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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Photographie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Photographie'

Anmerkung: Fortsetzung von [Die heutigen photographischen Prozesse..]

kräftiges Bild erscheint. Dieses wird gewaschen, in eine Goldauflösung getaucht (getont), um ihm eine bessere Farbe zu geben, endlich durch Entfernung der noch vorhandenen Silbersalze mit unterschwefligsaurem Natron fixiert, gründlich gewaschen und auf Karton geklebt. Die sog. Panotypen und Ferrotypen sind in kurzer Expositionszeit aufgenommene negative Kollodiumbilder, die auf schwarzem Untergrunde (Hyalitglas oder asphaltiertes Eisen) positiv erscheinen. (S. Ferrotypie.)

Die Amateure bedienen sich gewöhnlich des käuflichen haltbaren gesilberten Papiers, z. B. Chlorsilbergelatinepapier (Aristo) und Chlorsilberkollodium (sog. Celloidinpapier). Der Arbeitsgang ist etwa derselbe wie oben, häufig werden aber Ton- und Fixierbäder gemischt angewendet.

Zum Vergleich eines Negativs mit dem Positiv dienen die Fig. 1 u. 2 der Tafel: Photographie I.

Ein sehr großer Übelstand der P. blieb bis in die neueste Zeit die unrichtige Wirkung farbiger Körper. Viele helle gelbe und rote Farben, wie Cbromgelb, Zinnober, Mennige, rote Haare, gelbe Hautflecke erscheinen in der P. schwarz, andere dunkle Farben, wie Blau, Violett u. s. w., werden dagegen weiß. Der Grund liegt darin, daß die photogr. Präparate, namentlich Brom- und Jodsilber, hauptsächlich für blaue Strahlen empfindlich sind; für grüne, gelbe und rote aber nicht. Um diese Fehler zu beseitigen, bedient man sich der Negativretouche. Man deckt die zu schwach photographierten Stellen des Negativs, z. B. gelbe Farben in Ölbildern, Sommersprossen bei Gesichtern, mit Bleistift oder Tusche, bis sie den richtigen Ton zeigen; eine einzige retouchierte Platte der Art gestattet, zahlreiche fehlerfreie positive Abzüge danach zu fertigen, während sonst bei der altern Positivretouche jeder einzelne Abzug die gleiche Retouchierarbeit erforderte. Man hat auf diese Weise auch das Photographieren von Ölgemälden ermöglicht, welches früher wegen der abnormen Wirkung der Farben unmöglich erschien. In Kunststädten, wie Berlin, Düsseldorf, München, Dresden, bilden diese Ölreproduktionen bereits einen großartigen Handelsartikel. Jedoch wurde die Mehrheit dieser Bilder durch Einfluß der Bearbeitung des Negativs mit der Hand mehr oder weniger beeinträchtigt. H. W. Vogel beseitigte den Grundfehler der P., die falsche Wirkung der Farben. Er erkannte bereits 1873, daß Bromsilber durch Beimischung von Stoffen, welche die gelben und roten Strahlen absorbieren (z. B. rote und grüne Anilinfarben), empfindlich wird für gelbes und rotes Licht. Aus dieser Entdeckung entwickelten sich im Laufe der Zeit die farbenempfindlichen (isochromatischen und orthochromatischen) Verfahren, welche Platten liefern, die für Gelb, Rot, Grün und Blau nach Maßgabe von deren Helligkeit empfindlich sind. Durch Einführung dieser farbenempfindlichen Verfahren trat die P. in ein neues Stadium. Die Aufnahme alter Ölbilder in den richtigen Tonverhältnissen bietet jetzt keine Schwierigkeiten mehr. Ein Übelstand der ältern farbenempfindlichen Verfahren war die Notwendigkeit der Anwendung eines gelben Strahlenfilters, um die zu starke Wirkung der blauen Strahlen herabzumildern. Bei dem farbenempfindlichen Kollodiumverfahren war dieses Strahlenfilter durch Anwendung eines stark mit Eosin versetzten Kollodiums bereits eliminiert. In dem Gelatineemulsionsverfahren gelang es Obernetter und ↔ H. W. Vogel, Emulsionsplatten zu fertigen, die auch ohne gelbes Strahlenfilter P. in den richtigen Tonverhältnissen lieferten, und zwar durch Anwendung des Eosinsilbers. Dasselbe ist namentlich von Bedeutung für Aufnahmen von Landschaften und farbigen Kostümen, Teppichen, farbigen mikroskopischen Präparaten u. s. w. Aus dem farbenempfindlichen Verfahren ging später der Naturfarbendruck (s. d.) hervor.

