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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pollux; Polna; Polnisch-Brandenburgischer Krieg; Polnische Bank; Polnische Dame; Polnische Legion; Polnische Litteratur

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Pollux (Stern) - Polnische Litteratur

kleine Partien, die äußerlich reinem Kampfer ähnlich aussehen.

Pollux, Stern zweiter Größe, einer der beiden Hauptsterne im Sternbild der Zwillinge.

Pollux (grch. Polydeukes), s. Dioskuren.

Polna, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Deutsch-Brod in Böhmen, am Schlapankabache und an der Linie Wien-Tetschen (Station P.-Stecken) der Nordwestbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (99,72 qkm, 9102 czech. E.), hat (1890) als Gemeinde 4923 czech. E., Stadtpfarrkirche, an der Stelle einer ältern, 1705 durch den Fürsten Leopold von Dietrichstein im ital. Stil erbaut, mit berühmter Orgel; Dietrichsteinsches Schloß zwischen zwei Teichen, durch Brand verwüstet und zum Teil verfallen und unbewohnt; Stärke- und Sirupfabrik, Glasschleiferei und Brauereien.

Polnisch-Brandenburgischer Krieg von 1655 bis 1657, s. Schwedisch-Polnisch-Brandenburgisch-Dänischer Krieg von 1655 bis 1660.

Polnische Bank, s. Reichsbank, Russische.

Polnische Dame, s. Damenspiel.

Polnische Legion, insbesondere die 1796 zu Mailand vom General Dombrowski und zu Straßburg i. E. von Kniaziewicz mit Genehmigung der franz. Regierung errichteten Truppen, die von 1798 bis 1800 mit Auszeichnung in Italien fochten. Die ehedem in Straßburg errichtete P. L. wurde nach Santo Domingo geschickt und ging dort durch das Klima und die Kämpfe mit den Negern zu Grunde. Eine andere P. L. ist 1854 seitens der brit. Regierung aus in England und Frankreich lebenden und fahnenflüchtigen Polen unter Graf Zamoyski in der Stärke von zwei Kavallerieregimentern errichtet worden; sie nahm am Orientkriege im Korps des Generals Vivian teil und wurde nach dem Frieden größtenteils in den türk. Dienst übernommen. In Frankreich ward 1870 unter Jaroslaw Dombrowski eine P. L. in der Stärke von einem Bataillon Infanterie und einer Schwadron Ulanen bei der Vogesenarmee Garibaldis errichtet.

Polnische Litteratur. Mittelalter. Die späte Annahme des Christentums, ungünstige äußere und ökonomische Verhältnisse, Mangel an einem höfischen oder städtischen Leben, die Dürftigkeit der spärlichen Unterrichtsanstalten, endlich das Vorwiegen fremder Elemente im geistlichen, dem einzigen gebildeten Stande erklären die langsame Entwicklung der Litteratur, die, von Fremden zuerst gepflegt, sich der lat. Sprache bediente. Erst die Konsolidierung des Staates unter den beiden letzten Piasten, die Begründung der Krakauer Universität durch König Kasimir 1364, welche, 1400 unter König Władysław neu eingerichtet, während des 15. Jahrh. zum Brennpunkte der geistigen Thätigkeit für den Norden wurde, ferner die Beziehungen zu Italien und die unmittelbare Einwirkung des Humanismus, verkörpert in dem hochgebildeten Gregor von Sanok (gest. 1477 als Erzbischof von Lemberg) und in dem Dichter, Historiker und Staatsmann Filipp Buonacorsi Kallimach (gest. 1496 in Krakau), endlich die rasch steigende Kultur der Städte und des Adels gaben der Litteratur eine sichere Grundlage der Entwicklung. Die hervorragendsten Leistungen gehören der Geschichtschreibung an (gesammelt in den "Monumenta Poloniae historica", Bd. 1-6, 1862-93; vgl. Zeißberg, Die poln. Geschichtschreibung des Mittelalters, Lpz. 1873), so z. B. die Chroniken des sog. Martinus Gallus, Kadłubek, das Hauptwerk des Długosz. In der juridischen Litteratur (vgl. "Starodawne prawa polskiego pomniki", Bd. 1-10, 1856-92) sind zu nennen die durch König Kasimir angeregte Sammlung der Landesrechte (Statut von Wislica), die polit. Schrift des Ostrorog u. a.; in der theol.-homiletischen namentlich die Werke des Nikolaus von Błonie, die auch im Auslande verbreitet waren. Besondere Pflege fanden mathem. und astron. Wissenschaften an der Universität im Ausgange des 15. Jahrh., wo Kopernikus hier studierte, durch Wojciech Brudzewski (gest. 1497), Johannes von Glogau (gest. 1507) u. a.

