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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polierheu - Polignano a Mare
aus der Holzoberfläche äußerst dünn und gleichmäßig
und trocknet sofort ein. Sehr wichtig ist es, daß das
zum Schleifen des Holzes verwendete Öl vor dem
P. möglichst entfernt werde, weil dasselbe sonst leicht
durch die Politur schlägt und nach einiger Zeit auf
der Oberfläche matte Flecken bildet, die nur durch
erneutes P. zu beseitigen sind.
P. nennt man auch das Bohnen (s. d.) der Parkett-
fußböden.
In der Schrotsabrikation versteht man unter
P. das Umhüllen der Schrote mit einem dünnen
Überzug von Graphit.
Pollerheu, Pflanze, s. Nqui86wm.
Polierrot, s. Eisenoxyd und Policren.
Polierschachtelhalm, Pflanze, s. I^qni36win.
Polierschiefer, s. Kieselgur.
Polierstahl, ein Instrument von glasbartcm
Stahl mit hölzernem Griffe zum Gebrauch der Vtetall-
arbciter, insbesondere der Graveure und Kupfer-
stecher; dasselbe ist auf zwei Seiten abgeplattet und
von je nach Gestalt und Größe der Arbeitsstücke
wechselnder Form. Der P. wird für ganz feine Ar-
beiten nadelartig dünn hergestellt und dann Polier-
nadel genannt.
Polignac (spr. -linjäck), altes franz. Geschlecht,
das 1385 im Mannsstamm ausstarb und von dem
Gatten der Erbtochter, Guillaume von Chalancon,
der den Namen P. annahm, fortgesetzt wurde. Ar-
mand XVI. von P. (gest. 1692) hinterlieft zwei
Söhne. Der jünaere, Melchior de P., geb. 11.Okt.
1661 zu Puy-en-Velay, trat in den geistlichen Stand.
Als Abbe' zeigte er an der Seite des Kardinals
Bouillon in den Verhandlungen Ludwigs XIV. mit
dem Papst Alexander VIII. große Gewandtheit.
1693 wurde er als franz. Botschafter nach Polen
gesendet, um Johann Sobieski zu einem Bündnis
mit Frankreich gegen Asterreich zu bewegen und
nach Sobieskis Tode die poln. Königswahl auf den
franz. Prinzen Conti zu leiten, was ihm jedoch
mißlang. 1706 schickte ihn der König nach Rom,
1712 beteiligte er sich bei den Friedensverband-
lungen zu Utrecht. Zur Belohnung erhielt P. die
Kardinalswürde. Als Anhänger des alten Hofs
verwickelte er sich während der Regentschaft des
Herzogs von Orleans in die Verschwörung des
Fürsten Cellamarc. 1725 durste er auf sein Ver-
langen als Gesandter nach Rom gehen, wo er sich
durch Sinn für Kunst und Altertumskunde sehr be-
liebt machte. Er kehrte 1732 nach Frankreich in sein
Erzbistum Auch zurück, das er 1726 erhalten hatte,
und starb 3. April 1742. P. hinterließ unter an-
derm ein die Philosophie der Alten vom christl.-
the'istischen Standpunkt widerlegendes Gedicht, den
"^nti-I^uci'6tiu8, Live äs Dso 6t natura" (2 Bde.,
Par. 1745 u. ö.). Sein Leben beschrieb Faucher
(2 Bde., ebd. 1777).
Dessen Großneffe Jules de P., der erst Graf und
1780 Herzog wurde, heiratete 1767 Gabriele Io-
lande Martine von Polastron. Diese war
1749 geboren, kam acht Jahre nach ihrer Vermäh-
lung an den Hof und wurde die innigste Vertraute
der Königin Marie Antoinette und später Gouver-
nante der königl. Kinder. Im Verein mit dem Gra-
fen Artois, dem spätern Karl X., bildete die P. um
die Königin einen engen Kreis, aus dem die Kabalen
gegen die Neformbestrebungcn Ludwigs XVI. her-
vorgingen. Schon im Juli 1789 verlieh die Familie
P. mit dem Grafen Artois und dem Prinzen Conde'
Frankreich. Nachdem die Herzogin 9. Dez. 1793 zu
Wien gestorben war, ging ihr Gemahl mit seinen
Kindern nach Rußland, wo ibnen Katharina und
ihre Nachfolger bedeutende Ländercicn schenkten.
