf fruchtbaren, frischen und feuchten Bergwiesen wachsende Alpenlieschgras (P. alpinum L.) als eine gute Futterpflanze zu bezeichnen. Auf losem, trocknem Sande, namentlich der Dünen an den Ost- und Nordseeküsten, wächst häufig das Sandlieschgras (P. arenarium L.), eine einjährige, vielhalmige Art mit starren, bläulichgrünen Halmen und Blättern und länglicher Rispenähre, das mit seiner in zahlreiche Rhizome verlaufenden Wurzel zur Festlegung des Flugsandes beiträgt.

Phlobaphene, Rindenfarbstoffe, braunrote amorphe Substanzen, welche in den Rinden der Bäume vorkommen, sich in Weingeist und Alkalien lösen und durch Säuren gefüllt werden. Sie sind noch wenig untersucht und wahrscheinlich Oxydationsprodukte der natürlich vorkommenden Gerbsäuren.

Phloem, in der Botanik die Gewebepartien, die in den Stämmen der Dikotyledonen und Gymnospermen zwischen dem Cambiumringe (s. Cambium) und der primären Rinde liegen. Wenn bei ältern Stämmen die letztere durch Peridermbildung abgeworfen ist, so reicht das P. bis an das Korkgewebe. Die Bezeichnung P. bezieht sich demnach nur auf die Lagerung der betreffenden Gewebe zum Cambiumring, und deshalb kann strenggenommen bei allen Pflanzen ohne Cambiumring, wie z. B. bei den Monokotyledonen, von P. keine Rede sein. In der Mehrzahl der Fälle umfaßt das P. im Sinn Nägelis, der diesen Ausdruck sowie die analoge Bezeichnung Xylem (s. d.) zuerst anwandte, die eiweißleitenden Gewebe, wie Siebröhren u. dgl., außerdem allerdings noch andere Elemente, wie Bastzellen, Krystallschläuche, Sekretbehälter u. s. w. Da nun in den Gefäßbündeln der nicht nach dem Dikotyledonentypus wachsenden Stämme in den sog. Siebteilen (s. Gefäßbündel, Bd. 7, S. 651a) jene Elemente, und zwar vorzugsweise die Siebröhren, regelmäßig vorkommen, so gebrauchen einige Botaniker den Ausdruck allgemein für solche Gewebepartien, in welchen jene eiweißleitenden Elemente enthalten sind.

Phlogistische Chemie. Auf Grund des durch die Alchimie und die Iatrochemie beigebrachten chem. Thatsachenmaterials entwickelte sich, im Anschluß an den Aufschwung der Physik, zu Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrh, eine unabhängige wirkliche chem. Wissenschaft, die sich als Hauptaufgabe die Erkenntnis der chem. Naturvorgänge setzte, sich mit vollem Bewußtsein von den Fesseln alchimist. und iatrochem. Phantasien und Dogmen befreite und den Weg der induktiven Forschung betrat. Ihr Begründer war der Engländer Robert Boyle (s. d.), der zuerst in seinem bahnbrechenden ↔ Werke "Chemista scepticus" (1661) die Unhaltbarkeit der Aristotelischen, alchimist. und iatrochem. Elemente nachwies, als chem. Elemente nur die nachweisbaren und unzerlegbaren chem. Bestandteile der Körper gelten ließ und damit zu einem klaren Begriff von chem. Verbindung, im Gegensatz zu bloßen Gemengen und der dieselbe bewirkenden Kraft, der Affinität, gelangte. Der von ihm zuerst eingeschlagene Weg rein empirischer Forschung wurde jetzt von einer stets wachsenden Zahl von Chemikern beschritten, unter denen John Mayow, Lemery und Homberg in Frankreich, Kunkel und Becher in Deutschland besonders hervorgehoben zu werden verdienen. Ihre Erfolge führten zur Erkenntnis gewisser großer chem. Erscheinungsgruppen, unter denen bald die der Verbrennungsvorgänge das hervorragendste Interesse beanspruchte, für die Georg Ernst Stahl (s. d.) eine das ganze Zeitalter charakterisierende umfassende Theorie, die Phlogistontheorie, aufstellte. Nach dieser werden alle Verbrennungsvorgänge, seien es Verbrennungen organischer Stoffe oder von Metallen (Metallverkalkung) u. s. w., durch die Anwesenheit des Phlogistons (vom grch. phlogizein, in Brand setzen) in den brennbaren Körpern bedingt. Dieses allerdings wieder hypothetische Element entweicht bei der Verbrennung in die Luft, die zu seiner Aufnahme zugegen sein muß. Dabei werden die mit dem Phlogiston verbunden gewesenen Stoffe frei und bleiben entweder als Aschen und Metallkalke zurück, oder entweichen ebenfalls, wie die schweflige und Schwefelsäure in die Luft. Diese Verbrennungsprodukte sind zusammen mit dem Phlogiston die wahren Grundbestandteile oder chem. Elemente der brennbaren Körper. Will man letztere wiederherstellen, so muß man die Aschen, Kalke u. s. w. von neuem mit Phlogiston vereinigen, was z. B. durch Glühen der Metallkalke mit Kohle bei Luftabschluß geschieht; denn die Kohle ist die phlogistonreichste bekannte Substanz, weil sie fast ohne Rückstand und unter Entwicklung höchster Wärme an der Luft verbrennt. Obwohl die Stahlsche Theorie, wie wir heute wissen, das wahre Wesen der Verbrennungserscheinungen geradezu umkehrt, so gewann die Einfachheit der Erklärung zahlloser Erscheinungen von einem einheitlichen Gesichtspunkte aus doch die chem. Welt in so hohem Grade, daß sie mehr als ein Jahrhundert lang die herrschende Lehre blieb und die früher vorhandenen allerdings nur ganz vereinzelten Ansätze richtiger Einsicht in das Wesen dieser Vorgänge zurückdrängte. Die bedeutendern Chemiker dieser Epoche sind unter den Zeitgenossen Stahls Friedrich Hoffmann und Hermann Boerhaave, unter den Nachfolgern Johann Heinrich Pott, Andreas Marggraf in Deutschland, Etienne François Geoffroy, Duhamel de Monceau und Macquer in Frankreich, Black und Henry Cavendish in England und Scheele und Bergmann in Schweden. Black und Bergmann sowie Jos. Priestley und auch Scheele stellen bereits den Übergang zu einer neuen Epoche der wissenschaftlichen Chemie dar, indem sie, zwar noch immer Phlogistiker, ihre Studien namentlich auf die Ermittelung der Mengenverhältnisse, nach denen chem. Verbindungen ihre Bestandteile enthalten, richteten. Die P. C. richtete ihr Augenmerk und Interesse vorwiegend auf die Qualität der Erscheinungen und verwickelte sich dadurch in Widersprüche, die durch die systematische Beachtung und Untersuchung der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 102.