Die Litteratur in der Landessprache lehnte sich in Ausdruck, Wahl, wie Bearbeitung der Stoffe an die ältere und reichere böhmische an. Ihre ältesten Denkmäler sind die Heiligenkreuzer Predigten (Fragmente, gefunden und hg. von A. Brückner, 1890), die Gnesener Predigten, der Psalter (eine Kopie für König Sigismunds Gemahlin im St. Florianskloster bei Linz, hg. von Graf Borkowski, Wien 1834, und von Nehring, Bresl. 1884), alle aus dem 14. Jahrh.; die Bibel (Kopie in Sáros-Patak, hg. von Małecki als "Bibel der Königin Sophie", Lemb. 1872), Gebetbücher (des Wacław, der Nawojka) und Traktate, das Statut von Wislica (mehrere Übersetzungen) und Denkmäler Magdeburgischen Rechts u. a. Daneben finden sich zahlreiche religiöse Lieder, darunter als ältestes und berühmtestes das nationale Marienlied "Bogn Rodzica" (angeblich vom heil. Adalbert, aus dem 14. Jahrh.), didaktische Gedichte ("Tischzucht des Słota", der interessante satir. Dialog "De morte" u. a.), die Alexiuslegende, histor. Lieder (auf die Schlacht von Tannenberg u. a.). Um 1474 war die erste Buchdruckerei in Krakau thätig, 1491 druckte hier Sweipolt Fiol kirchenslawisch, doch richtete erst der Buchhändler Joh. Haller ständige Druckereien ein.

Neuzeit. 16. Jahrhundert. Das Ansehen des Reichs und die langen Friedensperioden, der materielle Wohlstand der privilegierten Klassen, eine Menge von Schulen (die Krakauer Universität mit ihren vielen Kolonien, die Jesuitenakademie in Wilna seit 1579, die Akademie des Jan Zamojski in Zamosć seit 1594, zahlreiche prot. Anstalten) und der rege Besuch ausländischer, zumal ital. Universitäten (Padua), der vorbildliche Einfluß des ital. Humanismus und der antiken Klassiker, endlich die geistigen Kämpfe im Gefolge der Reformation brachten die Litteratur zu großer Blüte. Das Latein herrschte bis 1560 noch immer entschieden vor in den Werken vieler neulat. Dichter (deren bedeutendster Cl. Janicius, gest. 1543, war), in der Geschichtschreibung (Matthias von Miechow, Dezius, Vapovius, M. Kromer), in der polit. Litteratur (bei Fricius und Orzechowski, später Wolan und Warszewicki), in der pädagogischen (Maricius "de scholis"), in der theologisch-apologetischen. Polnisch wurden seit 1521 gedruckt: Volksbücher, Komödien, Teile der Heiligen Schrift, populär-mediz. Werke u. dgl. Erst die Reformation bediente sich der Landessprache als des wichtigsten Hebels ihrer Propaganda, brachte Übersetzungen der Heiligen Schrift (Neues Testament, Königsb. 1551 u. ö.; Calvinische Bibel, Brzesć 1563; antitrinitarische, Nieswiez 1573), Predigten (zahlreiche Postillenwerke, Übersetzungen und Originale des Rej; des Gregor von Zarnowiec, deutsch 1596), Kirchenlieder (Übersetzung aus dem Czechischen, Königsb. 1554; Originalsamm-^[folgende Seite]