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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Plejaden - Pleschen
Außer den genannten werden Va'i'f, Velleau, Tcs-
portes, Jodelte, Iamin, Thiard oder auch Muret,
Daurat u. a. zur P. gezählt.
Plejaden (grch. Pleiadcn), die Töcktcr des
Atlas und derPle'ione, sieben an der Zahl, gaben sich
aus Schmerz über das Geschick ihres Vaters selbst
den Tod und bildeten, von Zeus an den Himmel
versetzt, das Siebengestirn (s. d.). Nach einer andern
Sage waren sie Gefährtinnen der Artemis, wurden
nebst ihrer Mutter von dem Jäger Orion verfolgt,
auf ihr Flehen in Tauben verwandelt und dann unter
die Sterne versetzt. Ihre Namen sind Elcktra, Maia,
Taygete, Alkyone, Kelaino, Sterope und Merope.
Durch ihren Frühaufgaug (gegen Mitte Mai) zeig-
ten sie die Nähe der "Ernte an, durch ibren Früb-
untergang (Ausgang Oktober), zu welcher Zeit die
Regengüsse begannen, gaben sie das Zeichen zum
Pflügen und zur neuen Aussaat.
Plektron (grch.; lat. pisctruin), im Altertum
das aus Holz, Elfenbein oder Metall bestebende ge-
rade oder gebogene Stäbchen, womit der Spielende
mit der rechten Hand die Saiten der musikalischen
Instrumente anschlug, falls er sich dazu nicht der
Finger bediente. ^s. Plenum.
Plenarsitzung, Plenarversammlung,
Plener, Ernst, Edler von, österr. Staatsmann,
geb. 18. Okt. 1841 zu Eger, Sohn des folgenden,
studierte in Wien und Berlin Staatswissenschaften,
trat 1865 in den diplomat. Dienst und war der
österr. Votschaft in Paris und London attackiert.
1873 verließ er den Staatsdienst und wurde in
demselben Jahre von der Egcrer Handelskammer
in das Abgeordnetenhaus gewählt, wo er ebenso
wie im böhm. Landtag, dem er seit 1878 angebört,
namentlich in wirtschaftlichen und finanziellen Fra-
gen das Wort ergriff und, besonders nachdem sich
Herbst zurückgezogen hatte, die Führerschaft der
liberalen Deutschen übernahm. Gegen die slawisch-
klerikale Richtung des Ministeriums Taaffe trat er
in die schärfste Opposition, und unter seinem Ein-
fluß ersolgte 1888 der Zusammenschluß des Deut-
schen und des Deutschösterreichischen Klubs zu der
Vereinigten Deutschen Linken, deren Obmann er
wurde. Bei den böhm. Ausgleichsverhandlungen
war er 1890 hervorragend beteiligt, ohne die An-
nahme der gesaßten Beschlüsse im böhm. Landtage
durchsetzen zu können. Besonders energisch trat er
für die geplante Reform der österr.-ungar. Wab-
rungsverbältnisse ein, und als Nov. 1893 das Mi-
nisterium Taaffe zu Fall gekommen war, übernahm
er in dem Koalitionskabinett Windischgrätz das
Finanzministerium und hatte nun Gelegenheit, die
Währungsrcform weiter fortzuführen. P. veröffent-
lichte mehrere volkswirtschaftliche Arbeiten, darunter
"Die engl. Fabrikgesetzgebung" (Wien 1871), "Engl.
Baugenossenschaften" (ebd. 1873), "Ferdinand Las-
salle" (Lpz.1883), "DreiReden über böhm.Sprachen-
recht" (Prag 1880).
