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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Photographie

unter einem Negativ, so bleibt die Schicht an allen vor dem Licht geschützten Stellen löslich, an den vom Licht getroffenen nicht. Taucht man sie alsdann in warmes Wasser, so werden die löslich gebliebenen Teile ausgelöst, die übrigen bleiben zurück und liefern ein positives Bild. Dieses 1855 von Poitevin erfundene Verfahren, welches gewisse Übertragungen nötig macht, wurde später von Fargier, Swan, Johnson, Sawyer erheblich vervollkommnet, so daß es jetzt ebenso schöne Resultate liefert wie das Silberkopierverfahren, wenngleich der Prozeß nicht ganz so einfach ist. Ist der Farbstoff, welcher zum Färben der Leimschicht verwendet wurde, echt, so ist auch das damit erzeugte Pigmentbild echt, d. h. chemisch haltbar. Dagegen besitzen diese Bilder in mechan. Hinsicht nicht die Widerstandsfähigkeit der Silberbilder. Die bekannten Reproduktionen nach Handzeichnungen berühmter Meister von Braun in Dornach (s. Braun, Clément & Co.) sind in diesem Prozesse ausgeführt.

Von nicht geringer Wichtigkeit für gewisse industrielle und künstlerische Zwecke ist das Staubverfabren. Dieses gründet sich auf Anwendung einer mit chromsaurem Kalium versetzten Schicht von arab. Gummi oder Dextrin. Diese Schicht verliert im Licht ihre Klebrigkeit. Unter einer Zeichnung belichtet, bleiben die durch die schwarzen Striche geschützten Stellen klebrig, die übrigen nicht. Stäubt man nach der Belichtung ein Farbenpulver auf, so bleibt dieses nur in den vom Licht geschützten Stellen hängen; so entsteht ein Staubbild, welches, falls die Farbe feuerfest ist, auf Glas oder Porzellan eingebrannt werden kann (Photokeramik). Stäubt man Ruß auf, so erhält man eine sog. Anthrakotypie. Dieser Prozeß dient auch zum Lichtpausen. Er ist weniger sicher als das Anilinverfahren (s. Lichtpausverfahren). In dieser Weise stellte Obernetter in München zuerst in Deutschland eingebrannte Bilder auf Porzellan und Email her.

P. bei künstlichem Licht ist schon seit Mitte der fünfziger Jahre versucht worden. Man benutzte Lichtquellen, die reich an blauen Strahlen waren, z. B.indian. Weißfeuer, Magnesiumlicht, elektrisches Licht. Das letztere hatte zuerst durchschlagenden Erfolg. Man benutzt eine Bogenlampe von etwa 14000 Kerzen, die in der Mitte eines kugelförmigen Papierreflektors brennt. Ein kleiner, vor den Lichtbogen gestellter Metallspiegel hält die direkten Strahlen von der Person ab, so daß diese nun von dem diffusen Licht des Papierreflektors getroffen wird. Der photogr. Prozeß bleibt derselbe. Magnesiumlicht gewann erst Bedeutung, als man es als explosive Mischung (im Gemenge mit Schwefel oder Spießglanz und Salpeter) verwenden lernte. Die Mischung brennt nach Gädicke und Miethe in 1/40 Sekunde ab und erlaubt daher die Herstellung von Momentbildern bei künstlichem Licht (Blitzphotographie). Da die Rauchentwicklung später eintritt als die Lichtentwicklung, so stört erstere nicht. Das Verfahren ist von Bedeutung zur Aufnahme von Porträts, von dunkeln Innenräumen (Höhlen, Katakomben, Grabgewölben u. s. w.), ferner von lebenden mikroskopischen Objekten. Ein langsamer abbrennendes Magnesiumlicht erhält man nach Pissard durch Einblasen von Magnesiumpulver in eine Flamme (Blase- oder Pustlicht). Professor Cohn wies nach, daß ein Minimum von Magnesium (5 Centigramm) genügt, um in dieser Weise einen hinreichenden Lichteffekt zu erhalten. Dadurch wurde dieses Blaselicht erheblich billiger gegenüber dem oben angegebenen Verpuffungslicht, bei welchem man ein ganzes Gramm Magnesium verbrauchte. Schirm in Breslau bildete das Blaselicht zu einem besondern System aus, bei welchem mit größtem Erfolg Aufnahmen gemacht wurden, die den Tageslichtaufnahmen nichts nachgeben. Gewöhnlich werden dabei mehrere Pustlampen in Thätigkeit gesetzt, zwei bis zwölf, die alle mit Hilfe einer Kautschukbirne gleichzeitig mit Magnesiumpulver durchblasen werden und die so gestellt sind, daß die Licht- und Schattenseiten der Personen oder der Gruppen zweckmäßig verteiltes, in seiner Stärke abgewogenes Magnesiumlicht empfangen. Selbst mit Hilfe gewöhnlicher Petroleumlampen, in deren Cylinder man Magnesiumpulver fallen läßt, hat man Magnesiumbeleuchtung erzielt (Dr. Hesekiel). Die Sache ist neuerdings so erheblich vereinfacht worden, daß jeder Amateur sie ausüben kann. Das Pustlicht entwickelt übrigens erheblich weniger Rauch als das Verpuffungslicht. Letzteres brennt aber an achtmal schneller ab.

