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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polypodium - Polysiphonia
artige finden sich nnr wenige. Die Wedel sind sehr
verschieden, ebenso die Form der Sori. Die Spo-
rangien besitzen einen vertikalen unvollständigen
Ring und springen durch einen Querriß auf.
?o1^poÄinlu 1^., eine der artenreichsten Farn-
gattungen aus der Familie der Polypodiaceen (s. d.),
die sich durch nackte (schleierlose) runde Fruchtbäus-
chen auszeichnet. Die Mehrheit ihrer Arten wächst
innerhalb der Wendekreise und unter diesen giebt es
viele durch Größe und Schönheit ausgezeichnete (z. B.
1'. Hureum ^v. in Westindien, mit kolossalen fiedcr-
spaltigen Wedeln). Unter den wenigen deutfchen
Arten, im allgemeinen Tüpfelfarn genannt, ver-
dient das Engelsüß (1^. vul^Äi-t) ^., s. Tafel: Ge-
fäßkryptogamen, Fig. 1) hervorgehoben zu wer-
den. Dieses in Fels- und Mauerspalten, seltener
an Baumstämmen wachsende Farnkraut hat einen
kriechenden, dicht mit rostbraunen Schuppen (Spreu-
blättern) bedeckten, verzweigten Wurzelstock und etwa
.Wcm lange, gestielte Wedel nlit fiederteiliger Blatt-
fläche, an deren unterer Seite die großen runden,
schön rostgelbenFruchtbäufchen (".natürliche Größe,
I' eins vergrößert) reihenweise stehen. Der süß
schmeckende Wurzelstock wurde früher unter dem
Namen I^äix I^ol^poäii oder Naclix I^iliciiwc
äuicis in der Heilkunde als auflösendes Mittel bei
Husten und Heiserkeit angewendet.
Polhyomedüfen (?tt1)p0me(1u8a6), eine Klasse
der Cölenteraten, in der die neuere Zoologie die
Hydroidpolypen (s. d.) mit den in ihren Entwictlungs-
kreis gehörenden Medusengenerationen sowie die
höher organisierten Nesselquallen oder Akalephen
(s. d.) und die Schwimmpolypen (s. d.) oder Sipbono-
phoren vereinigt. Ihnen stellt man gewöhnlich als
zweite Klasse die Korallenpolypen oder Anthozoen
(s. d.) gegenüber.
?oiPporbi, Unterabteilung der Pilzfamilie der
Hymenomyceten (s. d.).
?o1^pöru3 ^-., Löcherpilz, Pilzgattung aus
der Familie der Hymenomyceten (s. d.) mit gegen
300 Arten, von denen ungefähr die Hälfte in Deutsch-
land vorkommt. Die Fruchtkörper sind sehr ver-
schiedenartig, in der Regel besitzen sie einen excen-
trisch gestielten oder einen sog. halbierten Hut, der
seitlich angewachsen ist; seltener ist er in der Mitte
gestielt. Die Hymenialschicht bestebt aus regelmäßi-
gen Röhrchen, die auf der Unterseite des Hutes sitzen.
Vie Mehrzahl dieser Pilze wachsen an Bäumen und
Sträuchern und vegetieren daselbst gewöhnlich
mehrere Jahre lang, wobei jedes Jahr eine neue
Schicht von Röhrchen über der alten entwickelt wird.
Nur wenige Formen wachsen auf der Erde. Der
Fruchtkörpcr ist bei den meisten holzig oder doch
wenigstens lederartig zähe, so daß sie, wenn auch un-
schädlich, nicht genossen werden können. Andere
dagegen haben ein weiches und schmackbastes Fleisch.
Mehrere der holzigen oder zähen Arten, besonders
der an Laubbolzbäumcn, z. V. an Buchen, häufige
?. koin6nttn-j,l8 ^., werden zur Herstellung des Zun -
ders oder Feuerschwamms verwendet, indem
man durch längeres Kochen in Lauge die Fruchtkör-
per geschmeidiger macht und sie dann in Salpeter-
losung bringt oder in Salpetersäure kocht, wodurck
sie sich leichter entzünden und besser fortglimmen.
In einigen Gebirgsgegenden, wie im Thüringer
Walde, ist die Fabrikation des Feuerschwamms für
die Bevölkerung von ziemlicher Bedeutung; obwodl
früher der Handel mit diesem Produkt einen grö-
ßern Umfang hatte, so ist doch auch jetzt noch der
Verbrauch des Feuerschwamms ein nicht geringer.
