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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pommersche Centralbahn; Pommersche Gans

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Pommersche Centralbahn - Pommersche Gans

Turcilinger) in P. Zu Ende des 5. und im 6. Jahrh. wanderten Wenden ein, die das Land Pomorje, d. i. Land am Meere oder Küstenland, nannten und urkundlich zu Karls d. Gr. Zeit unter dem Namen Pomorjanen (Pomerani) vorkommen. Schon damals hatte das Land blühende Handelsplätze. Später ein Hauptteil des alten wend. Königreichs, hatte P. von 1062 an eigene Fürsten, als deren Ahnherr Swantibor (gest. 1107) gilt. Schon seit dem 9. Jahrh. machte man Versuche, die Pommern zum Christentum zu bekehren; doch gelang es erst dem Bischof Otto (s. d.) von Bamberg, der auf Veranlassung Boleslaws III. von Polen zwei Missionsreisen (1124 und 1128) unternahm. Zu Julin wurde 1140 das erste Bistum gegründet, das 1175 nach Cammin verlegt wurde. Mit der Einführung des Christentums, die erst gegen Ende des 12. Jahrh. vollendet war, begann durch Klöster und niedersächs. Ansiedler aus dem Braunschweigischen, Westfalen und Ostfriesland die Germanisierung des Landes. Des erwähnten Swantibor Söhne stifteten mehrere Linien und waren ganz unabhängige Fürsten; die Enkel Swantibors (Söhne Wratislaws), Kasimir und Bogislaw I. (s. d.), nahmen 1170 den Herzogstitel an. Kaiser Friedrich I. belehnte sie 1181 im Lager vor Lübeck als Herzöge des Deutschen Reichs mit der Fahne, den Markgrafen Otto I. von Brandenburg aber mit der Lehnshoheit von P. Das damalige weitausgedehnte Herzogtum umfaßte das Land zwischen Demmin, Zehdenick, Warthe, Netze, Weichsel und Ostsee. Man unterschied das eigentliche P. oder Slawien (das Land zwischen Peene und Persante) und Pomerellen (das jetzige Westpreußen links von der Weichsel und den rechts von der Persante gelegenen Teil des jetzigen P.s). Um die Wende des 12. und 13. Jahrh. setzten sich auch die Fürsten von Rügen im Westen P.s fest; der Ryck wurde 1227 ihre Grenze gegen die Herzöge von P. Herzog Barnims I. Söhne teilten 1295 das Land und stifteten die beiden Linien Stettin und Wolgast, die 1464 nach dem Aussterben der erstern wieder vereinigt wurden. Die Ukermark, ein Teil der Neumark und das "Land Stargard" (etwa das jetzige Mecklenburg-Strelitz) wurden erworben, und zum Ersatz für das 1308 an den Deutschen Orden abgetretene Pomerellen nebst Danzig vereinigte 1325 Herzog Wratislaw IV. das Erbe der Fürsten von Rügen mit P. 1338 wurde die brandenb. Lehnshoheit aufgehoben, dafür aber den Brandenburgern die Erbfolge zugesagt. Kämpfe mit den Nachbarstaaten, insbesondere Brandenburg, und Streitigkeiten mit den Städten, namentlich mit dem zur Hansa gehörigen Stralsund, füllen die mittelalterliche Geschichte P.s aus; innerhalb des herzogl. Hauses fanden verschiedene Teilungen und Vereinigungen statt. Albrecht Achilles erzwang im Vertrage von Prenzlau 1472 von neuem die brandenb. Lehnshoheit über P. und die Abtretung des letzten bei P. verbliebenen Restes der Ukermark. Die Allwartschaft zur Erbfolge wurde dem Kurfürsten Johann Cicero im Vertrage zu Pyritz 1493 von Bogislaw X. (s. d.) ausdrücklich bestätigt, wogegen dieser wieder auf die Lehnsherrlichkeit über P. verzichtete. 1529 erhielt P. durch den Vergleich zu Grimnitz mit Brandenburg abermals die Reichsunmittelbarkeit bestätigt, ebenso wie Brandenburg sein Erbfolgerecht. 1532 vorläufig und 1541 endgültig wurde das Land von neuem in die Herzogtümer Stettin und Wolgast geteilt, von denen das erstere jetzt Vorpommern und das letztere Hinterpommern umfaßte. Barnim XI. von Stettin und Philipp I. von Wolgast führten die Reformation und die von Bugenhagen verfaßte Kirchenordnung in ihren Landen ein. Am 30. Juli 1571 erfolgte die Erbverbrüderung mit Brandenburg, wonach beim Aussterben des Hauses Brandenburg die Neumark und das Land Sternberg an P. fallen sollten. Das Haus Wolgast erlosch 1625 mit Herzog Philipp Julius, und 1637 starb mit Bogislaw XIV. (s. d.) das alte Herzogsgeschlecht im Mannsstamm ganz aus; doch mußte sich Brandenburg im Westfälischen Frieden mit dem größten Teile von Hinterpommern begnügen, Vorpommern und die Insel Rügen sowie Stettin, Damm, Garz, Gollnow und die Odermündungen aber an Schweden überlassen, die sich während des Dreißigjährigen Krieges im Lande festgesetzt hatten. Einen kleinen Strich am rechten Oderufer gewann der Große Kurfürst noch 1679 durch den Frieden von St. Germain. Im Frieden zu Stockholm 1720 mußte Schweden den Teil Vorpommerns zwischen Oder und Peene samt den Inseln Wollin und Usedom an Preußen abtreten, wofür Preußen 2 Mill. Thlr. an Schweden zahlte und 600000 Thlr. pommersche Schulden übernahm. Nach Napoleons I. Sturz und dem dann erfolgenden Ausgleich der europ. Staaten kam Schwedisch-Pommern gegen Austausch von Norwegen an Dänemark und von diesem gegen das von Hannover abgetretene Herzogtum Lauenburg und die Summe von 2600000 Thlrn. an Preußen, das noch 3½ Mill. Thlr. an Schweden zahlen mußte; durch die Verträge vom 4. Juni 1815 mit Dänemark und vom 7. Juni 1815 mit Schweden ist Schwedisch-Pommern dauernd mit Preußen vereinigt.

