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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pikett; Piki; Pikieren; Pikol; Pikoline; Pikrate; Pikratpulver; Pikrinsäure; Pikrit; Pikrotoxin; Pikten; Piktenmauer; Piktographie; Pikul; Pilaf; Pilar; Pilaster; Pilatus

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Pikett (Kartenspiel) - Pilatus (Berg)

ihrerseits Feldwachen oder selbständige Unteroffizierposten vorschiebt. Zur eigenen Sicherheit stellt dasselbe einen Schnarrposten (s. d.), nötigenfalls auch einen oder mehrere Doppelposten (s. d.) zu Fuß aus. P. war früher die Bezeichnung für eine meist aus Infanterie bestehende Abteilung der Vorposten, die für die Nacht zur event. Unterstützung der Feldwachen bereit gehalten wurde. Eine Truppenabteilung "auf P. stellen" heißt soviel als dieselbe für sofortige Verwendung bereit halten.

Pikett, Kartenspiel, s. Piquetspiel.

Piki, neugriech. Name des Meters.

Pikieren (piquieren, frz.), stechen, anstacheln, reizen; in der Gartenkunst das wiederholte Verpflanzen, Verstopfen von Sämlingen in immer weitern Abständen, wodurch die jungen Pflanzen gekräftigt werden; beim Violinspiel das nicht eigentlich abgestoßene, sondern nur nicht gebundene Spiel eines schnellen Ganges mit einem Bogenstrich; pikiert, gereizt, verletzt; pikiert sein auf etwas, seine Ehre in etwas setzen, etwas darin suchen.

Pikol oder Pikul (engl. pecul oder picul, span. pico), etwa einem europ. Centner entsprechendes Handelsgewicht Ost- und Südasiens, in 100 Catties geteilt. (S. Catty.) Der verbreitetste P.ist der chinesische von 133 1/3 engl. Handelspfund = 60,179 kg; er gilt namentlich auch in Hinterindien. Auf den Philippinen wiegt der P. 137½ span.-castil. Pfund = 63,263 kg, auf Java 125 alte holländ. Troypfund = 61,521 kg.

Pikoline, s. Pyridinbasen.

Pikrate, die Salze der Pikrinsäure (s. d.); auch abgekürzte Bezeichnung der Pikratpulver (s. d.).

Pikratpulver, Pikrate, eine Klasse der Explosivstoffe (s. d.); infolge ihrer großen Brisanz dienen sie meist Sprengzwecken, seltener werden ihre ballistischen, forttreibenden Eigenschaften ausgenutzt. Der Grundstoff der P., und oftmals allein verwandt, ist die Pikrinsäure (s. d.), neuerdings namentlich zum Füllen von Sprenggeschossen in mehrern Artillerien eingeführt. Von den Verbindungen der Pikrinsäure sind die pikrinsauren Alkalien allein oder meist in Mischungen mit andern oxydierenden Körpern schon seit längerer Zeit unter verschiedenen Benennungen als Spreng- und Treibmittel bekannt. (S. Designolles Pulver, Fontaines Pulver, Baboeufs Pulver, Borlinettos Pulver, Heraklin, Grünes Pulver.) Erst in neuester Zeit jedoch (seit 1885) ist, namentlich durch die Erfindungen des franz. Chemikers Turpin, dem P. auch außerhalb Frankreichs wieder erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt worden, wozu das Geheimnis, mit dem seitens der Franzosen das Melinit umgeben wurde, und die großartigen Leistungen, welche ihm zugeschrieben wurden, das meiste beitrugen. (S. Turpins Sprengstoffe, Melinit, Lyddit.) Alle diese Erfindungen bezwecken nicht mehr, wie die ältern P., ein Schießpulver herzustellen, sondern haben nur die Verwendung als Füllmaterial von Sprengstoffen im Auge und erstreben, für diese Verwendung die hohe Brisanz der P. derart einzuschränken, daß eine Explosion bei der Fabrikation, Aufbewahrung, Handhabung und selbst bei dem starken Stoße, den die Sprenggeschosse mit ihrer Füllung beim Abfeuern des Schusses im Rohre erleiden, mit vollkommener Sicherheit ausgeschlossen ist.