Auch in der Chirurgie wird er noch häufig als blut-
stillendes Mittel verwendet, darf aber für diesen
Zweck nicht mit Salpeter getränkt sein. Eine ähn-
liche Gestalt bat der Weidenschwamm oder un-
echte Feuer schwamm, ?. iFiii^i'in3 F>., der an
Weiden, Obstbäumen und andern Bäumen para-
sitisch lebt und im Holze derselben Weißfäule (s. d.)
hervorruft. Er kann gleichfalls zu Zunder verar-
beitet werden, doch steht das daraus gewonnene
Material dem echten Zunder bedeutend nach.
Von andern Arten sind besonders hervorzuheben:
das Schafeuter (?. ovinu8 F>.), ein Weiher oder
grauweißer Pilz von ziemlicher Größe, dessen in der
Mitte oder excentrisch gestielter Hut eine Breite bis
zu 20 cm erreicht; er kommt gewöhnlich in Gruppen
in Nadelholzwäldern vor und hat ein zartes und
wohlschmeckendes Fleisch; ferner der in Südeuropa
häusige, ebenfalls wohlschmeckende Ziegen fuß (I'.
1)68 c^pratt ^e,^.) mit seitlich gestieltem, etwa 12 cm
breitem dunkelbraunen Hut, der ebenfalls in Nadel-
bolzwäldern wächst und gewöhnlich eine Verwach-
sung der in Gruppen vorkommenden Fruchtkörper
zeigt. Auch der in Deutschland nicht seltene Sem-
melpilz (?. conüuon8 F>., s. Tafel: PilzeI, Eß-
bare Pilze, Fig. 10) und der Eichhase, Eich-
pilz oder Hasel schwamm (?. nind6ii3.tu8 F>.)
sind eßbar; letzterer hat große doldenartig verzweigte
Fruchtkörper von bräunlicher Farbe, ersterer ist röt-
lich gelb und kommt wie der vorige in Gruppen vor,
er wächst besonders in Nadelholzbeständen, während
der Eichhase gewöhnlich an faulenden Laubholzbäu-
men sich findet. Eine in Italien wachsende Art, 1^.
wd6lÄ8t6i' F'i-., mit in der Mitte gestieltem, gelblich
gefärbtem Hut und etwas zähem, aber doch wohl-
schmeckendem Fleisch, wird vielsach gegessen und an
verschiedenen Orten Italiens sogar kultiviert; dieser
Pilz wächst auf der Erde und das Myceliumdesselben
kann ähnlich wie das des Champignons mit den Erd-
klumpen getrocknet und weit verschickt werden. Der in
^üdeuropa häufige Lärchenfch w a m m (?. okkeina-
Ii8 F>., ?. Iai-ici8 "/"c^.) wird auch zur Zunderfabrika-
tion verwendet und bildet hauptsächlich im südl. Ruß-
land einen wichtigen Handelsartikel; er ist zugleich
als Purgiermittel offizinell. Einige der holzigen
Arten werden, ihrer eigentümlichen etagerenartigen
Form wegen, oft mit Flechtenbärten, Moos u. s. w.
verziert, als Zimmerschmuck verkauft.
?o1^prlon, Fisch, s. Barsch.
?o1^ptsru8, Fisch, s. Flösselhecht.
Polypthchon (grch.), im Altertum und frühen
Mittelaltcr ein aus mehr als drei mit Wachs über-
zogenen und befchriebenen Holzplatten zusammen-
gefügtes Buch. Es giebt antike Polyptycha, die aus
sieben Tafeln bestehen. (S. Diptychon.)
Polysaccharate, s. Kohlehydrate.
Polysarkie (grch.), die Fettsucht (s. d.>.
?o1^8ipliolii2. <?1'6V., R öhrentaug, Algen-
gattung aus der Gruppe der Rhodophyceen (s. d.)
mit etwa 120 in allen Meeren verbreiteten Arten,
meist lebbaft rot gefärbte rasenförmig auf Steinen
oder größern Algen wachfende kleine Pflänzchen.
Einige Arten, ;. B. die auch in den curop. Meeren
vorkommende 1'. li'nticuI"8H H^'eii</., finden sich
in dem sog. Carragcenmoos (s. d.). Von andern
Arten mögen noch die ebenfalls in den europ. Mee-
ren wachsenden 1^. urcoolat". /^>M/. (f. Tafel:
Algen I, Fig. 8) und 1". violace^ ^t/i (s. Taf. II,
Fig. 18, d Äntheridien, c Cystocarp) erwähnt werden.