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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Portugal (Unterrichtswesen. Zeitungswesen)
stärke beträgt rund 4000 Offiziere, 150000 Mann, 23000 Pferde und Maultiere, 264 Geschütze. Ausgebildet sind davon nur 80000 Mann. Bezüglich der Militärverwaltung ist das Königreich in 4 Militärdivisionen eingeteilt (Lissabon, Vizeu, Oporto, Evora), die umliegenden Inseln in 4 Militärkommandos, das ganze Gebiet in 36 Distrikte zur Kontrolle der Reserve. Die Festungen sind meist im Verfall und ohne Besatzung. Lissabon wird zu einem stark verschanzten Lager ausgebaut; auf der Landseite sind die Forts bereits mit schweren Geschützen armiert. Das Heeresbudget für 1893/94 betrug 5123656 Milreïs. Die Flotte zählte (1894) 47 Fahrzeuge und eine Anzahl kleinere Schiffe.
Unterrichtswesen. Das Volksschulwesen ist noch immer, und mehr noch als in Spanien, vernachlässigt. Von den Soldaten können 79 Proz. nicht lesen und schreiben, und 1878 waren von der Gesamtbevölkerung (Kinder inbegriffen) 82 Proz. Analphabeten. Der Schulzwang steht nur auf dem Papier. Es gab (1890) 3864 Elementarschulen mit 181738 Kindern (123 693 Knaben) und 175 Elementarschulen für Erwachsene (6774). Dazu kommen 1600 Privatanstalten mit 60000 Zöglingen. Mittlern Unterricht erhielten 85114 Knaben und 70043 Mädchen. Dazu kommen 3 Municipalschulen, 18 Anstalten unter Leitung des Klerus u. s. w., die polytechnischen Schulen zu Lissabon und zu Oporto, die Kriegsschule zu Lissabon, die Schiffahrtsschule ebenda und die mediz.-chirurg. Schulen zu Lissabon, Oporto und Funchal. Specialschulen sind fünf Lehrerseminare ("Normalschulen"); die Akademien der schönen Künste zu Lissabon und Oporto, das Industrie- und Handelsinstitut zu Lissabon und das zu Oporto, die sieben landwirtschaftlichen Schulen, vier Sternwarten zu Lissabon (2), Ajuda und Coimbra, zwei Meteorolog. Observatorien zu Lissabon und Coimbra und fünf botan. Gärten. Unter den gelehrten Gesellschaften ist die königl. Akademie der Wissenschaften zu Lissabon wichtig. Die einzigeUniversität ist Coimbra.
Zeitungswesen. Sogenannte "Relações de novas geraes" sollen bereits vor 1627 erschienen sein; die erste eigentliche "Gazeta", von der sich Exemplare erhalten, geht vom Nov. 1641 bis 1647 und verdankt der Restauration und den sich daran knüpfenden Kriegen ihr Leben. Die zweite, "Mercurio" genannt, begann Jan. 1663 unter der Leitung von Antonio de Sousa de Macedo und erschien, wie die ältere "Gazeta", monatlich bis 1667. Die zweite Periode beginnt 1715 mit einer Wochenschrift, die, nach dem Herausgeber "Gazeta de Montorroio" genannt, bis 1760 bestand. Volkstümlich geschrieben waren die in fliegenden Blättern, "Papeis noticiosos" und "Folhas volantes", verbreiteten Nachrichten. Ein offizielles Blatt begann seine Laufbahn 1760 und besteht noch jetzt. Sein ursprünglicher Name ist "Gazeta dos Officiaes das Secretarias", welcher später mehrfach verändert wurde. Seit 1833 führt es den Titel "Diario do Governo". Die 1820 proklamierte kurzlebige Preßfreiheit gab einigen polit. Zeitungen das Dasein, unter welchen nur der "Portuguez", durch Almeida-Garretts Mitwirkung, Bedeutung erlangte. Zwischen 1836 und 1840 stieg die Zahl der regelmäßig erscheinenden Blätter auf 142.