Nach der Restauration erhielt der Herzog von Lud-
wig XVIII. die erbliche Pairswürde, blieb jedoch in
Rußland und starb dort 21. Sept. 1817. Das Leben
der Herzogin beschrieb W. Schlesinger (Par. 1889).
Armand Jules Marie Höraclius, Her-
zog von P., geb. 17. Jan. 1771, der älteste Sohn
des vorigen, trat mit seinem Bruder Jules (s. unten)
der Verschwörung Cadoudals (s. d.) gegen Bonaparte
bei. Beide wurden Febr. 1804 zu Paris verhaftet
und zum Tode verurteilt, Armands Gemahlin er-
wirkte jedoch durch die Kaiserin Iosephine die Ver-
wandlung der Strafe in Gefangenschaft. Als die
Verbündeten 1814 in Frankreich eindrangen, wußten
sich die Brüder ihrer Haft zu entledigen, suchten den
Grafen Artois zu Vcsoul auf und gingen dann mit
geheimen Instruktionen nach Paris, wo sie zuerst
31. März die Farbe der Vourbons aufsteckten. Nach
der Restauration zeigte sich Armand, gleich seinen
Brüdern, als einen der heftigsten Ultraroyalisten.
1815 trat er in die Kammer und wurde Adjutant
des Grafen Artois, nach dessen Thronbesteigung
Großstallmeister. Von seinem Vater erbte er 2Ä7
die Pairswürde. Nach der Iulirevolution begleitete
er Karl X. ins Exil. Der König von Bayern erhob
ihn 1838 in den erblichen Fürstenstand. Er starb
2. März 1847.
Jules Auguste Armand Marie, erst Gras,
dann Fürst von P., geb. 14. Mai 1780, der zweite
Sobn des Herzogs Jules von P., wurde wegen
Teilnahme an der Verschwörung Cadoudals wie
sein Bruder eingekerkert und erhielt erst 1814 die
Freiheit, wurde nach der Restauration Martichal-de-
Camp und bewies sich als entschiedener Ultra. Als
ihn Ludwig XVIII. im März 1816 zum Pair er-
nannte, verweigerte er den konstitutionellen Eid,
so daß erst der Papst seine Bedenken heben mußte.
Letzterer belohnte auch 1820 seine Bemühungen für
den Katholicismus durch die Erhebung zum röm.
Fürsten. 1823 übertrug ihm der König den Ge-
sandtschaftsposten am Hofe zu London. Als das
Ministerium Martignac 1829 seiner Auflösung ent-
gegenging, übernahm P. 8. Aug. die Verwaltung
des Auswärtigen mit der Leitung des neuen Kabi-
netts. In dieser Stellung betrieb und unterzeichnete
er die Ordonnanzen vom 25. Juli 1830, die die
Julirevolution und den Sturz der Dynastie nach
sich zogen. (S. Frankreich, Bd. 7, S. 101 d.) P.
begleitete Karl X. auf der Flucht nach Cherbourg,
kehrte aber um und wurde 15. Aug. 1830 zu St. Lö
verhaftet und nach Vincennes abgeführt. Obschon
ihn sein edler Gegner Martignac mit großem Geschick
verteidigte, wurde er doch 21. Dez. von der Pairs-
kammer zu ewigem Gefängnis und bürgerlichem
Tode verurteilt. Durch die Amnestie vom 29. Nov.
1836 erhielt er seine Freiheit zurück und ließ sich in
England nieder. Während seiner Gefangenschaft
schrieb er "^onäiäei-lUionZ politiyuLL" (Par. 1832).
Er starb 29. März 1847 zu Paris. Jetziges Haupt der
Familie ist sein Enkel Prinz Armand Hiraclius
Maria, geb. 14. Juni 1843.
Polignano a Märe (spr.-liniahno), Hafen-
stadt in der ital. Provinz und im Kreis Bari delle
Puglic, auf einer steilen und grottenreichen Fels-
wand (24 m) am Meere, an der Bahn Bari-Brindisi
des Adriatischen Netzes, ist Bischofssitz, hat (1881)
7818 E., Schiffahrt und Fischerei.