Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

263
Pompejus
Casa di Pansa.
vischen Anlage dieses Teils des Hauses giebt Fig. 0
der Tafel eine Vorstellung.) Rechts vom Tablinum
führt ein Korridor (6, kancc^) in das Peristylium
(7), einen von 16 Säulen getragenen Hof mit einem
Wasserbassin (pi8-
oina) in der Mitte.
Unter den nm das
Peristylium grup-
pierten Räumen
zeichnen sich aus:
ein großer Pracht-
saal (8, 06cu8) am
hintern'Ende, fer-
ner mehrereSpeise-
S zimmer (9, tricU-
nild), auf deren An-
lage und Einrich-
tung die Römer
viele Sorgfalt ver-
wandten. Selbst
einfachere Häuser
pflegen ein Som-
mer- und Winter-
triclinium zu ha-
ben, von denen das
erstere, an der schat-
tigsten Seite des
Hofs angelegt, sich
breit auf denselben öffnet, um der frischen Lust und
der Kühle des Brunnens Zutritt zu lassen, während
das zweite, an der Sonnenseite gelegene, mehr ab-
geschlossen ist. Links vom 06<?n3 liegt die Küche (10),
dicht daneben der Abort. Hinter dem oscus endlich
lag ein Garten (11,x^8w8), von welchem eine Hin-
terthür (po8ticuin) nach einer Nebengasse führte.
Aus dem Plan wird ersichtlich, daß nur ein Teil
der Räumlichkeiten des Erdgeschosses mit den Haupt-
räumen, Atrium und Peristyl, Zusammenhängt,
andere dagegen in sich abgeschlossene Gruppen bil-
den. Die letztern waren vermietet und dienten als
kleine Wohnungen oder zum Gewerbebetrieb (so in
unserm Fall die Räume 12-17 für eine Bäckerei).
Diese Läden (tadei-nas) öffneten sich breit nach der
Strafte und waren vorn mit einem aufgemauerten
Ladentisch versehen; das Aussehen der Straften P.s
muft wesentlich durch sie bestimmt gewesen sein.
Daß die Häuser P.s sämtlich nur einstöckig gewe-
sen seien, ist unrichtig; doch sind vielstöckige Miet-
häuser, wie in Rom und andern Großstädten, in P.
jedenfalls nicht vorhanden gewesen. Die Wände,
aus Kalkstein oder Ziegeln bestehend und mit Stuck
überzogen, zeigen zumeist eine reiche Dekoration
mit Malereien ai li-6800. Ornamentale Teilungen,
phantastische Architekturen, Kandelaber und Laub-
gewinde gliedern die Fläche, figürliche Darstellun-
gen, Einzelsiguren oder größere mytholog. und genre-
hafte Kompositionen, Landschaftsbildcr, Stillleben
schmücken die Felder. Diese Gemälde, freilich nur
Leistungen von Handwerkern einer Provinzialstadt,
entzücken dennoch durch die Leichtigkeit und Sicher-
heit der Ausführung, ebenso sehr wie durch den
großen Reichtum namentlich ihrer ornamentalen
Motive. - Über die Malerei P.s vgl.: Zahn, Die
schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde
aus P., Herculanum und Stabiä (3 Serien zu je
100 Tafeln, Verl. 1828 fg.); Ternite, Wandgemälde
aus P. und Herculanum (ebd. 1839-47); Rochette,
Okoix ä6 i)6intui-68 (16 ?0inp6i (Par. 1844-51);
helbig, Wandgemälde der vom Vesuv verschütteten
Städte Campaniens (Lpz. 1868); ders., Unter-
suchungen über die campanische Wandmalnn (ebd.
1873); Mau, Geschichte der dekorativen Wand-
malerei in P. (Berl. 1882).
