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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Plesiosaurus - Plethora
Bürgerschule und Gymnasialabteilung, höhere Mäd-
chenschule, zwei Waisenhäuser, Schlachthaus; zwei
Dampfmahl- und eine -Schneidemühle, Dachpappe-
fabrik , zahlreiche Windmühlen, vier Destillationen,
Kunsttischlerei und Drechslerei.
?1ssi032.nru8, ausgestorbenes Reptilienge-
schlecht, dessen Überreste vom Lias bis zur Kreide
gefunden worden sind. Diese Tiere besaßen einen
sehr langen Hals, im Verhältnis länger noch als
der eines Schwanes, und einen kleinen Kopf mit
großen Augenhöhlen ohne knöcherne Ringe und
wirkliche, die Elemente von fünf Zehen enthaltende
Flossen statt der Füße, ähnlich wie die Ichthyosauren
(s. Ic1it1^o8auru8), von denen sie sich in der all-
gemeinen Erscheinung am meisten durch den langen
Hals und den kurzen Schwanz unterscheiden. Die
zahlreichen Zähne waren nach Art der Schlangen-
zähne dünn, spitz, etwas hakenförmig nach hinten
gekrümmt und längsgestreift. Die Skelette diefcr
Tiere liegen in den Steinschichten gewöhnlich auf
dem Bauche und strecken alle vier Gliedmaßen weit
von sich. Die Arten erreichen gewöhnlich nur 1,5 bis
3 m Länge; doch giebt es einige, welche doppelt so
groß sind. Die Gattung 1'. gehört einer gröhern
Familie von schwimmenden Reptilien an, die man
Sauropterygier genannt hat.
Plefkau, Pleskow, russ. Stadt, s. Pskow.
Pleß, Fürstentum im preuh. Reg.-Bez. Oppeln,
ehemalige Standesherrschaft, auf der rechten Oder-
seite, nördlich und westlich der Weichsel und westlich
der Przemsa, bildet die südöstl. Spitze der preuß.
Provinz Schlesien und umfaßt beinahe den ganzen
Kreis Pleß (s. d.) sowie einen Teil des Kreises Katto-
witz. Das Fürstentum zählt auf etwa 800 ywn
75000 meist poln. E., darunter 7000 Evangelische
und 1800 Israeliten. Die Bodenoberfläche bildet
fast überall eine Ebene, nur im N. und NW. sind
kleinere Höhen, bei Nikolai und Orzesche.
Die Standesherrschaft, deren Besitzer einen An-
teil an den drei Kuriatstimmen auf dem fchles. Pro-
vinziallandtag hat, gehörte seit 1548 den 1785 er-
loschenen Reichsgrafen von Promnitz, von denen
Graf Erdmann seine Tochter an den Fürsten August
Ludwig von Anhalt-Cöthen vermählte und deren
zweitem Sohne Friedrich Erdmann 21. Juni 1765
die freie Standesherrschaft P. schenkte, wodurch
dieser der Stifter der Linie Anhalt-Cöthen-
Pleß wurde. Als diese 23. Nov. 1847 mit dem
Tode des Fürsten Heinrich ausstarb, siel P. an dessen
Neffen, den Grafen Hans Heinrich X. von Hochberg,
der 15. Okt. 1850 in den nach dem Recht der Erst-
geburt vererbenden preuft. Fürstenstand mit dem
Titel eines Fürsten von P. erhoben ward. 1861
erfolgte die Verleihung des Prädikats "Durchlaucht",
1881 diejenige des Prinzentitels an den jedesmaligen
ältesten Sohn des jeweiligen Fürsten von P. Gegen-
wärtiger Fürst ist seit 20. Dez. 1855 Hans Hein-
richs X. Sohn Hans Heinrich XI., Fürst von P.,
Graf von Hochberg, Freiherr zu Fürstenstein, geb.
10. Sept. 1833, seit 1863 erbliches Mitglied des
preuß. Herrenhauses und bis 1893 Chef des preuß.
Hofjagdamtes. Er gehörte 1867 dem Konstituieren-
den Reichstag und 1867 - 70 dem ordentlichen
Reichstage des Norddeutschen Bundes an. Auch
war er 1871 - 78 Mitglied des Deutschen Reichs-
tags , wo er der Deutschen Neichspartci angehörte.