Litteratur. Sell, Geschichte des Herzogtums P. (bis 1648, 3 Bde., Berl. 1819-20); Kantzows Chronik von P., bg. von W. Böhmer (Stettin 1835); Barthold, Geschichte von Rügen und P. (5 Bde., Hamb. 1839-45); Hasselbach, Kosegarten (und Medem), Codex Pomeraniae diplomaticus (6 Hefte, Greifsw. 1843-62); Fock, Rügen-Pommersche Geschichten aus 7 Jahrhunderten (6 Bde., Lpz. 1861-72); Bohlen, Die Erwerbung P.s durch die Hohenzollern (Berl. 1865); Berghaus, Landbuch des Herzogtums P. und des Fürstentums Rügen (Anklam und Wriezen 1865 fg.); Graf von Krassow, Beiträge zur Kunde Neuvorpommerns und Rügens (Greifsw. 1865); Klempin und Prümers, Pommersches Urkundenbuch (Bd. 1-3, Stett. 1868-91); von der Dollen, Streifzüge durch P. (4 Bde., Anklam 1884-85); reiche Nachweise der pommerschen Speciallitteratur enthalten die Veröffentlichungen der Geographischen Gesellschaft zu Greifswald.

^[Abb ohne Titel: Wappen Pommerns]

Pommersche Centralbahn, von Wangerin über Neustettin nach Konitz (149,07 km), 5. Juli 1870 genehmigt. Während des Baues geriet die Gesellschaft in Konkurs; die Bahn wurde vom Staate erworben, fertig gestellt und 1878 in ihrer ganzen Ausdehnung eröffnet, nachdem 1877 schon Teilstrecken dem Verkehr übergeben waren.

Pommersche Gans, s. Gänsezucht.