Die wichtigsten Wandgemälde befinden sich jetzt
im Museum zu Neapel, jedoch ist noch vieles Be-
achtenswerte an Ort und Stelle. Die Möbel, säst
nur in Tischen, Stüblen, sofaartigen Lagern, Betten
und Kasten bestehend, waren meist aus Holz, die
Reste sind daher sehr gering. Dagegen geben die
aus festerm Material gearbeiteten Gegenstände des
bäuslichcn Gebrauchs (wie Lampen, Kandelaber,
Dreifüße, Koch- und Tafelgeschirr, Schmuck- und
Toilettengegenstände) einen hohen Begriff von den
Erzeugnissen des Kunsthandwerks (s. Fig. 1-4).
Jetzt befinden sich am Eingang zur Ruinenstätte
mehrere Hotels, etwa 200 Schritte entfernt der Bahn-
hof P. (8tH?i0n6 äi 1>.) der Linie Neapel-Vrindist des
Mittclmeernetzes und 2 km westlich die Stazione
Ccntrale von Torre Annunziata (s. d.).
Die beste zusammenfassende Darstellung über P.
giebt das Werk von Overbcck und Mau, P. in seinen
Gebäuden, Altertümern und Kunstwerken (4. Aufl.,
Lpz. 1884); das Wesentlichste: Mau, Führer durch
P. (ebd. 1893). Von großer wissenschaftlicher Bedeu-
tung ist das Buch von Nissen, Pompejanischc Stu-
dien (Lpz. 1877), an welches sich Maus Pompeja-
nische Beiträge (ebd. 1879) anschließen. S. auch die
Litteratur zu Herculanum.
Pompejus, Name eines röm. plebejischen Ge-
schleckts, das aber erst nach der Mitte des 2. Jahrh,
v. Chr. mit Quintus P. hervortritt. Dieser ge-
langte zuerst zu curulischen Würden, kämpfte als
Konsul (141) ohne Glück gegen Numantia in Spa-
nien und war 131 Censor. - Sein Enkel Quin-
tus P. Rufus stand zur Sullanischen Partei und
wurde als Konsul 88, als er über das Heer des
Prokonsuls Gnäus P. Strabo den Oberbefehl
übernommen hatte, erschlagen. Letzterer (Konsul
89 v. Chr., gest. 87) focht 90-88 v. Chr. mit Aus-
zeichnung im Bundesgenossenkriege.
Sein Sohn Gnäus P., mit dem Beinamen
Magnus (der Große), geb. 29. Sept. 106 v. Chr.,
war der Hauptgegner Julius Cäsars. Seine ersten
Kriegsdienste leistete erunterseincm Vater. Als dann
83 Sulla vom Mithridatischen Kriege nach Italien
zurückkehrte, ergriff er dessen Partei, warb auf eigene
Hand für ibn ein Heer und kämpfte glücklich gegen
Papirius Carbo in Etruricn (82), gegen Cn. Do-
mitius Ahenobarbus in Afrika (81). Sulla, dessen
Stieftochter Amilia er nach Verstoßung der eigenen
Gattin Antistia geheiratet batte, bewies sich dank-
bar. Durch ihn ertrotzte P., kaum 27jährig, den
Triumpb; er schien der natürliche Erbe des Sulla-
nischen Einflusses werden zu müssen. Nach Sullas
Tode war es denn auch P., der gegen den Versuch
des Konsuls M. Amilius Lepidus die aristokrati-
schen Einrichtungen Sullas aufrecht hielt (77) und
den begabtesten Vertreter der Marianischen Partei,
Sertorius in Spanien, zwar lange Zeit ohne Er-
folg bekämpfte, aber doch nach dessen Ermordung
die Früchte dieser Katastrophe geschickt erntete (71).
Ebenso gelang es ihm, den Sklavenkrieg, nachdem
Crassus das Schwerste gethan, glücklich zu beendi-
gen, dann gegen die bestehende Ordnung, bevor er
die Reihenfolge der übrigen Magistrate durchge-
macht hatte, das Konsulat für das I.70 zu erlangen.
In dieser Stellung machte er, um seinen Einsluß
und seine Popularität noch zu steigern, der demo-