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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Portugal (Bergbau. Industrie und Handel. Verkehrswesen. Verfassung)
neira, Peniche, Trafariaküste, Cezimbra, Sines, Lagos, Pera, Olhão, Tavira, Villa Real de Santo Antonio. Von Flußfischerei ist namentlich die der Lachse im Minho zu nennen.
Im Bergbau nimmt P. noch eine niedrige Stelle unter den Ländern Europas ein, obgleich viele es an Erzen aller Art für ebenso reich halten als Spanien. Mangel an Unternehmungsgeist, Verkehrswegen und Kohlen haben zusammengewirkt, um die Entwicklung zu hemmen. Nur wo fremdes Geld und Ausländer einsetzten, hat man beachtenswerte Leistungen zu verzeichnen. Immerhin aber steht einer Metall-, vornehmlich Eiseneinfuhr von rund 11 Mill. M. eine Ausfuhr von Kupfer-, Eisen-, Blei-, Mangan- und Antimonerzen sowie an Seesalz im Werte von nur 5-6 Mill. M. gegenüber. Die größte Bedeutung haben die Kupferminen von San Domingos in Alemtejo. Sie befinden sich 18 km oberhalb der Einmündung des Chanza in den Guadiana und gehören dem großen Minengürtel der Sierra Morena in der span. Provinz Huelva an. Südwestlich von Beja befinden sich die Kupfergruben von Aljustrel. Ein zweites Minengebiet weist der Distrikt Aveiro in der Provinz Douro ans, nordöstlich der Stadt Aveiro, die Kupfergrube Palhal und die Mine auf silberhaltigen Bleiglanz bei Braçal. Mit der Ausfuhr von Braun- und Eisenstein sowie von Antimon, die an vielen Stellen vorkommen, hat man erst in neuerer Zeit begonnen. Braunkohlen werden bei São Pedro da Cova in der Nähe von Oporto gewonnen sowie an mehrern andern Orten. Zu Vallongo, 16 km nordöstlich von Oporto, wo schon die Römer Silber gewannen, hat man in neuerer Zeit eine goldführende Quarzader entdeckt. Von weit größerer Bedeutung ist die Seesalzgewinnung beiFaro, Setubal, Lissabon, Aveiro und andern Orten mit einer jährlichen Ausfuhr von 1,8 Mill. Doppelcentnern. Im Innern haben Evora und Coimbra große Salinen. Marmor findet sich an vielen Orten; die Serra da Estrella und Serra do Gerez liefern Amethyst, Bergkrystall, Achat und andere Halbedelsteine.
Industrie und Handel. Weder die Anstrengungen Pombals (s. d.) noch Schutzzölle haben P. zu einem Industriestaate gemacht. Noch immer ist es ein wichtiges Absatzgebiet Englands, und von diesem abhängig hat das Land in einigen Industriezweigen unverkennbare Fortschritte gemacht, so in der Korkindustrie, namentlich aber in der Textilindustrie. Es giebt 8 große Baumwollspinnereien und -Webereien (4 in Oporto, 2 in Lissabon, 1 in Thomar, 1 in Alcobaça). Die beiden Hauptcentren der portug. Industrie sind Oporto und Lissabon, die bedeutendsten übrigen Industriestädte Covilhão, Portalegre, Gouvea, Braga, Guimarães, Bragança und Penafiel. Wichtig ist die Woll- und Seidenindustrie, die Leinweberei und Spitzenfabrikation (Peniche, Villa do Conde, Vianna). Sodann die Fabrikation von Gold- und Silberwaren, Filigranarbeiten, von Eisen- und Blechwaren, Maschinen, Instrumenten, Waffen und Messern, von Porzellan (zu Vista Alegre), Töpfergeschirr und Steingut, feuerfesten Schmelztiegeln (Oporto), Tischlerwaren (Lissabon), Schokolade, Konserven, Papier (in den Distrikten Aveiro und Coimbra), Glas, Hüten, Leder (Saffian und Korduan), Handschuhen, Schuhwaren (Lissabon, Oporto, Braga), Wachstuch, Segeltuch, Seilerwaren und Tauwerk aller Art (besonders in Algarve). Feine Glaswaren werden zu Marinha Grande im Distrikt Leiria erzeugt. Der Schiffbau liefert leichte, schnellsegelnde Schiffe. Fabrikation von Schießpulver ist Monopol der Regierung.