Im Deutsch-Französischen Kriege von 1871 war er
königl. Kommissar und Militärmspecteur der Frei-
willigen Krankenpflege bei der Armee im Felde.
1890 wurde er zum Mitgliede des preuß. Staats-
rates ernannt.
Pleß. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Oppeln,
hat 1063,18 hkm und (1890) 96 266 (44957 männl.,
51309 weibl.) E., 3 Städte, 104 Landgemeinden
und 91 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis P.,
an der Psinka und der Linie Kattowitz-Dzieditz der
Preusi. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, der
Verwaltungsbehörden des Fürstentums P., eines
Amtsgerichts (Landgericht Gleiwitz) und Steuer-
amtes, hat (1890) 4084 E., darunter 1041 Evange-
lische und 339 Israeliten, in Garnison die 2. Es-
kadron des Ulancnregiments von Katzler Nr. 2,
Postamt erster Klasse, Telegraph, drei Kirchen, Resi-
denzschloß des Fürsten von P., Gymnasium, Lehre-
rinnenseminar, höhere Mädchenschule, Johannvter-
lazarett, Waisenhaus, Wasserwerk, Gasanstalt; Mol-
kerei, Spiritusbrcnnereien und Dampfmühle. Nahe-
bei das Gestüt Luisenhof des Fürsten von P.
Pleß, früherer Name von Iosefstadt (s. d.).
Plessidi, Gebirge, s. Pelion. Mediz.).
Plessimeter, Plessimetrie (grch.), s. Perkussion
Pleffur, rechter Nebenfluh des Rheins im schweiz.
Kanton Graubründen. Die P. entspringt mit zwei
Quellbächen, dem Aroserwasser und dem Sapün-
bach, im Hintergrunde des schluchtartigen Schanfigg,
nimmt links die Nabiufa aus dem Thal von Chur-
walden auf und tritt durch einen Engpaß bei Chur
in das Nheinthal, um 2,5 km unterhalb durch einen
Kanal zu münden. Von der Gabel (1276 m) der
Quellbäche bis zur Mündung (558 m) beträgt die
Fluhlänge 16 km, das Gefalle 718 m.
Plefsuralpen, s. Ostalpen V (Bd. 12, S. 696 d).
Plessys Grün, s. Chromgrün.
Plethomelie, Polymelie (grch.), das Vor-
handensein von überzähligen Körperteilen, z. B.
6 Fingern (Polydaktylie), 3 Brüsten u. dgl.
(S. auch Mißbildungen.)
Plethon, Georgios Genüstos, byzant. Gelehr-
ter, geb. in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh, zu
Konstantinopel, war lange Führer einer philos.
Schule zu Misithra im Peloponnes, auch viel mit
socialpolit.Rcformplänen beschäftigt, kam mit Kaiser
Johannes VIII. Paläologos zum Konzil in Ferrara
nach Italien, wo er bis zu seiner Rückkehr nach
Griechenland (1441) in elegantem Griechisch für die
Verbreitung eines mystischen, mit heidn. Tbeurgie
verquickten Neuplatonismus wirkte und den Anstoß
zu der später von den Mediceern gestifteten Plato-
nischen Akademie gab. Er starb im Juni 1452 oder
bald darauf. Am besten zeigt seine Ansichten die
Schrift, die u. d. T. "HX-^cov^ vo^cov 5^7?n(?^ ^a
5(O^^.5V"" Alexandre (mit franz. Übersetzung, Par.
1858) herausgab. Seine staatswissenschaftlichen
Denkschriften über den Peloponnes gab Ellissen
(Lpz. 1860) vervollständigt heraus. Seine Geschichte
Griechenlands nach der Schlacht bei Mantinea (hg.
von Reichard, Lpz. 1770) ist bloße Kompilation.
- Vgl. F. Schultze, P. und seine reform. Be-
strebungen (Bd. 1 der "Geschichte der Philosophie
der Renaissance", Jena 1874).
Plethora (grch.), der Vlutreichtum des ganzen
Körpers (die Vollblütigkeit ein Zeichen guter
Gesundheit) oder der einzelnen Teile (s. Blut-
andrang). Als die Gesamtblutmenge des Erwach-
senen wird ein Zwölftel bis ein Vicr^cbntel des
Körpergewichts angenommen; beim Neugeborenen
ist sie geringer, im Durchschnitt nur ein Neunzehntel;
im höhern Alter nimmt sie gleichfalls ab.