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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Poggendorff - Pogorzela
rührte die links vom Lulua gelegene Residenz Mu-
kenges und vereinigte sich am Aukambasee wieder
mit Wißmann. Beide gelangten 1882 zur Nesidenz
des Häuptlings Katschüsch von Koto, 16. April an
den Lualaba (obern Kongo) und trafen 17. April in
Niangwe ein. Während Wihmann die vierte Durch-
querung des Erdteils vollendete, ging P. Anfang
Mai in Eilmärschen den vorher durchmessenen Weg
nach der Hauptstadt des Mukenge zurück. Er starb
17. März 1884 in Loanda. Am 19. Sept. 1885
wurde ihm zu Rostock eine Bronzestatue gesetzt.
Poggendorff, Joh. Christian, Physiker, geb.
29. Dez. 1796 zu Hamburg, lernte als Apo-
theker und studierte dann in Berlin Chemie und
Physik. P. war seit 1834 Professor an der Univer-
sität zu Berlin, wo er 24. Jan. 1877 starb. 1821
erschien in der "Isis" seine erste wissenschaftliche Ab-
handlung: "über den Magnetismus der Voltaschen
Säule", besonders wichtig durch die erste Entwick-
lung der Principien des Multiplikators (Galvano-
meters) und seiner Anwendung, welche Entdeckung
auch Schweigger in Halle zugeschrieben wird. Ferner
verdankt man P. die Erfindung (1826) des später
auch von Gauß beschriebenen Spiegelmagnetome-
ters sowie eine Reihe wertvoller Untersuchungen,
namentlich im Gebiete der Elektricitütslehre. An
Gilberts Stelle übernahm er 1824 die Redaktion
der "Annalen der Physik und Chemie", die er seit-
dem ununterbrochen herausgab. Mit Licbig ver-
band er sich zur Herausgabe eines "Handwörterbuchs
der Chemie", von dem er aber nach dem Schluß des
ersten Bandes (1842) sich größtenteils zurückzog.
1863 veröffentlichte er ein 8400 Naturforscher behan-
delndes "Biographisch-littcrar. Handwörterbuch zur
Geschichte der exakten Wissenschaften" (2 Bde., Lpz.
1857-63), dem er als Vorläufer die "Lcbenslinien
zur Geschichte der exakten Wissenschaften" (Berl.
1853) vorausgeschickt hatte. Seine Biographie fin-
det sich in Bd. 160 der seit Mai 1877 von G. Wiede-
mann in Leipzig herausgegebenen "Annalen".-
Vgl. ferner Frommel, I. Ch. P., Leichenrede nebst
eigenbändigen Lebensnachrichten, Reden und Brie-
fen (Berl. 1877).
Poggibonsi (spr. poddschi-), Stadt in der ital.
Provinz und im Kreis Siena, an der Elsa und der
Linie Florenz-Empoli-Siena und P.-Colle di Val
d'Elsa (8 km) des Mittelmeernetzes, hat (1881)
3788, als Gemeinde 8440 E., schöne Villen und
auf der Höbe die frühere Festung mit dem Kloster
San Lucchese, dessen Kirche ein Altarbild von Pin-
turicchio und dessen ehemaliges Refektorium Fresken
von Gerino da Pistoja enthält.
Poggio Bracciolmi (spr. poddscko brattscko-),
Gian-Francesco, ital. Humanist, geb. 1380 zu Ter-
ranuova bei Florenz, Schüler des'Johann von Ra-
vcnna. Seit 1404 päpstl. Sekretär, war er mit Jo-
hann XXIII. auf dem Konstanzer Konzil. Von hier
aus mackte er Reisen in der Schweiz, Deutschland
und Frankreich und fand zahlreiche Werke der röm.
Litteratur auf. Ein Aufenthalt in England ent-
fremdete ihn ftr eine Zeit lang den klassischen Stu-
dien, aber 1423 nahm er sie in Rom wieder eifrig
auf. Seit 1434 lebte er in Florenz, wurde 1453 da-
selbst Kanzler und starb 30.Okt. 1459. Einen Haupt-
teil seiner litterar. Zlrbeiten bilden moral-philos. Trak-
tate, meist in Dialogform, die die sittlichen Schäden
der Zeit in anziehender Sprache schonungslos auf-
decken. Große Berühmtheit erlangten sein "leider
kkcktiarum" (s. Facetien), eine Sammlung von Anek-
doten (zuerst Rom 1470), meist schlüpfrigen Inhalts.
