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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pla - Plafondmalerei
Pla, Hasen an der Sklavenküste, s. Groß-Popo.
Plaatfe, s. Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6,
S. 628 d).
?1a.o2.^o (frz., spr. plakahsch'), soviel wie Four-
nierplatten und fournierte Arbeit (s. Fournieren).
Placard (frz., spr. plakahr), Thür-, Schrankoer-
kleidung; auch soviel wie Plakat.
Placemcnt (frz., spr. plaßmäng), das Aufstellen;
Dienst, Anstellung: Anlage, Unterbringung (von
Geld und Anleihen), Absatz (von Waren).
Placönta (lat.), Mutterkuchen, Frucht-
kuchen, das im Grunde der schwangern Gebär-
mutter gelegene Organ, durch welches das Ei fest
an die Gebärmutter angeheftet wird und durch dessen
Vermittelung das Blut des Embryos (s. d.) jene
chem. Veränderungen erfährt, die es zur Ernährung
des letztern geeignet machen. Die menschliche P.
besitzt die Gestalt eines flachen länglich-runden
Kuchens von 15 bis 18 cm Durchmesser, 2 bis 4 cm
Dicke und 0,5 bis 0,?5 Icx Gewicht, besteht aus einem
weichen, schwammigen, äußerst gefäßreichen Gewebe
und entwickelt sich teils ans den Zotten des Cho-
rions, der mittelsten Eihautdes Embryos, teils aus
der Gcbärmutterschleimhaut selbst. In dem Maße,
als hier die kindlichen und mütterlichen Blutgefäße
cman^^ ^.Mcgenwachscn und in innige allseitige
Berührung treten, erfolgt durch die zarten Gefäsi-
wandungen hindurch ein reger Stoffaustausch zwi-
schen dem mütterlichen und kindlichen Blute, der
für die Ernährung und weitere Entwicklung des
Embryos von der größten Bedeutung ist. Krankbaste
Lostrennungen und Entartungen der P. bewirken
das Absterben der Frucht und geben eine häufige
Ursache der Fehlgeburt (s. d.) ab. Die abnorme Lage
des Mutterkuchens am innern Muttermund (?1k-
centa pi'NLvi<T) kann während der Geburt Anlaß zu
lebensgefährlichen Blutungen geben und erheischt
sosortige ärztliche Hilfe (möglichst schnelle Beendi-
gung der Geburt durch Wendung oder Anlegung der
Zange). Bald nach der Geburt des Kindes wird
auch die P. samt den Eihauten als sog. Nach-
geburt von der Gebärmutter losgetrennt und aus-
gcstoßen. - über P. in der Botanik s. Gynaceum.
?i2.oontia., der lat. Name von Piacenza (s. d.).
Placet (vom lat. piacst, "es gefüllt", das als
Zustimmungs-, Vcjahungssormcl besonders der
Bischöfe auf Konzilien gebraucht wird), auch I'Ia-
cewin i-^win, die von der Staatsgewalt bean-
spruchte Befugnis, eine Präventivcensur gegen-
über den Erlassen kirchlicher Autoritäten aus-
zuüben, so daß diese ohne die staatliche Genehmi-
gung nicht veröffentlicht werden dürfen. Schon
während des Mittelalters ist das P. ausgebildet wor-
den, zuerst in Bayern, und findet sich auch in moder-
nen Gesetzgebungen trotz der kirchlichen Verurteilung
des Instituts. In Deutschland hat sich der Rechts-
stand dahin gestaltet, daß eine Anzahl von Staaten
(z. V. Preußen) auf jede präventive Maßnahme
kirchlichen Erlassen gegenüber verzichtet, andere
(Bayern) das P. in vollem Umfang selbst für dog-
matische Entscheidungen beibebalten haben, noch
andere (Sachsen, Württemberg) für Anordnungen,
welche in bürgerliche oder staatsbürgerliche Ver-
bältnisse eingreifen oder nicht rein geistlicke Gegen-
stände betreffen, dasselbe festhalten, wahrend Er-
lasse rein kirchlicher Natur der Staatsregierung bei
der Publikation nur zur Einsicht zu unterbreiten
sind, womit die österr. Gesetzgebung sich bei allen
bischöfl. Erlassen begnügt. Der evangelischen
Kirche gegenüber ist im allgemeinen ein P. bis
jetzt nickt für nötig erachtet worden. Das neue
preuß. Recht, welches der evang. Kirche eine selb-
ständige Gesetzgebung eingeräumt hat, fordert für
Kirchengesetze, bevor sie dem Landesherrn zur ober-
bischöfl. Sanktion unterbreitet werden, ein P. des
Gesamtstaarsministeriums. - Vgl. Hinschius, Sy-
stem des katb. Kirchenrechts, Bd. 3 (Berl. 1879-83);
Marauardien, ^andbuck des öffentlichen Rechts,
Bd. 1 (Freib. i. Br. 1883 - 87).
