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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Portugiesische Litteratur
in span. Sprache zu schreiben. Nur wenige Lyriker dichteten im Geiste des Camões weiter, so z. B. Balthasar de Estaço, Estevam Rodrigues de Castro, Fernam Rodrigues Lobo Soropita, der früheste verdienstliche Sammler und Herausgeber der Rimas des Lusiadensängers, und Frei Bernardo de Brito, aus dessen "Sylvia de Lisardo" (1597) oft Stücke als zweiter Teil des Crisfal-Idylls bezeichnet werden. In der Schäferpoesie haben auch in dieser Periode einige Dichter die nationale Eigentümlichkeit in Sprache, Ton und Färbung treu bewahrt; so Fernão Alvares do Oriente, geb. um 1540, in seinem aus Prosa und Poesie gemischtem Schäferroman TTTTT" (Lissab. 1607 u. 1781). Noch mehr ist dies der Fall in den drei Schäferromanen "Primavera", "Pastor peregrino" und "O desenganado des Francisco Rodrigues Lobo (geb. um 1550), der durch seine geistvolle Abhandlung über höfische Bildung: "Côrte na aldeia e Noites de inverno", der Begründer der rhetorischen Prosa in der P. L. geworden ist. Endlich verdienen noch die "Ribeiras do Mondego" von Eloy de Soutomayor (Lissab. 1623) und die u. d. T. "Laura de Anfriso" (Evora 1627) erschienenen Schäfergedichte von dem unglücklichen Schwärmer Manoel da Veiga Tagarro (geb. zu Ende des 16. Jahrh.) erwähnt zu werden, der unter die sieben gefeiertsten bukolischen Dichter der Portugiesen gerechnet wird.
Selbst nach der Befreiung von der span. Herrschaft unter Johann IV. von Bragança (1640) blieb die P. L. zunächst unter dem Einfluß der spanischen und teilte ihre Schicksale. So zeigen sich auch in der portugiesischen alle Ausartungen des Barockstils, d. h. des Marinismus und Gongorismus. Unter den Dichtern jener Zeit verdienen Manoel de Faria y Sousa ("Fuente de Aganippe", 4 Bde., Madr. 1644), Antonio Barbosa Bacellar (1610-63), die Nonne Violante do Ceo (1601-93) und Dona Bernarda Ferreira de Lacerda wegen der mattsüßlichen "Soledades do Bussaco" genannt zu werden. Von den damaligen Modedichtungen giebt es ein paar Sammlungen, deren Titel allein schon die bombastische Geschmacklosigkeit derselben charakterisieren: "A fenix renascido" (2. Aufl., 5 Bde., Lissab. 1746) und "Eccos que o clarim da fama dá" (ebd. 1761). Eine kritische Auswahl portug. Sonette gab John Adamson im ersten Teil seiner "Lustania illustrata" (Newcastle 1842) heraus. Nur der als Prosaist hervorragende Jacinto Freire de Andrade hatte Mut, Geschmack und Witz genug, um diese portug. Gongoristen auf ergötzliche Weise in einigen parodistischen Gedichten, die leider fruchtlos blieben, zu verspotten. Auf den Bühnen Portugals herrschten die großen span. Dramatiker, zu denen auch einige Portugiesen zu rechnen sind, wie Dicuuante, Mattos Fragozo. Höchstens die eigentlichen Volksschauspiele (Autos, Farsas und Entremeses) wurden in portug. Sprache abgefaßt. Der große und geniale Geschichtschreiber Francisco Manoel de Mello bereicherte die vaterländische Litteratur nur mit einem Bande lyrischer Gedichte: "As segundas tres musas de Melodino", einer Komödie "O fidalgo aprendiz" und mit mehrern volkstümlichen Hirtengesprächen, nach Art des Miranda. Die einzige umfangreichere dramat. Produktion des 17. Jahrh. in portug. Sprache sind die Possen von Manoel Coelho Rebello, die als "A musa entretenida de varios entremeses" (Coimbra 1658 und Lissab. 1695) erschienen und die ältesten portug. Zwischenspiele dieses Namens enthalten. Doch erzeugte die Einführung der ital. Opern am Hofe Johanns V., Anfang des 18. Jahrh., eine Art komischer Opern, darunter einige von wirklichem Wert. Diese sind Schöpfungen des geist- und humorvollen brasil. Juden Antonio José da Silva, der bei dem Auto da Fé von 1739 verbrannt wurde. (S. Brasilianische Litteratur.)
