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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phrenopathie - Phthalsäure

u. s. w. besonders Wittich, Physiognomik und P. (Berl. 1870), und Scheve, Katechismus der P. (7. Aufl., Lpz. 1884).

Phrenopathie (grch.), Geisteskrankheit.

Phrenose, Phrenosin, s. Cerebrin.

Phrixos, der Bruder der Helle (s. d.).

Phronima, s. Flohkrebse.

Phryganeidae, s. Köcherjungfern.

Phrygien, die Centrallandschaft des westl. Kleinasiens. Die Phryger (Phrygier) oder, wie ein einheimischer Name lautete, Askanier, ein indogerman. Stamm, hatten ursprünglich den größten Teil des kleinasiat. Hinterlandes nebst den Küsten inne und trieben Viehzucht und Ackerbau. Später wurden sie auf allen Seiten zurückgedrängt. In pers. Zeit bereits erscheint als das eigentliche P. (später Großphrygien) eine Landschaft, die im N. von Paphlagonien, im O. vom Halysfluß und Lykaonien, im S. vom Taurus begrenzt wird. Im W. schließen Karien und Lydien sich an, außerdem trennt die Landschaft Mysien dieses P. von dem P. am Hellespont (später Kleinphrygien). Die Phryger hatten anfangs eigene Könige, bei denen die Namen Gordius und Midas (s. d.) fortwährend wechseln. Das Land litt im 7. Jahrh. v. Chr. durch wiederholte Einfälle der Kimmerier, wurde im 6. Jahrh. von Krösus, dann von dem Perserkönig Cyrus erobert und kam endlich unter die Herrschaft der Macedonier. Nach Alexanders Tode waren die verschiedenen Teile der Landschaft mehrfach der Gegenstand des Kampfes zwischen verschiedenen der sog. Diadochen; in Nordphrygien setzten sich um die Mitte des 3. Jahrh. v. Chr. die Galater fest. Seit 188 v. Chr. wurden nach Verdrängung der Seleuciden infolge der Regelung des Besitzstandes in Kleinasien durch den röm. Senat sowohl Groß- als Kleinphrygien als Teile des Pergamenischen Reichs anerkannt, kamen nach dem Tode Attalus' III. (133 v. Chr.) mit jenem Reiche an die Römer und erschienen später als Teil der Provinzen Asia und Galatia. Von der alten nationalen Kultur der Phryger legen nur noch die Grabmäler der Könige (darunter einige mit Inschriften in einem eigentümlichen, dem griechischen nahe verwandten Alphabet) Zeugnis ab. - Vgl. Haases Artikel P. in Ersch und Grubers "Allgemeiner Encyklopädie" (Sekt. 3, Bd. 24); Ed. Meyer, Geschichte des Altertums, Bd. 1 (Stuttg. 1884).

Phrygische Mütze, auf Kunstdenkmälern eine nach vorn herabfallende Kopfbedeckung, galt in der Französischen Revolution als Symbol des Jakobinertums (s. Freiheitsmütze).

Phrygische Tonart, s. Griechische Musik.

Phryne, griech. Hetäre (im 4. Jahrh. v. Chr.), stammte aus Thespiä in Böotien und lebte seit früher Jugend in Athen, wo sie zu großem Reichtum kam. Praxiteles hat ihre Schönheit mehrfach in seinen plastischen Werken verherrlicht, und in dem Redner Hyperides fand sie einen beredten Verteidiger, als ein von ihr verschmähter Liebhaber sie des Atheïsmus anklagte. Hyperides bewirkte ihre Freisprechung durch die kühne Enthüllung ihrer Reize vor den Richtern.

Phrynichus, aus Athen, einer der ersten Begründer der tragischen Kunst bei den Griechen, gewann bereits 511 v. Chr. zum erstenmal den Siegespreis im Trauerspiel. Noch einmal erscheint er 476 v. Chr. als Sieger auf der Bühne. Er starb im hohen Alter, vielleicht zu Syrakus am Hofe Hieros I. Den scenischen Apparat vervollkommnete er durch Einführung von Frauenmasken, und seine Chorlieder, über die sich selbst Aristophanes lobend ausspricht, wurden noch lange Zeit im Munde des Volks gehört, als seine Trauerspiele durch das Auftreten des Äschylus und Sophokles bereits in Vergessenheit gekommen waren. Unter den einzelnen Stücken, die sämtlich verloren gegangen sind, erwähnen die Alten besonders "Die Phönissen" und die "Einnahme von Milet", bei deren Aufführung kein Zuschauer sich der Thränen enthalten konnte. Der Dichter wurde indessen damals mit einer Geldbuße belegt, weil er einheimisches Unglück dargestellt habe.

Phrynichus, Phyrnidae, s. Geißelskorpione.

Phryniscidae, Familie der Oxydaktylier (s. Froschlurche) mit unvollständig entwickeltem Gehörapparat, ohne Ohrdrüsen, mit hinten freier Zunge. Diese kleine Familie besteht aus 5 Gattungen und 13 Arten, von denen die meisten das tropische Amerika, einige Australien und je eine das tropische Afrika und Java bewohnen.

Phtha (ägypt. Ptah), ägypt. Gott, s. Ägypten (Bd. 1, S. 242 a).

Phthaleine, eigentümliche Verbindungen, welche aus Phthalsäureanhydrid und Phenolen unter Wasseraustritt entstehen. So entsteht das Phenolphthaleïn beim Erhitzen von Phthalsäureanhydrid mit Phenol und konzentrierter Schwefelsäure nach folgender Gleichung:

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^[img] + 2 C6H5OH ^[img]

Phthalsäuranhydrid Phenol Phenolphtaleïn + H2O

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das Pyrogallolphthaleïn beim Erhitzen von Phthalsäureanhydrid mit Pyrogallol auf 220°. Das Phenolphthaleïn ist eine farblose, in Wasser schwer lösliche Substanz, welche bei 250° schmilzt. Es zeigt die Eigenschaften einer schwachen Säure und löst sich in Alkalien mit intensiv violettroter Farbe; durch Säuren wird die Lösung sofort wieder entfärbt, und man benutzt deshalb das Phenolphthaleïn als Indikator bei der Alkalimetrie (s. d.). Einige P. oder ihre gefärbten Natriumsalze finden als Farbstoffe Verwendung, z.B. das Fluoresceïn (s. d.). Wichtiger als das Fluoresceïn selbst sind die Chlor-, Brom-, Jod- und Nitroderivate desselben, welche unter Namen wie Eosin, Erythrin, Primerose, Erythrosin, Phlorin, Cyanosin, Rose bengale u. s. w. in den Handel kommen. Man rechnet die P. zu den Triphenylmethanfarbstoffen (s. d.).

Phthalsäure, C8H6O4 oder C6H4(COOH)2, eine künstlich erhaltene organische Säure, welche durch Oxydation des Naphthalins (s. d.) mit Salpetersäure dargestellt wird. Sie erscheint in reiner Gestalt in farblosen Blättchen oder Prismen, die sich schwer in kaltem Wasser, leichter in heißem Wasser, Alkohol und Äther lösen. In der P. befinden sich die beiden Carboxylgruppen COOH in der Orthostellung; die gewöhnliche P. wird daher auch Orthophthalsäure genannt, während die entsprechende Metaverbindung Isophthalsäure und die Para-Verbindung Terephthalsäure heißt. Die P. schmilzt bei 213° und spaltet sich bei etwas höherer Temperatur in Wasser und Phthalsäureanhydrid, C8H4O3, eine Verbindung, welche in charak-^[folgende Seite]