Der Handel, einst der großartigste Welthandel, war im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh. tief gesunken, vermochte sich wegen der unaufhörlichen Unruhen und Bürgerkriege nicht wieder zu erholen, blieb in engl. Händen und wird durch die schlimme finanzielle Lage in seiner Entwicklung gehemmt. Da die portug. Industrie der ausländischen noch nicht Konkurrenz machen kann, ist der Import immer noch weit beträchtlicher als das Exportgeschäft. Der äußere Handel ist vorzugsweise Seehandel; und zwar kommen auf Lissabon 59 Proz., auf Oporto 27 Proz. demselben, so daß den übrigen Hafenstädten (Setubal, Figueira, Faro) nur 14 Proz. der ganzen Ein- und Ausfuhr verbleiben. 1891 entfielen auf Nahrungs- und Genußmittel in der Einfuhr 34, in der Ausfuhr 74,5, auf Tiere 3,5 und 2,3, auf Rohstoffe 28,9 und 23,2, auf Fabrikate (nur Einfuhr) 23/. Proz. des Gesamtaußenhandels. Die wichtigsten Ausfuhrwaren sind: Portwein (1892: 7,7, 1893: 5,9 Mill. Milreïs, meist nach England), gewöhnlicher roter Wein (1893: 4/;), Korkplatten (2,1), Kupfer (1,67), Sardinen (0,70), Madeirawein (0,05), Zwiebeln (0,49), Korkpfropfen (0,72 Mill. Milreïs): ferner Wollvieh, Salz, Baumwollgewebe, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Mandeln, Ananas, Feigen u. s. w. Goldmünzen gingen für 5,7? Mill. ins Anstand. In der Einfuhr stehen obenan: Getreide (Weizen für 5,4, Reis für 0,05 Mill. Milreïs), Baumwollgewebe aller Art, Baumwolle roh, Wolle, Garne, Eisen roh und gewalzt, geschmiedet u. s. w., auch Eisenbahnschienen, Zucker (2,16), Kabeljau (1,8), Steinkohlen (1,6), Gold in Barren (0,9 Mill. Milreïs), Faßdauben, Bauholz, Felle, Instrumente aller Art. Im ganzen betrug der Wert der Einfuhr 39, der der Ausfuhr 29 Mill. Milreïs gegen 34 und 33 im J. 1892, 51 und 47 Mill. Milreïs im J. 1891. Unter den Verkehrsländern steht England weitaus an erster Stelle, dann folgen Deutschland, Frankreich, Brasilien (Weinausfuhr), die Vereinigten Staaten (Import), Spanien und Belgien.
Die eigene Handelsflotte zählt (1893) nur 486 Fahrzeuge (44 Dampfer). In die Häfen liefen ein in langer Fahrt 5873 Schiffe, darunter 3820 Dampfer mit 5,48 Mill. t und in Küstenfahrt 4450 Schiffe mit 1,23 Mill. t. 1890 gab es 37 Banken; die Noten der Bank von P. sind jetzt säst das alleinige Umlaufsmittel. Das Goldagio ist sehr bedeutend. Der Binnenhandel konzentriert sich in Braga, Guimarães, Coimbra, Covilhão, Leiria, Santarem, Abrantes, Bragança, Elvas und Portalegre, in letztern drei Plätzen wegen der Nähe der span. Grenze.
Verkehrswesen. Die Hauptverkehrswege sind zunächst der Touro und besonders der Tejo. Obgleich P. hinsichtlich der Binnenschiffahrt viel günstiger gelegen als Spanien, ist diese dennoch nicht bedeutend. Landstraßen kannte man bis 1845 in P. fast gar nicht. Bis 1854 waren erst die Chausseen von Lissabon nach Cintra und von Oporto nach Braga vollendet, und sonst nur Bruchstücke von Kunststraßen ohne Zusammenhang vorhanden. Die Gesamtlänge der fahrbaren Landstraßen belief sich 1884 auf 9155 km. Postanstalten giebt es nur 3091, die Telegraphen hatten 14234 km Drahtlänge. Über die Bahnen s. Portugiesische Eisenbahnen.
Verfassung und Verwaltung. Die Verfassung beruht auf der Carta constitucional (Carta de lei) Pedros IV. vom 29. April 1826 und dem Acto ad-^[folgende Seite]