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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pontius Pilatus - Poutoniere
baner^ und Volskcr-Verge (Nonti I^Lpini, 1536 m).
Sie ist gegen das anstoßende Meer durch 2-22 in
hohe, stellenweise mit dichtem Eichenwald (inaccing)
bedeckte Dünen abgeschlossen, aus denen sich der
Monte-Circeo 451m hoch heraushebt. Von der
neuen Bahn Velletri-Terracina werden die P. S.
längs des Fußes der Berge umgangen, dagegen
von der mit vier Reihen 120jährigerNlmen besetzten
Via. ^pz)iH in ihrer ganzen Länge von Cisterna bis
Terracina mitten durchschnitten. Ein sehr geringer
Teil des äußerst fruchtbaren Landes wird bepflügt
(Raubbau); 25000 na, mit 2 m hohem Grase be-
standen, werden nur von wenigen Pferde- und
Büffelherden im Winter beweidet, welche aus den
Abbruzzen hinabsteigen. Die den P. S. entsteigende
Fieberluft (malaria) macht nicht nur sie selbst, son-
dern noch weitere 75000 trockne gleichfalls frucht-
bare Hektare bis nach Rom hin unbewohnbar und
unkultivierbar. - Nnter den alten Volskern war
die Ebene (kF6r?0utinu8) durch künstliche Wasser-
werke in blühender Kultur und mit 33 Städten be-
setzt. Die Römer verpflanzten nach der Eroberung
358 v. Chr. die Bewohnerschaft. Da verfielen die
Wasserwerke, der Boden ward weich und die 33 Städte
versanken. Seitdem ist dle ganze Gegend verrufen
und verödet. 312 v. Chr. baute Appius Claudius die
Via ^pia. Cornelius Cethegus, Cäfar, Augustus,
Nerva, Trajan, Theodorich und 18 Päpste hatten
mit ihren Trockenlegungsversuchen keinen, Pins VI.
nur teilweisen Erfolg, trotzdem er mit 7 Mill. Lire
die Via. ^ppia wiederherstellte und die I^wsa ?io,
einen prachtvollen Abzugskanal mit vielen Seiten-
gräben, erbaute. Seitdem ist nichts Ernstes ge-
schehen. - Ein neues Projekt veröffentlichte Fedor
Maria von Donat (1^6 ?a1uäi?outiu6, Rom 1886;
Auszug in den "Verhandlungen der Gesellschaft
für Erdkunde", Verl. 1892)/Er empfiehlt peri-
pherische Gräben, welche das bisher von außen
zugeführte Wasser dem Sumpfboden vorenthalten,
direkt ins Meer leiten; Festhaltung der Regenmassen
im hohen Gebirge zwecks Einsickerung, Vegetations-
bildung und langsamern Abflusses; Aptierung der
vorhandenen Gräben; Isolierung der tiefsten Ter-
rainteile durch Dammbauten und Entfernung ihres
Wassers durch Windmotorpumpen; hygieinischen
Schutz der beteiligten Arbeiter bei großer Schnellig-
keit der Durchführung. - Vgl. de la Vlanchere, I^a
mNla,ri3. äs I^oms 6t 16 äi-ainHF6 antiliuk (Rom
1882); derf., I.H m^ria äs I6rraciii6 (ebd. 1884);
Tito Berti, ?^wäi ?ontieli6 (ebd. 1884).
Pontius Pilatus, röm. Prokurator, s. Pilatus.
Pontivy (spr. pongtlwih). 1) Arrondissement
des franz. Depart. Morbihan in der Bretagne, hat
auf 1737,6 c^ni (1891) 110899 E. in 5 Kantonen
und 51 Gemeinden. - 2) P., in der Kaiserzeit Na-
poleonville, Hauptstadt des Arrondissements P.
und srüh er des Fürstentums Roh an, in fruchtbarer
Gegend, rechts am fchiffbaren Blavet und am Kanal
von Nantes nach Brest, an den Linien Vannes-P.
(64 kni) der Orleansbahn und St. Brieuc-P. (73 km)
der Westbahn, besteht aus dem alten, eigentlichen
P. im N. und der 1805 im S. angelegten, unfertig
gebliebenen Neustadt, Napoleonville, mit fchö-
nen Straßen, Kasernen, einem Standbild des Ge-
nerals de Lourmel (gest. 1855) und Promenaden;
hat (1891) 6270, als Gemeinde 9175 E., in Garni-
son das 2. Jägerregiment zu Pferde, einen Gerichts-
hof erster Instanz, eine Ackerbaukammer, ein Ly-
ceum, ein Theater, Spital, Gefängnis, in der Alt-
stadt das ehemalige feste Schloß der Rohan, die
Kirche Notre-Dame de la Ioie; Handel mit Ge-
treide, bretonischer Leinwand, Pferden, Vieh,
Butter, Honig, Häuten und Papier.
