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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Photographie

Camera richtet sich auch nach dem besondern Zweck, dem sie dient.

Die Ateliercamera des Fachphotographen (s. Tafel: Photographie II, Fig.1) ist in allen Teilen solid konstruiert und mit einem kompakten Gestell versehen, dessen Tischplatte sich auf- und niederschrauben sowie neigen läßt. Bei der Reisecamera (Fig. 2 a) dagegen kommt es besonders auf Leichtigkeit und Zusammenlegbarkeit an. Das leichte Stativ läßt sich zusammenlegen, bisweilen in die Form eines Spazierstocks; die Camera bildet im zusammengelegten Zustand (Fig. 2d) einen flachen Kasten, der wie eine Handtasche getragen oder, noch besser, an einem Riemen befestigt, umgehängt wird. Die Figur stellt einen Touristenapparat dar. Momentcameras werden meist als Handapparate (ohne Stativ) ausgeführt, weil sie den bewegten Objekten möglichst ungehindert folgen müssen. Sie haben meist eine unauffällige Form (Handtasche, Koffer, Buch, Krimstecher) und führen dann die Bezeichnung Detektivcamera. Da bei der Aufnahme bewegter Bilder keine Zeit zur Einstellung ist, so sind diese Apparate mit fixer Einstellung versehen, d. h. sie besitzen Objektive mit kurzer Brennweite, die für alle Entfernungen über 5 m nahezu gleichscharfe Bilder für dieselbe Plattenstellung liefern. Wegen des Wegfalls der Visierscheibe bedürfen die Apparate zur Erhaschung des gewünschten Bildes eines Suchers, d. h. einer Vorrichtung, die das Bild in aufrechter Stellung präsentiert. Der Sucher besteht meist aus einem Spiegel, der das von einer besondern Linse erzeugte Bild nach einer auf der obern Fläche des Apparats sichtbaren Mattscheibe wirft. Die in Fig. 3 abgebildete, von E. Wünsche fabrizierte neue Detektivcamera "Matador" ist mit zwei Suchern SS für Hoch- und Queraufnahmen ausgestattet und besitzt ein Magazin (s. unten) von 12 Platten. Anschütz (s. d.) verwendet statt des Suchers bei seinem Momentapparat eine Visiervorrichtung, die aus einem Rahmen mit Fadenkreuz und einer mit dem Kreuzungspunkt korrespondierender Spitze besteht (Fig. 4). Die Taf. I, Fig. 4 zeigt ein mit einer Detektivcamera (Modell "Mars" von Wünsche) aufgenommenes Momentstraßenbild (Postplatz zu Dresden). Geheimcameras haben eine solche Gestalt, daß sie in der Kleidung (unter dem Rock oder Hut) verborgen werden können. Die Stirnsche Geheimcamera (Taf. II, Fig. 5) wird unter dem Rock oder der Weste getragen, das Objektiv wird durch ein Knopfloch gesteckt, und das Auslösen des Momentverschlusses erfolgt durch Ziehen an einer Schnur. Eine Platte reicht für sechs Aufnahmen. Sowohl Reiseapparate wie Momenthandcameras werden vorteilhaft so eingerichtet, daß die Camera eine größere Anzahl Platten enthält, und daß der Plattenwechsel innerhalb der Camera vor sich geht. Eine solche Magazincamera ist der schon erwähnte Apparat von Wünsche (Fig. 3). Bei demselben werden die einzelnen Platten durch Federkraft nach vorn an die richtige Stelle gedrückt und nach Gebrauch auf den Boden des Kastens abgelegt. Dieses Ablegen der gebrauchten Platte und das Aufziehen des Verschlusses für die nächste Aufnahme geschieht durch einen einzigen Griff (Vierteldrehung der Schraube W). Andere Apparate besitzen statt eines Magazins von einzelnen Platten eine sog. Rollkassette, bei welcher ein langer Streifen Negativpapier von einer Rolle ab- und auf eine zweite Rolle aufgewickelt wird, so daß zwischen beiden Rollen der Streifen eine große Anzahl Bilder nacheinander aufnehmen kann. Eine solche Rollkassette besitzt der in Fig. 8 abgebildete Mareysche Apparat für Serienbilder (s. unten). Die Auslösung der Momentverschlüsse (s. S. 116 b) geschieht durch Druck auf einen Knopf, oder wie bei den Geheimcameras durch Ziehen an einer Schnur, oder durch Zusammendrücken eines Gummiballs (pneumat. Auslösung).