Die Prosa dieser Zeitepoche nahm ungefähr den gleichen Gang. Ritter- und Schäferroman und dramatisierte Novellen kamen während der ersten Hälfte des 16. Jahrh. dem abenteuerlichen Sinn entgegen. Der ungeheure Anklang, welchen der "Amadis" gefunden, führte zur Abfassung zahlreicher Fortsetzungen und Nachahmungen. Nennenswert sind der "Palmeirim d’Inglaterra des Francisco de Moraes, der 1544 geschrieben, aber erst 1567 (in Evora) im Originaltext gedruckt wurde, und das "Memorial das proezas da segunda tavola redonda" (Coimbra 1567 und Lissab. 1867) von Jörge Ferreira de Vasconcellos (gest. 1585), der die vaterländische Litteratur noch um drei Novellendramen nach Art, doch ohne die Zügellosigkeit, der "Celestina" bereicherte ("Comedia Euphrosina", Lissab. 1616 und 1786; "Ulysippo", 1618; "Aulegrafia, 1619). Die "Cronica do Emperador Clarimundo" (Coimbra 1520 und Lissab. 1791), welche der große Geschichtschreiber João de Barros für seinen königl. Herrn Johann III. ersann, versucht die halb histor., halb märchenhaften Erzählungen von den Vorfahren der burgund. Dynastie zu einem Roman zusammenzufügen. An den bukolischen Ritterroman "Menina e moça" des Bernardim Ribeiro knüpft die Perle der Schäferpoesie, die "Diana" von Jörge de Montemór an, die jedoch, weil spanisch geschrieben, der Litteratur der Schwesternation zugehört. Einen einzigen und mittelmäßigen Novellenschatz brachte Portugal hervor: "Contos e historias de proveito e exemplo" von Gonçalo Fernandes Trancoso (gedruckt 1585 u. 1596), dessen beste Stücke auf internationalem Grunde aufgebaut sind.
Als aber um die Mitte des Jahrhunderts die abenteuerlich-heroischen Entdeckungszüge und Eroberungen der Portugiesen abgeschlossene Thatsachen waren, begannen die geschichtlichen Ereignisse die Phantasie aller Gebildeten viel mächtiger aufzuregen als die matten Nachklänge einer längst ausgelebten Chevalerie. Dasselbe Heroentum, welches die "Lusiaden" erzeugte, begeisterte zu Geschichtswerken, die zwar in Prosa und zum Teil im Chronikenstil geschrieben, aber doch von epischem Hauche durchweht waren. Es entstand allmählich die "Historia tragico-maritima" (Lissab. 1773), eine Sammlung von Einzelberichten der Indienfahrer über Schiffbrüche und Seeabenteuer. Es entstanden die "Decadas" des João de Barros, fortgesetzt von Diego do Couto und von Antonio Bocarro; so fühlte sich der natürliche gleichnamige Sohn des großen Affonso de Albuquerque berufen, des Vaters Heldenthaten in seinen "Commentarios" (4 Bde., Lissab. 1557 u. 1774) zu erzählen; so verfaßte nach dreißigjährigem Aufenthalt in Indien Gaspar Correia seine ausgezeichneten "Lendas da India" (4 Bücher in 8 Bdn., Lissab. 1858-62); so sammelte Fernam Lopes de Castanheda (gest. 1559) die Daten zu seiner "Historia do descobrimento e conquista da India pelos Portuguezes" (4 Bde., Coimbra 1551 und Lissab. 1833), worin er nur erzählt, was er selbst gesehen und gehört; so hinterließ der Apostel der Molukken, Antonio Galvão (1500-57), ein Werk über