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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pope - Poppelsdorf
Pope, s. Pop.
Pope (spr. pohp), Alexander, engl. Dichter, geb.
21. Mai 1688 zu London als der Sohn eines wohl'
habenden kath. Leinwandhändlers, erhielt seinen
ersten Unterricht vom Hausgeistlicken zu Vinsield
dei Windsor, wohin sein Vater bald nach des Soh-
nes Geburt übergesiedelt war. Vom 8. Jahre an
ging er in die kath. Privatschule zu Twyjord bei
Winckester, mußte aber diese Anstalt bereits im
12. Jahre wegen eines Pasquills auf seinen
Lebrer verlassen, und besuchte fortan leine Schule
mehr. Seine Lieblingsbeschäftigung blieb die Poesie,
für die er schon sehr früh Anlage und Neigung ge-
zeigt hatte. Im 16. Jahre dichtete er "I^torais"
(gedruckt 1709), die durch Schönheit des Versbaues
und der Schreibart allgemeine Vcwnnderuug er-
regten. 1711 erschien sein "^88nx on ci-iticigm",
noch setzt als eins der schönsten Lehrgedichte der
Engländer betrachtet. Bald nachher schrieb er "11i6
i-c"p6 nf tue lock", ein satir.-komisches Epos, ver-
anlaßt durch einen an einer vornehmen Dame ver-
übten Lockenraub. 1713 folgte das beschreibende
Gedicht "^Vinä8or I^oi-^r", dessen größerer Teil be-
reits 1704 entstanden war und sein Vorbild, Den-
hams "^oopei-^ Iliii", bei weitem übertraf. Jetzt
begann er die Übersetzung des Homer, die ihn
12 Jahre lang, 1713-25', beschäftigte; die Ilia^
übersetzte er allein, die Odyssee in Verbindung mit
Broome und Fenton. Von dein Ortrage dieser Über-
setzung kaufte er ein Landgut zu Twickenham, das er
nun mit seinen Eltern bezog. Zu seinen besten Ge-
dichten gehört die "I^)i8tlo t'i-oin I^?0'i8H to ^dsliirä"
(1716). Die Ausgabe von Sbakespeares Werken
(1725) brachte ihm wenig Ruhm und verwickelte
ihn in einen heftigen Streit mit Theobald, einem
andern.Herausgeber Shakespeares. Diese und an-
dere, teils litterar., teils persönlichen Feindschaften,
die P. meist erst durch seine in Gemeinschaft mit
Swift herausgegebenen "Ni8c6llani68" (3 Bde.,
Lond. 1727) veranlaßt hatte, drängten ihn mehr
und mehr zur Satire hin. 1728 veröffentlichte er
die drei ersten Vücher seiner "Ounciaä"; das vierte
Vuch folgte erst 1742. In der Zwischenzeit aber
waren "lmiwtioii8 of Iloi-ace", Episteln und mo-
ralische Versuche in ziemlicher Anzabl erschienen.
Nur ein einziges seiner spätern Gedickte gebort
nicht oder wenigstens nur teilweise der satir. Gat-
tung an, nämlich das 1733 erschienene philos.
Lehrgedicht "^883.^ on man". P. starb nach einem
ruhigen Leben auf seinem Landgute 30. Mai 1744.
Er nimmt einen bedeutenden Platz unter den engl.
Dichtern zweiten Ranges ein; in der Schönheit
der Form aber ist er von keinem seiner Lands-
leute übertroffen, von wenigen errcicbt worden. P.
ist der Hauptvertreter des Pseudoklassieismus in
England, der sich an die franz. Schule anschloß;
doch machte sich sckon bei seinen Lebzeiten eine Um-
wandlung des Geschmacks bemerkbar, die bald eine
ganz neue Richtung in der Litteratur hervorrief.
Gesamtausgaben seiuer Werke besorgten unter an-
dern Warburton (9 Bde., Lond. 1751), Warton
(9 Bde., 1797), Vowles (10 Bde., 1806), Roscoe
(2. Ausg., 8 Bde., 1846), Crokcr und WbitwellElwin
(10 Bde., 1871-86); seine dichterischen Werke er-
schienen in zahlreichen Ausgaben, mit Anmerkungen
von Dyce 1851, mit Biographie von Lupton 1867;
ferner von Ward (Lond^ 1869) und Rossetti (ebd.
1873); eine deutsche Übersetzung lieferten Olckers
und Vöttgcr (4 Bde., Lpz. 1842). - Vgl. Earruthers,
Vrockhaus' Kmwcrsations-Ll'xilon. 14. Aufl. XIII.
