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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polarisationsapparate - Polarlicht
Polarisationsapparate, Vorrichtungen zur
Beobachtung der Erscheinungen im polarisierten
Licht (s. Polarisation). Eine der einfachsten Formen
der P. ist die von Nörrenberg angegebene. Auf die
ungefähr um 35° gegen die Vertikale geneigte Glas-
platte (^v (den Polariseur) fällt das Himmels-
licht in der Richtung m n, wird polarisiert und in der
Richtung 110 auf den Spiegel der Fuhplatte ^, von
hier aufwärts in der Rich-
tung 0n auf den geschwärz-
ten Glasspiegel I)' (den
Analyseur) reflektiert.
Steht die Reflerionsebene
desselben senkrecht zu jener
der Glasplatte OD, so
wird von dem obern Spie-
gel kein Licht reflektiert
und das Gesichtsfeld er-
scheint für den Hinein-
sehenden dunkel. Es bleibt
^n dunkel, wenn ein einfach-
brechender Körper, z. B.
eine Glasplatte, auf den
Tisch 15 gelegt wird. Eine
achsenparallel geschnittene
Quarzplatte hingegen er-
scheint hell auf dunklem
Grunde, und zwar am hell-
sten, wenn deren Achse 45°
mit den beiden gekreuzten
Reflexionsebenen von lüv
und 1)^ einschließt. Genügend dünne Quarzplatten
zeigen sich farbig. Ein sehr einsacher Polarisations-
apparat ist noch die Turmalinzange (s. d.).
Auherdem wurde eine große Anzahl verschieden-
artig eingerichteter P. zu besondern Zwecken, auch
zur mikroskopischen Beobachtung, hergestellt. An
den bequemer eingerichteten P. ist gewöhnlich der
Analyseur, oft aber auch der Polariseur durch ein
Nicolsches Prisma (s. d.) ersetzt.
Polarifationsbatterie, soviel wie Ladungs-
säule (s. d.).
Polarifator, Polariseur (spr. -söhr), s. Po-
larisation und Polarisationsapparate.
Polarisköp, s. Polarisation.
Polarissima, ein Stern 9. Größe, der von
allen Sternen dem Himmelspol am nächsten steht.
Polarität (neulat.), das Vorhandensein zweier
Polarkoordinaten, s. Koordinaten. ^Pole.
Polarkreise, die Parallelkreise (s. d.) von 66^°
nördl. (nördl. Polarkreis) und südl. Br. (südl. Polar-
kreis). Sie trennen die Polarzonen (s. d.) von den
Gemäßigten Ionen (s. d.).
Polarländer, die um Nord- und Südpol bis
zu, den Polarkreisen oder besser innerhalb der 0° Iso-
thermen des Jahres gelegenen Länder; man unter-
scheidet Eüdpolarländer d. d.) und Nordpolarländer
(s. d.); doch versteht man unter P. oft nur die letz-
tern, weil von den erstern sehr wenig bekannt ist.
Polarlicht, das in den höhern Breiten der bei-
den Erdhälften bald nur in schwacher Lichtentwick-
lung, bald in großem Glänze sich entfaltende, auf
der Nordbemisphäre Nordlicht (Aurora doi-6Hii8),
auf der Südhemisphäre Süd licht oder Austral-
licht (^ni-01'3. HULtraiis) genannte Eigenlicht der
Erde. In der schwächsten Entwicklung erscheint es
als matter, oft in mittlern Breiten noch sichtbarer
Lichischleier, Polarlichthelle oder Polarlicht-
prozeh genannt, während bei stärkerer Entwicklung
es in Bogen-, Bänder-, Strahlen-, Draperie-, Licht-
gewölkeform, in höchster Entwicklung in der Kronen-
bildung, in der mannigfaltigsten Weise den Be-
obachter überrascht, in der verschiedenartigsten Lickt-
intensität wechselnd, selten die Helle der Vollmond-
beleuchtung erreichend oder gar überschreitend. Das
Licht ist meistens weiß oder gelblich, bei stärkern Er-
scheinungen grünlich, bläulich, rötlich, violett u. s. w.
gefärbt und rötet bei großen Erscheinungen oft den
Himmel in weiter Ausdehnung. Nnter dem Bo-
gen erscheint vielfach der Raum auffallend dunkel.