Pont-l'Abbs (fpr. pong), Stadt im S. des Ar-
rondissements Quimper des franz. Depart. Finis-
tere in der Bretagne, mit Hafen in einer westl. Bucht
der Anfe (Bucht) de Mnodet, an der Nebenlinie
Quimper-P. (22 kni) der Orleansbahn, hat (1891)
3920, als Gemeinde 5536 E., ein Zollamt, Spital,
altes Klostergebäude mit Kirche aus dem 14. bis 16.
Jahrb.; Fabrikation von chem.Produkten, Stärke
und Nudeln; Handel mit Getreide und Häuten.
Pontlatzer Brücke, alte Brücke (845 m) über
den obern Inn im Gcrichtsbezirk Ried der österr.
Bezirkshauptmannschaft Landeck in Tirol, bei Prutz
(510 E.), ist bekannt durch die hier erfolgte Ver-
nichtung der in Tirol eingedrungenen Bayern 1703
und der Franzofen 1809 durch den Tiroler Landsturm.
Pont-le-Noi (spr. pong le röä), franz. Ort,
s. Pont-sur-Seine.
Pont-l'Gveque (spr. pong lewähk). 1) Arron"
dissement im NO. des franz. Depart. Calvados in
der Normandie, hat auf 929,72 ^m (1891) 59479 E.
und 107 Gemeinden in 6 Kantonen. - 2) Haupt-
stadt des Arrondissements P. und früher des Distrikts
Auge, an der Touques und den Linien Lisieux-
Villers-sur-Mer und P.-Honfleur (15 km) der West-
bahn, hat (1891) 2458, als Gemeinde 3058 E., einen
Gerichtshof erster Instanz, eine Ackerbaukammer;
alte merkwürdige Häufer, Kirche aus dem 15. bis 16.
Jahrh., ein Spital, Gefängnis, Seebäder; Baum-
wollfpinnerei, Fabrikation von Öl und berühmtem
Käse, Handel mit Getreide, Vieh, Cider und Eiern.
Pontoise (fpr. pongtöahs'). 1) Arrondissement
im franz. Depart. Seine-et-Oise, hat auf 1113,29
hlim (1891) 135409 E., 8 Kantone und 165 Ge-
meinden. - 2) Hauptstadt des Arrondissements P.,
ist malerisch am rechten Ufer der Oife und dem Ein-
fluß der Viasne (Vione) fowie an den Linien Paris-
Dieppe der Westbahn und St. Ouen-P. (4 km) der
Nordbahn gelegen, oberhalb der Eisenbahnbrücke
durch eine Steinbrücke mit der Vorstadt Aumöne
verbunden und mit krummen, engen Gassen an
einem felsigen Hügel hinauf gebaut, hat (1891) 7101,
als Gemeinde 7422 E., einen Gerichtshof erster In-
stanz, eine Ackerbaukammer, aus der ^öhe die got.
Kirche St. Maclou aus dem 12. und 16. Jahrh.,
unweit das Standbild des Generals Leclerc d'Ostin
und Mauern des alten Schlosses; ferner ein College,
Hospital, Bibliothek, Theater, Zellengefängnis und
11. bis 13. Nov. einen großen Markt. Die In-
dustrie liefert Mehl, Gips und chem. Produkte, der
Handel Getreide, Vieh und Wein. Südöstlich, links
von der Oise, liegt Saint Ouen- l'Aumöne mit
2256 E., Lohgerberei, Holzhandel und dem Schloß
Maubuisson mit Park und Ruinen einer Cistercienser-
abtei, 1236 von Vlanca von Castilien gegründet.
Pontonbrücken, s. Pontons, Trainbrücken und
Schiffsbrücken.
Pontoniere, technische Truppen, die den Bau
von Pontonbrücken, überhaupt von Kriegsbrücken
über Gewässer auszuführen haben. Diesen Dienst
versehen in Deutschland besondere Abteilungen der
Pionierbataillone, in Österreich die Pioniere, in
Italien die Genietruppen, in England die In-
genieurtruppen. In Ruhland und Frankreich giebt
es besondere Pontoniertruppenteile; in Frankreich
gehören dieselben von alters her zur Artillerie.