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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pipe - Piperonal
Brutart. Das Männchen dringt die von: Weibchen
abgelegten Eier auf dessen Nückenhaut, die alsbald
zu wuchern beginnt und Zellen um die Eier bildet.
In diese Zellen eingeschlossen machen die Jungen
die volle Entwicklung durch; die Mutter hält sich
währenddem im Wasser auf. Über die Lebensweise
der P. fehlt fast jeder Aufschluß.
Pipe oder Pipa (vom niederdeutschen iiip",
Pfcise, Röhre; also ciu langes, enges, röhrcnartiges
Faß), altes portug. und span. großes Flüssigkeits-
maß, besondere sür Wein, bei welchem dasselbe ^
noch häufig üblich ist. Am wichtigsten waren die,
P. von Oporto ^ 534 I, die P. von Malaga (von ^
!>5 Arrobas oder Cantaras) - 583 I, gelvöbnlich !
zu nur (34 Arrobas -^) 56l> 1 gerechnet und die j
eatalonische P. ^ 482 I. In Nio de Janeiro bat ^
die P. 500 I. In England hat gesetzlich die P. ^
(spr. peip) 2 Hogsheads oder Oxhoft, also bei Wein
1W Gallons.
Viper /^., Pfeffer, Pflanzengattung aus der
Familie der Piperaeeen (s. d.) mit gegen <>00 in den
Tropen und iudtropischen Gegenden verbreiteten Ar-
ten, meist strauch- oder kraut-, seltener baumartige
Gewächse, deren Stämme und 'Äste bald aufrecht
wachsen, bald klettern, einfache Blätter, unansebn-
liche grüne, auf dünnen Kolben siebende, zwitterige
oder zweihäusigc Blüten und einsanngc Beeren tra-
gen. Allgemein als Gewürz <s. Pfeffer) bekannt und
gebräuchlich sind die Beeren des sckwarzcn Pfef-
fers (1>. ni^i-um^v., s. Tafel: Polvgoninen,
Fig.4). DicVeerendesCubebcnpfeffers(I'.^N' !
I"cl>lr^.) sind unter dem Namen Eubeben (s. d.) offi-
zinell. Von dem langen Pfeffer (I'. loi^um ^.) sind !
die unreifen Frnchtähren, welche aus unter sieb ver-
wachsenen Beeren besteben, als langer Pfef-
fer oder Lammchenpfcffer gebräuchlich; diese
schmecken noch fchärfer und brennender als der
schwarze Pfeffer, kommen aber jetzt nur noch wenig !
in den Handel. Die aromatisch-brennend und bitter
schmeckenden Blätter des Betel- oder Kaupfef- ^
fers (1'. oder ^Ii^vica dotie ^>.) werden in ihrer '
Heimat mit der Vctelnuß (s. ^isc".) zum Kauen ver-
wendet. Das in den Blättern zu 0,55 Pro,;, enthal-
Icue braune Öl (Hetelöl) von angenehm teer-
artigem Geruch und brennendem Geschmack wird in
Indien gegen katarrhalische Affektionen angewendet.
Der in Peru und Chile heimifche I>. ^n^nFtiMiuni
_A. ei ^. ^i'tlintii^ eloii^t", Mi^.) liefert die Ma-
tikoblätter (s. Ätatiko), 1'. ^uin6ii8" den Aschanti-
Pfeffer, ?. ml'tli^äticuni 2^0^^. den Taumel-,
Naufch-, Awa- oder Kawapfeffer (s. d.).
Piperaceen, Pflanzenfamilie aus der Ordnung
der Polygoninen (s. d.) mit gegen 1000 in den wär-
mern Gegenden der ganzen Erde weit verbreiteten
Arten von sebr verschiedenem Habitus. Es sind kraut-
oder strauchartige Gewächse mit kletterndem oder
aufrechtem Stengel, seltener Bäume. Die Blätter
stehen wechselständig oder in Quirlen und sind meist
ganzrandig. Die Blüten sind zwitterig oder einge-
schlechtig, einPcrianthium fehlt ihuen meift vollstän-
dig , sie haben zwei bis sechs Staubgefäße, der
Fruchtknoten ist verschieden gebaut; die Frucht ist
eine Beere mit fleischigem oder trocknem Perikarp.
Zu den P. gehören viele Pfeffer und ähnliche Ge-
würze liefernde Pflanzen.
Pipcrazm, Diäthylendiamin, eine künst-
lich dargestellte organische Base von der Zusammen-
setznug l'^Ilx.X.^ P. bildet farblose, in Wasser lös-
liche Einstalle vom Schmelzpunkt 104° und vom
Siedepunkt 145° und besitzt die Eigenschaft, mit
Harnsäure leichtlösliche Salze zu liefern. Mall be-
nutzt es deshalb in täglichen Gaben von 1 bis 2 ^ als
Mittel gegen Gicht und andere Krankheiten, bei denen
Harnfäure im Organismus ausgeschieden wird.
Piperidin, eine starke orgauische Base von der
Znsammensetzung ^1^,X, welche mit Piperinsäure
verbunden im Pfefferaltaloid Piperin vorkommt.
Es taun auch auf synthetischem Wege dargestellt
werden und entstebt durch Reduktion von Pyridin.
Es ist eine farblofe, stark psefferartig riechende Flüs-
sigkeit, welche bei 1W° siedet und sich mit Wasser
mischt. Seine Salze mit säuren krystallisieren gut.
Piperin, l'^H^XO^, eine in den verschiedenen
Pfefferarten vorkommende schwache organische Base,
die man aus dem weißen Pfeffer durch Ausziehen
mit Alkohol erhält. Es bildet farblose Prismen, ist
geschmack- und geruchlos und in Wasser fast unlös-
lich. Seine alkobolische Lösung schmeckt icharf nach
Pfeffer. Mit Kalilösung gekocht, zerfällt das P.
in eine neue Base, das Pipcridin (s. d.), und in
Viperin säure, (V^iuO.!, oder deren Kaliumsalz.
Die freie Säure ist in Wasser fast unlöslich und
irvstallisiert in Nadeln vom Schmelzpunkt 217°. P.
wird zu konzentrierten Wurstgewürzen an Stelle
von Pfeffer verarbeitet und dient als Ausgangv-
matcrial für die Gewinnnng des Piperonals ss. d.).
Piperno, Stadt im Kreis Frosinone der ital.
Provinz Rom, rechts am Amaseno (im Altertum
Amasenu5), östlich von den Pontinischen Sümpfen,
am Südfuß der Monti Lepini sVolskergebirge), an
der Linie Rom-Terracina des Mittclmcernetzes, Bi-
schofssitz, bat (188!) 57.^2 E. Nördlich die'Ruinen
des alten Privernuin.
Piperonäl, Heliotropin, eine Verbindung
von der Zusammensetzung ('"IlgO^, Methylenäther
des Protolatechnaldclwdv, s^I1,(6lI())(0.2('II.2). P.
entstebt dei der ^rydation von piperinsaurem.Kalium
init.Naliumpermangauat und bildet in Wasser schwer
lösliche, glänzende, farblose Krystalle, welche bei 37"
schmelzen, bei 2()3" sieden, einen sehr angenehmen
beliotropähnlichen Geruch besitzen und große Ver-
wendung in der Parfümerie finden. Das Kilo-
gramm kostet im Großhandel 80 M.