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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Popper - Pordenone

und stattliche Häuserreihen verbunden, hatte 1880: 2701, 1890: 5187 E., darunter 1000 Evangelische und 66 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung; Porzellanfabrik, Aktienbrauerei und bedeutende Kaffeerösterei. Das von Kurfürst Clemens August, Herzog von Bayern, erbaute Schloß enthält die naturhistor. Sammlungen der Universität Bonn und Räume zu Vorlesungen und ist von dem durch seine ausgedehnten Palmen- und Treibhäuser sehenswerten botan. Garten umgeben. Gegenüber die zur Universität Bonn gehörigen neuen Bauten: das chem. Laboratorium, die Anatomie und das physiol. Institut sowie das neue Gebäude (1890) der landwirtschaftlichen Akademie. Letztere trat Ostern 1847 unter Leitung Schweitzers ins Leben; 1876 wurde eine kulturtechnische und 1880 eine geodätische Abteilung eingerichtet. Die Lehrer der Anstalt (1894: 20) gehören zum Teil der Universität Bonn an; die Studierenden (346) sind bei der Universität immatrikuliert und dadurch beide Anstalten miteinander verbunden. – Vgl. Hartstein, Die landwirtschaftliche Akademie zu P. (Bonn 1864); Dünkelberg, Denkschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der königl. landwirtschaftlichen Akademie P. (ebd. 1872).

Popper, David, Cellovirtuose, geb. 18. Juni 1846 zu Prag, war Schüler Goltermanns am dortigen Konservatorium, 1868–73 Solospieler an der kaiserl. Hofoper in Wien und seitdem durch viele Kunstreisen in ganz Europa bekannt. Seit 1886 wirkt er als Professor an der durch Liszt gegründeten Musikakademie in Budapest. Er veröffentlichte zahlreiche Solostücke für sein Instrument.

Poppersee, s. Poprád (Fluß).

Pöppig, Eduard Friedr., Reisender und Naturforscher, geb. 16. Juli 1798 zu Plauen im Vogtlande, widmete sich seit 1815 naturwissenschaftlichen und mediz. Studien in Leipzig. Nachdem er 1822–24 Cuba bereist hatte, begab er sich nach den Vereinigten Staaten von Amerika, wo er besonders im Innern von Pennsylvanien seine Forschungen fortsetzte, und fuhr um Südamerika nach Valparaiso, wo er im März 1827 anlangte. Von hier aus bereiste er die mittlern und südl. Provinzen von Chile, erstieg im Febr. 1829 zuerst den Vulkan von Antuco, ging dann zur See nach Lima und weiter über die Cordillera nach den Urwäldern der Provinz Maynas, wo er in Indianerdörfern an zwei Jahre verlebte. Mit botan. und zoolog. Sammlungen kehrte er gegen Ende 1832 in die Heimat zurück. Seit 1833 wirkte er als außerord., seit 1845 als ord. Professor der Zoologie an der Universität Leipzig. P. starb 4. Sept. 1868 in Wahren bei Leipzig. Seine Reisebeschreibung («Reise in Chile, Peru und auf dem Amazonenstrom», 2 Bde., Lpz. 1835–36, mit Atlas) gehört zu den vorzüglichsten Reisewerken. Außerdem schrieb P. noch: «Landschaftliche Ansichten und erläuternde Darstellungen aus dem Gebiete der Erdkunde» (Lpz. 1838). – Vgl. Ratzel, Aus P.s Nachlaß mit biogr. Einleitung (in den «Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig», 1887 [Lpz. 1888]).

Poprád, Fluß im ungar. Komitat Szepes, ein Abfluß des Poprádsees (auch Poppersee), der in der Hohen Tatra 1503 m hoch im Mengsdorfer Thal liegt, vereinigt sich nach 152 km Lauf mit dem Dunajec in Galizien.