Plachmal, Zwischenprodukt einer früher üb-
lichen, jetzt jedoch verlassenen Methode der Golo-
sckeidung, bei der das güldische Silber mit Schwcfel-
antimon zusammengeschmolzen wurde. Das Silber
verbindet sich dabei mit dem Schwefel, während das
Gold mit dem Antimon zusammentritt. Die beim
Erkalten sich von dem Antimongold sondernde Masse
von Scbwefelsilber und Schwefelantimon wurde als
P. bezeichnet.
Placidia Galla, Tocktor des rö'm. Kaisers
Theodosius I. von seiner zweiten Gemahlin Galla,
kam 408 n. Cbr. bei der Kapitulation von Rom als
Geisel in das Heerlager des Westgotenkönigs Ala-
rich; hier gewann sie die Liebe seines Schwagers
und Nachfolgers Athaulf, der im Jan. 414 sich mit
ihr zu Narbonne vermählte. Nachdem aber Athaulf
im Juli 415 zu Barcelona ermordet worden war,
kehrte P. G. 416 nach Ravenna zu ihrem Bruder
Honorius zurück, der sie (Jan. 417) dem illyr. Heer-
meister (und seit 42l) auch Mitregenten) Constantius
zur Gemahlin gab. Aus dieser Ehe stammte der
spätere Kaiser Valentinian III. (geb. 419) und die
Prinzessin Honoria. Constantius starb schon 421,
und P. G. führte seit 425, wo ihr Sohn mit dem
Purpur gesckmückt wurde, für ihn die Regent-
schaft. Sie starb 27. Nov. 450 zu Rom und wurde
in einer noch erhaltenen prachtvollen Grabkapelle
zu Ravenna beigesetzt.
Placieren (frz., spr. plaß-), an einen Platz stel-
len, setzen; einen Dienst verschaffen; unterbringen
(s. Placement).
I>1a.oitnm (lat.), Gutachten, Willensmeümng;
?. imi)0i-ii, Beschluß der Neichsstände.
Plackage (spr.-ahsche, frz. Mcags), s. Beklei-
dung (in der Vefestigungskunst).
Placodermen oder Panzerganoidfiscke,
Fiscke paläozoischer Schichten von teilweise bedeuten-
der Größe und sehr seltsamer Form, die statt des
Schuppenkleides ganz oder teilweise mit fest an-
einander gefügten, großen und dicken Knochenplatten
bepanzert waren. Wichtige Gattungen der P., be-
sonders in Rußland, England und Amerika ge-
funden, sind I'tEI'ÄL^iZ, OL^iaiaspiZ, ^0CcO3t6U8,
?t6i'iclltw'8, I)mi0Utkv3, 'liwinciitli^. - Vgl.
die Werke über P. von L. Agassiz, Pander, Traquair
und Newberry.
?1a.ooän8 ^4i/., ein Halisaurier (s. d.) und Ana-
logon der pyknodontcn Fische (s. Pyknodonten) unter
jenen, deren Gaumen mit zahlreichen, bis 2,5 cm
breiten, rundlichen Mahlzä'bnen förmlich gepflastert
waren. Die Zähne des 1'. kommen in der deutschen
Trias vor, die meisten Schädel wurden bei Vayreuth
ausgegraben, daneben fanden sich enorm lange,
bikonkave Glieder der Wirbelsäule. Nahe verwandt
ist (vVÄUI0än3.
I'iI.ooVlioi'2., s. Käferschnecken.
Plafond (frz., spr. -föng), die stäche Decke des
Innenraums eines Gebäudes.
Plafondmalerei, s. Deckenmalerei.