Pikrinsäure, C6H2(NO2)3·OH, Trinitrophenol, Trinitromonoxybenzol, Weltersches Bitter, durch die Einwirkung von Salpetersäure aus Phenol entstehende Säure. Sie krystallisiert in hellgelben Blättchen, die sich schwer in kaltem Wasser, leicht in heißem Wasser und in Alkohol lösen, schmilzt bei 117° und verpufft beim raschen Erhitzen. Besonders explosibel sind ihre Salze, die Pikrate. Sie findet besonders zum Gelbfärben und in Verbindung mit Anilingrün (Jodgrün), Indigkarmin oder Berliner Blau zum Grünfärben von Seide und Wolle Anwendung und wird technisch in großer Menge dargestellt, da sie außer zum Färben auch noch zur Bereitung der Pikratpulver (s. d.) und des Melinits (s. d.) dient. Außerdem wird sie als Füllung moderner Sprenggeschosse in reiner Form verwendet. Ob P. als Hopfensurrogat in der Brauerei Verwendung gefunden hat, wie behauptet worden ist, ist nicht erwiesen. Eine der P. sehr ähnliche und mit ihr homologe Verbindung ist die aus dem Kresol dargestellte Trinitrokresylsäure (Trinitrokresol), deren Alkalisalze vielfache Verwendung zum Gelbfärben finden. Aus der P. sowohl als auch aus der Trinitrokresylsäure wird das Granatbraun (s. Isopurpursaures Kalium) gewonnen. Letzterer Körper kommt, da er schon bei schwacher Reibung mit Heftigkeit explodiert, in Teigform (en pâte) und, um das Austrocknen zu verhüten, mit etwas Glycerin gemischt in den Handel.

Pikrit, Gestein, s. Olivingesteine.

Pikrotoxin, ein neben dem Cocculin (s. d.) in den Kockelskörnern (s. d.) enthaltener nicht basischer Bitterstoff, der durch Ausziehen der Körner mit siedendem Alkohol und Krystallisierenlassen erhalten werden kann, nachdem man die neben dem P. in dem Auszuge enthaltenen fremden Körper durch Bleiacetat entfernt hat. Es krystallisiert in Nadeln, die einen intensiv bittern Geschmack besitzen und höchst giftig wirken.

Pikten, Volksstamm, s. Picten.

Piktenmauer, Piktenwall, s. Hadrianswall.

Piktographie (lat.-grch.), Bilderschrift (s. d.).

Pikul, Gewicht, s. Picol.

Pilaf, s. Pilau.

Pilar (span., "Pfeiler"), ein hölzerner, steinerner oder eiserner 0,9 bis 1,20 m hoher Pfeiler in Pferdeställen, welcher zwei Pferdestände trennt und an welchem der Lattierbaum (s. d.) hängt; in der Reitbahn zwei hölzerne Pfeiler, die etwa drei Schritt voneinander entfernt und mit Ringen versehen sind, in denen die Trensenzügel eines an der Hand zu dressierenden Pferdes eingeschnallt (piliert) werden; bei Holztreppen die gedrehte und meist verzierte Säule, an welcher die Handleiste befestigt ist; bei Gaslampen das kleine Messingsäulchen, das zur Verbindung des Brenners mit dem Gasarm sowie zum Aufschrauben der Garnitur für Cylinder und Schirm dient.

Pilaster (frz.), Wandpfeiler, die aus einer Wand oder aus der Ecke von Wänden hervortretenden Pfeiler, welche zur Verstärkung der Mauern, Unterstützung von Architraven oder auch bloß als Unterbrechung der großen leeren Fläche gebraucht werden (S. Lisenen, Anten.)

Pilatus, der nordöstlichste Bergstock der Emmengruppe in den Berner Alpen, erhebt sich südlich von Luzern, westlich von Stans, auf der Grenze der schweiz. Kantone Luzern und Unterwalden und besteht aus Kalksteinen der Kreide- und Nummulitenformation. Von seinen zahlreichen Gipfeln sind das Tomlishorn (2133 m), der Esel (2123 m) und das Klimsenhorn (1910 m) die bekanntesten. Früher