Momentphotographien (Aufnahme in möglichst kurzer Expositionszeit) sind zu erzielen bei sehr heller Beleuchtung, namentlich im Sommer und im Freien und mittels möglichst empfindlicher Platten (Gelatineplatten). Zur Erzielung der schnellen Öffnung und Schließung des Objektivs benutzt man die sog. Momentverschlüsse, deren einfachste Form eine an dem Objektiv angebrachte Coulisse ist, innerhalb welcher ein langes Brett gleitet. Das Brett enthält eine Öffnung von der Größe der Objektivöffnung. In dem Moment, wo diese am Objektiv vorbei gleitet, erfolgt die Exposition. Durch Federspannung kann man die Schnelligkeit des Verschlusses nach Belieben regeln, so daß Expositionen von 1/1000 Sekunde erreicht werden können. Man hat sogar Geschosse im Fluge damit aufgenommen. Mit größtem Erfolg hat man die Momentphotographie zum Studium der Tierbewegungen benutzt, indem man von dem bewegten Tier etwa 12-24 Momentaufnahmen innerhalb einer Sekunde macht. Die so erhaltenen Serienbilder stellen die einzelnen Phasen der Tierbewegungen (Lauf, Sprung, Flug) dar. Die Serienbilder lassen sich dann im Stroboskop (s. d.) wieder zu bewegten Bildern umwandeln. Über die Momentcameras und Serienapparate s. unten (S. 118).

Vergrößerungen. Die P. ist vorzugsweise auf kleinere Formate angewiesen, namentlich bei Aufnahme lebender unruhiger Objekte. Man hat aber mit Erfolg versucht, nach kleinern Negativen lebensgroße Bilder mit Hilfe einer der Laterna magica ähnlichen Vorrichtung herzustellen. Zu den Vergrößerungen gehören auch die Mikrophotographien, das sind vergrößerte Aufnahmen mikroskopischer Gegenstände. Die Mikrophotographien haben insofern praktische Bedeutung erlangt, als sie, mittels eines Projektionsapparats auf einen Schirm geworfen, mikroskopische Objekte einem größern Publikum vorführen können. Mehr Schwierigkeiten machte die Vergrößerung fernliegender Gegenstände, die Fernphotographie oder Telephotographie. Die Franzosen Lacombe und Mathieu erhielten 1885 dadurch Telephotographien, daß sie das Verfahren der Himmelsphotographie (s. d.) auf irdische Objekte anwandten. Bequemer in der Handhabung ist das von Miethe erfundene Teleobjektiv, das wie jedes andere