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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Platodes; Platon; Platonische Liebe; Platonisches Jahr; Platow

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Platodes - Platow

Könige oder die Könige Philosophen werden", besagt, daß das Staatswesen auf Wissenschaft gegründet werden müsse, und zwar zuletzt auf die Wissenschaft vom Guten. Wissenschaft, und zwar die ganze, von der niedersten bis zur höchsten Stufe, soll durch den Staat zum Instrument der Erziehung, aller Erziehung, zuletzt der Erziehung zur höchsten Sittlichkeit werden. Dabei beachtet P. sehr wohl die realen Grundlagen jeder Gesellschaftsordnung; sein "Staat" bemüht sich ihnen gerecht zu werden und dabei doch sein ideales Ziel fest im Auge zu behalten. Dadurch kommt denn freilich ein gewisser Zwiespalt auch in sein Staatssystem, den auch er selber offenbar wohl empfand. Durch eine schroffe Scheidung der Stände, einer bloß für die materiellen Grundlagen des Staates sorgenden Klasse von Arbeitern und Gewerbtreibenden, einer von aller Erwerbspflicht befreiten, spartanisch organisierten Kriegerklasse und einer daraus hervorgehenden, durch gründlichste wissenschaftliche Vorbildung vorbereiteten regierenden Klasse sucht er jenen verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden. Die Allgewalt des Staates wird dabei in ganz socialistischem Sinne überspannt, der Wert der Individualität, die Freiheit des Einzelnen verkannt, Familie und Privateigentum wenigstens für die obere Klasse aufgehoben, auch die Kunst schlechterdings in den Dienst der sittlichen Erziehung gestellt; Justiz und Gesetzgebung werden überflüssig. Von der Durchführbarkeit seines Staatsideals ist P. fest überzeugt. Erst in seinem Alter zeigt er sich in dieser Beziehung zu Konzessionen bereit und liefert in seinem letzten Werke, den "Gesetzen", die Darstellung des "zweitbesten Staates", in dem die wissenschaftlichen Anforderungen an die regierende Klasse sehr herabgestimmt, dagegen der Religion ein Anteil an der Organisation des Staatslebens zugewiesen wird, von dem das frühere Werk nichts weiß. Doch schaltet P. mit den religiösen Vorstellungen völlig souverän, sie sind ihm durchaus nichts mehr als Erziehungsmittel. So tief religiös sein eigener Sinn ist, über Mythus und Kult ist er weit hinaus; er rationalisiert und ethisiert den religiösen Glauben, er löst ihn eigentlich auf in die Erkenntnis der ewigen Ideenwelt. - Der geschichtliche Einfluß der Platonischen Philosophie ist ein kaum zu ermessender gewesen, über die Entwicklung seiner Schule s. Akademie. Die Neuplatoniker (s. d.) haben das große Verdienst, seine Ideen dem Mittelalter und der beginnenden Neuzeit, freilich nicht in voller Reinheit, lebendig erhalten zu haben. Die Renaissance ist ganz vom Platonischen oder Neuplatonischen Geiste durchtränkt, aber auch die moderne Philosophie, besonders die deutsche, ist von ihm tiefer erfüllt, als es zunächst den Anschein hat. Kants Grundgedanken stehen den Platonischen so nahe, daß es schwerer ist, zu sagen, was beide fundamental unterscheidet, als was sie gemein haben.

P.s Werke wurden herausgegeben von Stephanus (3 Bde., Par. 1578), Stallbaum (8 Bde., Lpz. 1821-25), Imm. Bekker (11 Bde., Lond. 1826), Baiter, Orelli und Winkelmann (2 Tle., Zür. 1839-42), K. F. Hermann (6 Bde., Lpz. 1851-53; neue Ausg. 1873), Schanz (2 Bde., ebd. 1875-77). Übersetzungen lieferten (mit Einleitungen) Schleiermacher (Tl. 1 u. 2, 3. Aufl. und Tl. 3, Bd. 1, 2. Aufl., Berl. 1855-62) und H. Müller (mit Einleitungen von K. Steinhart, 9 Bde., Lpz. 1850-73).