Poprád, deutsch Deutschendorf, Stadt mit geordnetem Magistrat im ungar. Komitat Szepes ^[Spaltenwechsel] (Zips), am P. und an den Linien Ruttka-Kaschau und Podolin-P.-Felka (33 km) der Kaschau-Oderberger Eisenbahn, hat (1890) 1156 meist deutsche E., kath. und evang. Kirche, Karpatenmuseum des ungar. Karpatenvereins; Sirup-, Rollgerste- und Kartoffelstärkefabrik, Dampfsägewerk und Papierfabrik. P. ist Ausgangsort für Tatraausflüge.

Poprádthalbahnen, von der Direktion der Kaschau-Oderberger Eisenbahn in Budapest verwaltete Lokalbahnen, 1889, 1892 und 1893 eröffnet. (S. Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen.)

Populär (lat.), volkstümlich, volksbeliebt, gemeinverständlich.

Populāres, s. Optimates.

Popularität (lat.), Volksgunst, Beliebtheit bei dem Volke; Gemeinverständlichkeit; popularisieren, unter dem Volk verbreiten, gemeinverständlich machen.

Populārklage (Actio popularis), im röm. Recht die jedem Bürger (nicht bloß dem Verletzten) im öffentlichen Interesse zustehende Klage, welche namentlich zum Schutze der im Gemeingebrauch stehenden Sachen (öffentlichen Plätze, Straßen, Wasserwege), der geheiligten Orte und Begräbnisplätze gegeben war. Sie waren teils auf Unterlassung von Störungen und Wiederherstellung, teils auf Strafe gerichtet und wurden wie die Klagen wegen Privatdelikte im Civilprozeß verhandelt. Im heutigen Rechte sind diese Klagen nicht mehr im Gebrauch; der Schutz jener Sachen wird durch Polizei und Strafrichter erreicht. Doch hat man im Patentrecht (s. d.) die Klage auf Nichtigkeitserklärung und die Klage auf Zurücknahme eines Patents, weil sie jedem, übrigens auch dem Ausländer, zustehen, vielfach P. genannt. (S. Anklage.)

Population (lat.), s. Bevölkerung.

Populationístik (neulat.), die auf umfassenden statist. Daten beruhende Lehre von der Bevölkerung (s. d.). Die jetzt wenig mehr gebrauchte Bezeichnung wurde hauptsächlich durch Bernoullis «Handbuch der P.» (Ulm 1841) in Deutschland eingeführt.

Populīn, C20H22O8 + 2H2O ^[C<sub>20</sub>H<sub>22</sub>O<sub>8</sub> + 2H<sub>2</sub>O], das Glykosid der Rinde und Blätter der Zitterpappel (Populus tremula L.). Es ist Benzoylsalicin und kann aus dem Salicin durch Erhitzen mit Benzoesäureanhydrid künstlich dargestellt werden. Das P. krystallisiert in Nadeln, welche von Wasser nur schwer gelöst werden und schmilzt nach dem Trocknen bei 180°. Sein Geschmack ist süßlich, lakritzenähnlich.

Popŭlist party, amerik. Partei, s. Volkspartei.

Popŭlus (lat.), Pappel (s. d.).

Popŭlus (lat.), Volk.

Poquelin (spr. pock'läng), s. Molière.

Porcus, s. Hirscheber.

Pordenōne, deutsch Portenau, Hauptstadt des Kreises P. (59821 E.) der ital. Provinz Udine, an der Bahn Udine-Treviso-Venedig des Adriatischen Netzes, hat (1881) 5072, als Gemeinde 9788 E., einen got. Dom mit Gemälden von Giov. Ant. da Pordenone (s. d.), einen got. Kommunalpalast, Baumwollmanufaktur, Seidenspinnerei, Papierfabrikation, Wein- und Getreidehandel.

Pordenōne, eigentlich Giovanni Antonio de Sacchis (fälschlich Licinio genannt), Maler der venet. Schule, geb. 1483 zu Pordenone, bildete sich nach Giorgione und malte im Dom seiner Vaterstadt, in Colalto, Treviso, Cremona, Mantua, Piacenza und Genua; seine Hauptwerke führte er aber seit 1518 in Venedig aus. Hier malte er u. a. die Ka-^[folgende Seite]