1'I^Ii^ ot'1>. (2. Aufl., 4 Bde., Lond. 1857); Dcctz,
A. P. (Lpz. 1876); Stepben, ^. 1'. /wld. ?5.M
Popeline, Seidenstoff, s. Poplin.
Popelitaner, Bezeichnung für die Katharer
(s. d.) in Italien. ^
Poperinsshe, ^tadt in der belg. Provinz West-
flandern, 12'kin westlich von Upern, an der Bahn-
linie Kortrijk-P.-Hazebrouk, hat 11112 E., eine
merkwürdige St. Vertinskirche (14. Jahrh.); Hopfen-
bau, Baumwollspinnerei, Leinwandbleichcrei und
Töpferei. Die Stadt beteiligte sich an dem flandr.
Kriege gegen den Grafen Ludwig vom Male 1382.
Poplar, Stadtteil Londons, nördlich von den
West-India-Docks, hat (1891) in 21978 Häusern
166 697 E.
Poplm oder Popeline (frz.), ein glatter Sei-
denstoff mit Einschlag aus feinem Kammgarn, Kasch-
mirwolle oder Florettseide.
Popo, s. Klein-Popo und Groß-Popo.
Popocatepetl, Vulkan in Mexiko, besonders
bekannt durch seine Lage am Südende des Hoch-
landes im Angesicht der Stadt Mexiko, war zur
Zeit der Eroberung und bis zum Ende des 17. Jahrh,
thätig; jetzt befindet er sich im Zustande erlöschender
Solfatarenthätigkcit und zeigt keine Rauchsäule
mehr. Bestiegen wurde er zuerst 1827 von Glennic
und Taylor, seitdem häufiger. Er erhebt sich 4200 m
boch frei aus dem Tieflande von Morelos zu einer
Gesamtböhe von 5452 in. Andesitische Lavaströme
bilden die Basis, über welche Sand und Asche ge-
schüttet sind. Der Gipfelkrater ist elliptisch, 600 m
lang und 170 in tief. Der Abhang ist unten mit
Eichen, weiter oben mit Nadelholz bestanden, dann
folgt eine Zone ohne Vegetation und von 4400 m
ab die Schneebülle.
Popöli, Stadt im Kreis Solmona der ital. Pro-
vinz Aquila degli Abruzzi, rechts an der Pescara
(bis hierher Aterno genannt), an der Linie Pescara-
Solmona des Adriatischen Netzes, hat (1881) 7157
E., eine Hauptkirche aus dem 15. bis 17. Jahrh.,
Wein- und Getreidebau und ist überragt von der
verfallenen Burg der Cantelmi, Herzöge von P.
Popowka, ein kreisrnndes Panzerfahrzeug,
nach dem Erfinder, dem russ. Admiral Popow, so
benannt. Die P. sind im Rumpf linsenförmig ge-
baut, von etwa 37 in Durchmesser, flachgehend und
werden durch sechs Schrauben bewegt. Sie sind
schwer gepanzert und tragen in der Mitte einen
Panzerturm, aus dem zwei parallel stehende Ge-
schütze über Bord feuern. Der Zweck der runden
Form ist vermehrte Drehbarkeit, jedoch haben sie
nur geringe Schnelligkeit. Bis jetzt existieren nur
zwei P. als Teile der russ. Flotte im Schwarzen
Meer; sie haben jedoch den Erwartuugcn nicht ent-
sprochen. ls.'Raskolniken.
Popowfchtschina, Popowzy, russ. Sekte,
^V>^/)/)., lünter lat. naturwissenschaftlichen Na-
men Abkürzung für Eduard Friedrich Pöppig ls.d.).
Poppäa Sabina, zog als Gattin des Marcus
Salvius Otbo (s. d.) 58 n. Chr. die Aufmerksamkeit
Neros auf sich. Er beseitigte seiuc Gemahlin Oc-
tavia (s. d.) nnter dem Vorwand des Ehebruchs (62)
und beiratete P. S. Doch starb sie schon 65 an
den Folgen eines Fußtritts, den ihr Nero in der
Trunleubeit versetzt batte. ^folger, Benj.
Poppelbaum, Schriftgießcr, s. Krebs Nach-
Poppelsdorf, Dorf im Landkreis Bonn des
preuß. Reg.-Bez. Köln, am Fuße des Kreuzbergs, mit
der Stadt Bonn durch eine prächtige Kastanienallee
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