Es giebt nicht nur eine Parteipresse, sondern jeder Minister und Parteiführer hat ein eigenes Blatt zur Verfügung. Die wichtigsten Zeitungen sind im Lager der konservativen Regeneradores: in der Hauptstadt der "Correio da Manhã" (seit 1884), "Diario illustrado" (seit 1872), "Reporter" (seit 1885) und in Oporto "Jornal de Noticias" (seit 1888); auf fortschrittlicher Seite dort "Diario Popular" (seit 1866), "Novidades" (seit 1885), "Commercio de P." (seit 1865), "Correio da Noite" (seit 1881), "Correio da Tarde" (seit 1889), und hier "Provincia" (seit 1885) und "Primeiro de Janeiro" (seit 1869). Legitimistisch ist "A Nação" (seit 1848); vorwiegend katholisch "A Palavra" (seit 1848); regierungsfreundlich der "Economista". Die gelesenste aller Zeitungen ist jedoch das republikanische "Seculo" (seit 1881), neben dem "A Voz Publica" (seit 1890), "A Batalha", "A Vanguarda" und "O Dia" ultrademokratische Interessen vertreten. Unabhängig sind das wichtige "Jornal do Commercio", "Commercio do Porto" (seit 1853), "Correio do Porto" (seit 1886) und das vielgelesene "Diario de Noticias" (seit 1865). Von den zahlreichen Provinzialblättern zeichnen sich aus der liberale "Conimbricense" (seit 1848) und der in Aveiro erscheinende "Campeão das Provincias" (seit 1852). Unter den Witzblättern ist das hervorragendste das von Bordallo Pinheiro geleitete "Pontos nos Ik", das seit 1885 an Stelle des beliebten "Antonio Maria" trat. Auch "Charivari" und "Sorvete" (Oporto) haben viele Bewunderer.
Die litterar.-wissenschaftliche Journalistik ist ebenfalls erst in neuerer Zeit zu einiger Bedeutung gelangt. Zwar erschien schon 1812-20 das "Jornal de Coimbra" (16 Bde.) und 1818-22 die "Annaes das Sciencias, Artes e Lettras" (16 Bde., Paris), doch erlangte größern Einfluß erst das von Herculano herausgegebene "Panorama" (18 Bde., 1837-58 u. 1866-68). Unter den später folgenden sind von Wert die von Castilho geleitete "Revista Universal Lisbonense" (1841-57), "Archivo pittoresco" (1858-68), "Revista contemporanea de P. e Brazil" (1859-64), "A Folha" (Coimbra 1868-73), "Revista de P. e Brazil" (1873-75) und ganz besonders "Revista de P." (1889-92), sowie "Revista Nova" (1894). Von den illustrierten litterar. Zeitschriften sind die beliebtesten der "Occidente" (seit 1878), "Illustração portugueza" (seit 1884) und "Revista illustrada" (seit 1890). Sehr beachtenswert ist das "Instituto", das seit 1853 jährlich einen Band bietet, histor. Studien gewidmet sind die "Revista de Guimarães" (seit 1884, 11 Bde.) und das "Archivo dos Açores" (seit 1875, 19 Bde.). Dem Unterrichtswesen gewidmet sind die "Revista de Educação e Ensino", "O Ensino" und "Revista dos Lyceus" (seit 1890). Wissenschaftliche Kritik übte die "Bibliographia critica" (Oporto 1873-75); philos. Studien vertrat "O Postivismo" von 1878 bis 1881, "Era Nova" von 1880 bis 1884 und "Revista dos estudos livres" (seit 1884); bibliographische "Boletim de bibliographia protugueza" (Coimbra 1879), "Revista biliographica" (Oporto 1879), "Annaes de bibliographia portugueza" (ebd. 1889) und das "Boletim mensal" (Lissab. 1894).
Litteratur. Vogel, Le P. et ses colonies (Par. 1861); Diccionario abreviado de chorographia, topographia e archeologia das cidades etc. de P. (3 Bde., Lissab. 1867); Passarge, Aus dem heutigen Spanien und P. (2 Bde., Lpz. 1883); Müller-Beeck, Eine Reise durch P. (Hamb. 1883); Germond Lavigne, L’Espagne et le P. (Par. 1883); Murray, Handbook for travellers in P. (4. Aufl., Lond. 1887); Conta geral da administração financeira do Estado (Lissab. 1891-92); Tavares de Medeiros, Das