Am liebenswürdigsten erscheint P. B. in seinen Brie-
fen. Auch als Historiker bat er sich mit der "lliLtoi-ig.
^lorentina", 1350-1455 umfassend (abgedruckt bei
Muratori, "Ileruili Italicarum ^i^orez prae"
Seine "Opera" erschienen (unvollständig) 1510 zu
Straßburg, am besten 1538 zu Basel, von Beoel
besorgt. - Vgl. Shepherd, I^ils ol I>. L. (Liper-
pool 1802; italienisch von Tonelli, Flor. 1825);
Nisard, 1^68 ^I^äi^teurä äs 1a, repudii^us ä68 !et-
tl68, Bd. 1 (Par. 1860). ^s. Almissa.
Poglizza (Poljica), Landstrich in Dalmatien,
Poaodin, Michael Petrowitsch, russ. Historiker
und Altertumsforscher, geb. 23. (11.) Nov. 1800 in
Moskau, studierte an der dortigen Universität und
wurde 1833 daselbst Professor der allgemeinen, 1835
der russ. Geschichte, welche Stellung er 1849 nieder-
legte. P. starb 20. (8.) Dez. 1875. Seinen Ruf als
Gelehrter begründete er durch seine Dissertation
"Über den Ursprung Rußlands" (1825). Tarauf
machte und veranlaßte er die Übersetzung verscbiede-
ner Geschichtswerke <von Guizot, Robertson, Schlö-
zer u. a.) ins Russische, redigierte die "Russ.-tüstor.
Sammlung" der "Gesellschaft für russ. Geschichte
und Altertümer" (7 Bde., Mosk. 1837-44) und
gab eine "Allgemeine histor. Bibliothek" heraus
(20 Tle., ebd. 1838-42). Auch übersetzte er Goetdes
"Gö'tz von Berlichingen", schrieb Dramen und No-
vellen. Seine Haupttbätigkeit war aber dem Stu-
dium der slaw. Altertümer gewidmet. Von den auf
seinen umfangreichen Reisen in Rußland, Westeuropa
und den west- und südslaw. Ländern erworbenen
Sammlungen seines bekannten Museums (Dl6vn6>
cdlHniliäce) gingen Handschriften, Drucke und Auto-
graphen in den Besitz der Öffentlichen Bibliotdek
über. Zugleich bemühte er sich, Ruftand zum Hort
des Panslawismus zumachen, und verfolgte diesen
Zweck in Denkschriften an die russ. Regierung und
in den "Polit. Briefen" (deutsch, Lpz. 1860), "die in
Handschriften cirkulierten und erst 1874 zu Moskau
im Original gedruckt wurden. Seine Bemühungen
hatten den Erfolg, daß an den russ. Universitäten
Lehrstühle für die slaw. Sprachen und Litteraturen
errichtet wurden. Für die Geschichte der slaw. Wie-
derbelebung wichtig sind die an P. gerichteten
"Bricse aus den ^lawenlündcrn. 1855-61" (dg.
von N. Popow, Mosk. 1879 - 80). Von seinen
histor. Schriften ist vor allem zu erwähnen "Nestor,
eine histor.-kritische Untersuchung über den Ursprung
der russ. Annalen" (Mosk. 1839; deutsch von F. Löwe,
Petersb. 1844), ferner: "Alte russ. Geschichte bis
zum Mongolenjoch" (1872; später Bd. 1 u. 2 der
"Sämtlichen Werke"), "Die siebzebn ersten Lebens-
jabre des Kaisers Peters d. Gr." (1875), die "Ma-
terialien zur Biographie des Generals Iermolow"
(1864), die "Biographie Karamsins" (2 Bde., Mosk.
1866). Seine histor. Arbeiten sind zum Teil ge-
sammelt u. d. T.'. "Forschungen, Bemerkungen und
Vorlesungen über russ. Geschichte" (Mosk. 1846-
59) und "Histor.-kritische Fragmente" (Bd. 1, ebd.
1846; Bd. 2, 1867). Journalistisch thätig war
P. als Herausgeber der Zeitschriften "HIozkovLk^
Vö8wik" (1827-30), "^oäkvitMnin" (1841-56)
und "Ru8Lki^". Eine Gesamtausgabe seiner Werke
erschien zu Moskau <5 Bde., 1876). - Vgl. Barfu-
kow, Leben und Werke P.s (Mosk. 1888).
Pogorzela ^ Stadt im Kreis Koschmin des
preuß. Reg.-Bez. Posen, hat (1890) 1525 E., dar-