(S. die Abbildungen der Tafel: Polarlicht.)
Am häufigsten tritt das P., was die nördl.
Halbkugel anlangt, in einer Linie auf, die auf der
Karte der Nordpolarländer verzeichnet ist.
Diese Linie ist zugleich nahe, vielleickt ganz zu-
sammenfallend mit jener, in der das Nordlicht an
allen Stellen des Himmels auftreten kann, wäbrend
es in niedern Breiten stets gegen den Pol, in höhern
Breiten meist gegen den Äquator hin erscheint. Je
weniger das P. über den Horizont steigt, um so
seltener wird es beobachtet, so daß es beispielsweise
auf einer Linie Brest, Brüssel, Stettin, Wologda,
Beresow, Ochotsk, Salem (Oregon), Salt-Lake-City,
St. Louis, Kap Hatteras, Brest durchschnittlich sechs-
mal seltener gesehen wird als auf einer Linie Nord-
irland, Schottland, Kristiania, Mesen, Ooisches
Meer in -l- 70°, Werchne-Kolymsk, Bai von Ana-
dyr, nördl. Alaska, Charlotte-Insel, Cumberland-
house, Quebec, Neuschottland, Nordirland. Ent-
sprechend ändert sich die Häufigkeit und Richtung
der Sichtbarkeit bei dem Südlicht; hierfür fehlen
jedoch die notwendigen Beobachtungen, um ein
System von Linien gleicher Häufigkeit (Isochas-
m en, s. d.) bestimmen zu können. Starke Südlichter
werden sichtbar in ganz Australien, Südamerika,
Südafrika, im Indischen Ocean bis mindestens zu
den Inseln Reunion und Mauritius.
Die Höhen, in denen das P. sich entwickelt, sind
im ganzen sehr bedeutend; es steigt indessen in den
Zonen größter Häufigkeit nahe zur Erdoberfläche
herab, wie nicht nur ältere, oft mit Unrecht bestrit-
tene Beobachtungen, sondern auch Messungen der
Neuzeit (namentlich von Paulsen in Godthaab) dar-
thaten. Die Ausdehnung parallel zur Erdober-
fläche ist häufig sehr beschränkt (lokal), so daß nur
wenige Stationen die gleiche Erscheinung wadr-
nehmen, zeitweise jedoch so bedeutend, daß das Licht
von den Polen bis nahe zum Äquator und min-
destens über 300 Längengrade sich erstreckt. Bei
den großen Erscheinungen von 1859 blieb es nur
auf einem Gürtel von weniger als 20° Breite
zu beiden Seiten des Äquators unsichtbar. Die
Dauer der P. bemißt sich zuweilen nur nach Mi-
nuten , oft nach Stunden und kann selbst für mitt-
lere Breiten die Nächte durch dauernd mehrere Tage
hintereinander wiederkehren oder in Ländern mit
ununterbrochener Winternacht tagelang sichtbar
bleiben. P. bilden nicht immer einen geschlossenen
Lichtgürtel um die Lichtpole; sie treten häusig selbst
bei klarem Himmel nur lokal auf. Man darf sich
deshalb die von Nordenskiöld konstruierten fünf
Zonen verschiedenartig auftretender Erscheinungen:
"Lichtnebel", "regelmäßige Bogen", "Bogen durch
Zenith und nahe dabei "^"strahlendes P." und (zu
äußerst) "Draperie- und ^tr ahlenlichter bei seltener
Bogenbildung" nicht allzuscharf begrenzt vorstellen.
Das P. ist eine periodische Erscheinung mit
bestimmten Wendepunkten, Das tägliche Maxi-