Plener, Ignaz, Edler von, österr. Staatsmann,
geb. 21. Mai 1810 zu Wien, studierte daselbst die
Rechte, trat 1836 in den Staatsdienst, wurde zum
Oberfinanzrat ernannt und erhielt 1851 eine außer-
ordentliche Mission nach Budapest, wo die Einfüh-
rung der indirekten Steuern in Ungarn seine Thä-
tigkeit in Anspruch nahm. 1854 wurde P. an die
Spitze der Finanzlandesdirektion in Preßburg und
1857 als Ministerialrat und Finanzlandesdirektor
nach Lemberg berufen. Nach dem April 1860 er-
folgten Tode Brucks erhielt P. die provisorische Lei-
tung des Finanzministeriums, das er bei der Bil-
dung des Kabinetts Schmerling Dez. 1860 definitiv
übernahm. Nebst vielen andern Vorlagen brachte
er die Bankakte und die Reform der direkten Be-
steuerung bei dem Reichsrat ein. Mit Schmerling
nahm auch P. 1865 seine Entlassung. Nach der
Sistierung der Verfassung zeigte er sich als ent-
schiedenen Gegner der Belcredischen Politik im Land-
tag und im Rcichsrat. 1867 trat er mit Herbst,
Giskra, Vrestel und Kasner in das vom Fürsten
Carlos Auersperg gebildete sog. Bürgerministerium
als Zandelsminister ein und blieb es bis zu dem
1870 erfolgten System- und Regierungswechsel. P.
gehörte als Abgeordneter von Eger dem böhm.
Landtage und dem Abgeordnetenhause des Reichs-
rats an, bis er 13. Okt. 1873 als lebenslängliches
Mitglied in das Herrenhaus berufen wurde.
Plenilunium (lat.), Vollmond.
Plenipotönz (nculat.), soviel wie ?i6iu pou-
voii-; Plenipotentiarius (frz. Ninigti'6 pleni-
M6ntiaii-6), Bevollmächtigter, namentlich bevoll-
mächtigter Gesandter.
Plenterbetrieb, s. Femelbetrieb.
Plenterschlagbetrieb, s. Femelscklagbetrieb.
Plenum (lat.), Plenarsitzung, Plenarver-
sammlung, die Versammlung eiues ganzen Kolle-
giums, bildet bei polit. Körperschaften (Bundesrat,
Reickstag, Landtage u. s. w.) derart die Regel, daß
nur die Vorberatung der Geschäfte durch Abteilungen,
Kommissionen, Ausschüsse u. dgl. erfolgt. Bei Ge-
richten entscheiden die einzelnen Abteilungen (Se-
nate, Kammern) selbständig, tritt das P. nur aus-
nahmsweise für gewisfe, im Gesetz besonders be-
stimmte Fälle zusammen. Den Vorsitz im P. führt
nach dem Neichsgerichtsverfassungsgesetz (§§. 61,
121,131) der Präsident. Dem P. des Reichsgerichts
weist das Gerichtsverfassungsgesetz gewisse Disci-
plinarbefugnisse über seine Mitglieder zu <§§. 128,
129, 131). Plenarentscheidüngen des Reichs-
gerichts über Rechtsfragen sind auch zur Erhaltung
der Nechtseinheit vorgesehen (s. Reichsgericht und
Nechtseinheit).
?1enu8 vsntsr non stuäst libsntsr, lat.
Sprichwort: Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Pleochro'l'smus (grch.), s. Dichroismus.
Pleonasmus (grch.), eigentlich Überfluß, ein
selbstverständlicher Zusatz, wie "alter Greis", "ge-
wöhnlich pflegen". In der verstandesmäßigen Dar-
stellung ein Febler und an die Tautologie (s. d.)
streifend, wird der P. zur Redefigur, wenn er ab-
sichtlich des Nachdrucks ("mit diesen meinen eigenen
Augen babe ich es gesehen") oder der Veranschau-
lichung ("grünes Gras") wegen angewendet wird.
Pleonäst, Mineral, s. Spinell.
Pleorama (grch.), s. Panorama.
?1eo8pör2., Pilzgattung, deren Mycelien und
Conidienträger unter den Namen OlaäoZpoi-ium,
8p(n'id63inwin u. a. den Ruhtau (s. d.) erzeugen.
Pleschen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Vez. Posen,
hat 480,81 hkm und (1890) 31820 (14 814 männl.,
17 006 weibl.) E., 1 Stadt, 72 Landgemeinden und
56 Gutsbezirke. - 2) P., poln. ?i6826>v, Kreisstadt
im Kreis P., links an dem zur Prosna gehenden
Nerbach und an der Linie Posen-Kreuzburg der
Preuh. Etaatsbabnen, Sitz des Landratsamtes,
eines Amtsgerichts (Landgericht Ostrowo) und einer
Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 6126 E., darunter
1519 Evangelische und 654 Israeliten, Postamt
erster Klasse, Telegraph, cvang. und kath. Kirche,