Die erste sicher wirkende Einrichtung zur Aufnahme von Serienbildern stammt von dem Amerikaner Muybridge. Derselbe liefß 1877 in Palo Alto in Kalifornien ein Pferd vor einer Reihe von 30 Cameras vorbeitraben, deren Verschlüsse nacheinander elektrisch ausgelöst wurden. Dieselbe Anordnung benutzte später Anschütz in Lissa. Auf Taf. I, Fig. 6 - 8 sind einige Serienbilder von Anschütz wiedergegeben. Der Serienapparat von Kohlrausch besteht aus 24 Cameras, die auf einem Radkranz angeordnet sind und durch einen Schirm verdeckt werden, welcher eine Lichtspalte hat. Beim Drehen des Rades passieren die Objektive der einzelnen Cameras nacheinander die Lichtspalte, wobei die Exposition erfolgt. Marey in Paris erzielt Serienbilder mit einer einzigen Camera (Taf. II, Fig. 8). Der Momentverschluß besteht aus zwei Scheiben, die mit verschiedenen Geschwindigkeiten rotieren und nahe dem Rande runde Öffnungen tragen; fallen zwei solcher Öffnungen vor dem Objektiv zusammen, so erfolgt eine Belichtung des Streifens der Rollkassette. Mit diesem Apparat erreicht Marey so kurze Belichtungzeiten (1/20000 bis 1/40000 Sekunde), daß er unter Anwendung von direktem Sonnenlicht den Insektenflug zu fixieren im stande ist.

Die Taf. II zeigt noch einige Apparate für Specialzwecke. Fig.6 stellt den Moëssardschen Cylindrographen dar, der dazu bestimmt ist, ein in der Breitenrichtung besonders ausgedehntes Bild (Panorama) auf einmal zu erhalten und deshalb auch Panoramenapparat heißt. Das Objektiv wird während der Aufnahme gleichmäßig gedreht, wodurch nach und nach alle Stellen des cylindrisch gebogenen lichtempfindlichen Streifens belichtet werden. Eine Camera zur Aufnahme von Stereoskopbildern ist in Fig. 7 dargestellt. Die beiden Objektive haben ungefähr die gegenseitige Entfernung der menschlichen Augen und erzeugen zwei Bilder, die, im Stereoskop (s. d.) betrachtet, sich zu einem einzigen plastischen Bilde vereinigen. Fig. 8 zeigt eine einfache Anordnung zur Aufnahme einer Mikrophotographie, wozu auch jeder Projektionsapparat (s. d.) in Verbindung mit einer Camera dienen kann. Die Fig. 10 endlich führt einen Apparat vor, wie er zu photogrammetrischen Aufnahmen (s. Photogrammetrie) angewendet wird. Da für diesen Zweck eine genaue Orientierung des Apparats nötig ist, so ist derselbe mit Fernrohr, Vertikalkreis, Horizontalkreis, Libellen und einem Sucher ausgestattet. Die Figur zeigt die von Oberstlieutenant Hartl angegebene mit Phototheodolit bezeichnete Konstruktionsform.

Litteratur. I. Größere Fachwerke: Eder, Ausführliches Handbuch der P., Bd. 1,2 u. 4 (Halle 1883-94); David und Scolik, Die P. mit Bromsilbergelatine (2. Aufl., Wien 1889 -92); H.W. Vogel, Handbuch der P., Bd. 1, 2 u. 4 (4. Aufl., Berl. 1890 - 94); Encyklopädie der P. (Halle 1893 fg.). - II. Kleinere Lehrbücher und Nachschlagewerke: Eder, Rezepte und Tabellen