Vgl. K. F. Hermann, Geschichte und System der Platonischen Philosophie (Bd. 1, Heidelb. 1839); Zeller, Platonische Studien (Tüb. 1839); Susemihl, Die genetische Entwicklung der Platonischen Philosophie (2 Bde., Lpz. 1855-60); Überweg, Untersuchungen über die Echtheit und Zeitfolge Platonischer Schriften (Wien 1861); H. von Stein, Sieben Bücher zur Geschichte des Platonismus (Gött. 1862-75); Ribbing, Genetische Darstellung der Platonischen Ideenlehre (deutsch 2 Bde., Lpz. 1863-64); G. Grote, Platon and the other companians of Socrates (3. Aufl., 3 Bde., Lond. 1875); Bonitz, Platonische Studien (3. Aufl., Berl. 1886); Zeller, Philosophie der Griechen, Tl. 2, Abteil. 1 (4. Aufl., Lpz. 1889); Zorn, Platonstudien (Wien 1893); Huit, La vie et l'œuvre de P. (2 Bde., Par. 1893). Eine vorzügliche zusammenfassende Übersicht der Platonischen Lehre giebt Brandis im 2. Teil seines "Handbuchs der Geschichte der griech.-röm. Philosophie" (Berl. 1843); eine Übersicht der Platonischen Litteratur lieferte Teuffel (Tüb. 1874); weitere Litteratur bei Überweg, Grundriß der Geschichte der Philosophie des Altertums, Tl. 1 (7. Aufl., Berl. 1886).

Platodes, s. Plattwürmer.

Platon, s. Plato.

Platonische Liebe, das Verhältnis zweier Personen verschiedenen Geschlechts, die eine gegenseitige Liebe ohne sinnliche Regungen verbindet. Man hat mit diesem seltsamen Begriff an den Namen Platos angeknüpft, der von der niedern sinnlichen eine höhere, rein geistige Liebe (Eros) unterscheidet, die auf der gemeinsamen Erhebung zum Ewigen, Göttlichen, der Idee beruht (s. Plato) und mit dem Verhältnis der Geschlechter zu einander nichts zu thun hat; der Eros dient bei Plato nur als sinnbildlicher Ausdruck für die Philosophie als das gemeinsame Streben zur ewigen Wahrheit, wobei der Lehrer dem Liebenden, der Lernende dem Geliebten entspricht. Der moderne Sinn der P. L. entstand daraus, indem man sich eine gleiche, den sinnlichen Trieb überwindende Vergeistigung der Geschlechtsliebe dachte.

Platonisches Jahr, s. Jahr.

Platow (spr. -tóff), Matwej Iwanowitsch, Graf, russ. General und Ataman des Donischen Heers, geb. 17. (6.) Aug. 1751 zu Asow, trat 1765 in das Kosakenheer, focht 1770 gegen die Türken, diente unter Suworow 1782 und 1783 am Kuban und in der Krim, zeichnete sich 1788 beim Sturm auf Otschakow, 1789 vor Akjerman und Bender und 1790 vor Ismail aus. 1801 von Alexander I. zum Generallieutenant und Ataman des Donischen Heers ernannt, veranlaßte P. die Erbauung von Nowotscherkaßk, welches Sitz der Landesverwaltung wurde. P. kämpfte sodann im Kriege gegen die Franzosen 1805-7, bemächtigte sich im türk. Feldzug von 1809 der Stadt Hirsova und trug zu den Siegen bei Rassewat und Kalipetri bei. Im Kriege von 1812 unternahm er nach der Zerstörung von Moskau mit 20 Kosakenpolks und einer Infanteriebrigade die Verfolgung des im Abzug begriffenen Feindes. Nach Überschreitung der Grenze bemächtigte er sich der preuß. Städte Marienwerder, Marienburg, Dirschau und Elbing, schlug den General Lefèbvre 28. Mai 1813 bei Altenburg und verfolgte nach der Schlacht bei Leipzig den Feind bis an den Rhein. In Frankreich erstürmte er Nemours, besetzte Arcis und Versailles und zog mit den Verbündeten in Paris ein. P. wurde 1812 in den Grafenstand erhoben. Er starb 15. Jan. 1818 am Don und wurde in Nowotscherkaßk begraben, wo man ihm 1853 ein Denkmal errichtete.