Ein Mangel der gewöhnlichen mit Silbersalz erzeugten Bilder ist ihre Neigung zum Verbleichen oder Vergilben. Dieses wird verschuldet durch ungenügendes Auswaschen des schwefelhaltigen Fixiersalzes nach dem Fixieren. Der Rückstand von Fixiersalz zersetzt sich alsdann mit der Zeit unter Ausscheidung von Schwefel und Bildung von Schwefelsilber, welches in dünner Lage gelb erscheint. Es können aber auch sehr gut ausgewaschene Silberbilder verbleichen, wenn sie an feuchten Orten aufbewahrt werden. Hier erfolgt durch Einfluß der Feuchtigkeit eine Zersetzung des schwefelhaltigen Albuminüberzugs und Bildung von Schwefelsilber. Dieser Umstand hat Veranlassung zur Herstellung von Papierbildern ohne Anwendung von silber- und schwefelhaltigem Material gegeben. Eins der bekanntesten Verfahren der Art ist das Platinverfahren von Willis (in der Praxis oft Platindruck oder Platinotypie genannt). Willis tränkt Papier mit einer Mischung von Platinchlorürkalium und oxalsaurem Eisenoxyd in Lösung und trocknet es. Das so erhaltene Papier kommt fertig präpariert in den Handel. Es wird unter einem gewöhnlichen Negativ dem Licht ausgesetzt; dieses reduziert zunächst das Eisenoxydsalz zu Eisenoxydulsalz, welches im stande ist, wieder das Platinsalz zu metallischem, schwarzem Platin zu reduzieren, namentlich bei Einfluß der Feuchtigkeit oder beim Eintauchen in eine heiße Lösung von oxalsaurem Kalium. Dadurch kommen die Bilder, die beim Kopieren anfangs nur schwach sichtbar hervortreten, mit großer Intensität heraus und brauchen dann nur noch mit schwacher Salzsäure und Wasser gewaschen zu werden. Tonen und Fixieren wie bei Silberbildern ist nicht nötig. Die Bilder zeichnen sich durch einen sehr schönen sammetschwarzen Ton, der an Photogravüren erinnert, und durch große Haltbarkeit aus; nach E. Vogel widerstehen sie selbst der Einwirkung des Chlors.

Es giebt aber noch eine große Reihe anderer Kopierverfahren (Pausverfahren), um ohne Anwendung von Silbersalzen positive Bilder zu liefern, einerseits wirkliche Lichtkopien, andererseits Abdruck in fette Schwärze von mit Hilfe des Lichts erzeugten Druckplatten (photogr. Pressendruck). Die Mehrzahl dieser Prozesse ist auf Anwendung von Chromaten (chromsauren Salzen resp. Mischungen derselben mit Leim) gegründet. Eine Mischung von chromsaurem Alkali und Leim in Wasser gelöst erstarrt in der Kälte und wird in der Wärme wieder flüssig. Wird aber die erstarrte Masse (Gallert) hinreichend lange belichtet, so wird sie in der Wärme nicht mehr flüssig. Leim in Verbindung mit chromsaurem Kalium verliert seine Löslichkeit in warmem Wasser durch Wirkung des Lichts. Von Lichtkopierverfahren, welche auf Anwendung von Leim und chromsauren Salzen beruhen, sei das Pigmentdruckverfahren (P. au charbon, Kohledruck) erwähnt. Belichtet man eine gefärbte Schicht von chromsaurem Kalium und Leim

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 116.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 116.